Dienstag, 25. Juni 2024

Nano VNA H4 als Antennen-Analysator

 

Bild: manchmal sieht man vor lauter Bäume den Wald nicht

Vielleicht liegt es daran, dass ich nie eine neuntes Schuljahr absolviert habe. Vielleicht hätte ich dort gelernt, dass man nicht in einen Antennen-Analyzer senden soll. Auf jeden Fall ist das Teil jetzt futsch. Schade für meinen Rigexpert AA-600. 100 Watt waren ihm definitiv zu viel, und alles was mir von ihm geblieben ist, ist eine N-Buchse, ein Batteriefach und ein paar gute SMD-Elkos.

Und das ausgerechnet jetzt, wo ich doch einen praktischen Schwenkarm gebaut habe, um vor dem Shack-Fenster allerlei Antennen zu probieren und zu vergleichen. Ist es doch außerordentlich praktisch, wenn man ungeachtet des Wetters nach Lust und Laune Vertikalantennen und andere kleinere Gebilde vors Fenster pflanzen kann, ohne den sicheren Shack zu verlassen. Welcher Funker-Opa geht schon gerne raus aufs regennasse Dach um an seinen Antennen zu basteln? 

Gar viele Antennen dämmern heutzutage im Halbschlaf vor sich hin, mit abgesoffenen Steckern, uralten Koaxkabeln und korrodierenden Kontakten. Der OM ist alt geworden und die Antenne ebenfalls. Sie hat ihr Verfallsdatum längst überschritten und liegt nun ausser der Reichweite des OM.  

"Was jetzt?", habe ich mich gefragt. Nur ein simples SWR-Meter ist eine gar bescheidene Ausrüstung für einen passionierten Antennenbastler. Auf diesen Missstand gab es nur eine Antwort: ein neuer Antennen-Analyzer musste her. Auch wenn das Teil ein grosses Loch ins Bastel-Budget reissen würde.

Da traf mich plötzlich ein Geistesblitz, der schon lange in meinem geistigen Untergrund gelauert hatte. Der Blitz hiess NanoVNA. Ein Kästchen, nicht größer als ein Smartphone. Von einem Japaner erfunden und von einem chinesischen Tüftler weiter entwickelt. Für mich kein Unbekannter, denn das Teil gibt es schon seit ein paar Jahren. Aber bisher ausserhalb meines Gedanken-Horizonts, da ich ja für Antennenmessungen bestens versorgt war. Bis zum Exitus meines AA-600.

Der NanoVNA ist ein sogenannter Vektor Netzwerk Analysator. VNA's gibt es schon lange für den industriellen Bedarf in Profi-Ausführung. Leider ausserhalb eines normalen Funkamateur-Budgets. 

Nicht so der kleine NanoVNA, denn das Teil wird natürlich in China geklont. Wie könnte es anders sein. Es gibt davon unzählige Varianten und diese kosten zwischen 50 und 150 Dollar.

Und das Beste an diesen Klons: Sie sind für Amateurfunk-Zwecke recht gute Antennen-Analysatoren.  

Es gibt heute unzählige Videos zum NanoVNA. Die meisten in Englisch und von eher bescheidener Natur. Im folgenden Video wird die Geschichte des Nano VNA aber gut erklärt und man erhält einen Überblick über die verschiedenen Modelle und ihre Vor- und Nachteile (auf deutsch):   


  In der Zwischenzeit habe ich mir auch eines dieser Wunderkästchen angeschafft. Ein NanoVNA H4 mit der Hardware-Version 4.3_MS. Ich habe das Teil bei Amazon gekauft und bin damit bisher sehr zufrieden. Zwar gibt es dazu kein Handbuch, nur eine Flowchart für das Menü. Aber wenn man bisher nicht hinter einem Stein gelebt hat, begreift man beim Herumspielen rasch, wie der Hase läuft. Notfalls auch ohne eine neunte Schulklasse absolviert zu haben.

Meine Version kann auf maximal 401 Messpunkte eingestellt werden (101 sind bei einfacheren Modellen Standard), und verfügt über einen eingebauten Li Ion Akku und einen Slot für eine Micro SD Karte. Die Eichnormale für die Kalibrierung werden mitgeliefert und das Teil steckt in einer hübschen Kartonschachtel. Die erwähne ich nur, weil ich immer gerne solche Schachteln benutze, um darin Kondensatoren aufzubewahren. 

Ich werde mit dem Nano VNA hauptsächlich Antennen messen. Aber so ein VNA kann noch wesentlich mehr. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Antennen-Analyzer hat er nämlich zwei Anschlussbuchsen. Nein, nicht um zwei Antennen gleichzeitig zu messen. Man kann zwischen den beiden Anschlüssen alle Arten von "Netzwerken" einspannen, wie zum Beispiel Filter. Und dann kann man nicht nur das SWR, bzw. das Return Loss Diagramm darstellen lassen, sondern auch eine Smith Chart. Das ist eine zu einem Kreis zusammen gebogene Abbildung komplexer Impedanzen wie sie sich eigentlich nur Ingenieure ausdenken können.

Wer das alle genau wissen will, lädt sich von dieser Seite am besten den hb9uf_nanovna_primer_v1.2.pdfvon HB9UF herunter. Wer lieber ein Video zur Bedienung des NanoVNA sehen möchte, dem empfehle ich das folgende:


Dienstag, 11. Juni 2024

Der Ultimate 3S von QRP Labs

Foto: Blick ins Motélon Tal. Im Hintergrund der Dent de Brenleire 2354m HB/FR-003 und der Dent de Folliéran 2340m HB/FR-0041.

Funkgeräte, Antennen und Stationszubehör selbst zu bauen, gehört zum Amateurfunk und bereitet nicht nur viel Vergnügen und Befriedigung. Es ist eine Beschäftigung, die das Wissen und die geistigen und manuellen Fähigkeiten des Funkamateurs weiterentwickelt. Die Möglichkeit einen Sender selbst bauen zu dürfen, ist zudem ein außerordentliches Privileg, das wir uns durch unsere Lizenz erworben haben.

Zwar ist nicht jeder Funkamateur in der Lage, ein Funkgerät selbst zu entwickeln. Braucht es doch dazu Fähigkeiten, die über den Stoff der Lizenzprüfung hinaus gehen. Aber um einen Bausatz nach Anleitung zusammen zu bauen, dazu sollte jeder Funkamateur in der Lage sein.

Die Old Timer unter uns erinnern sich sicher noch an die legendären Heathkit Bausätze. Die Firma gibt es schon lange nicht mehr, doch einige ihrer Geräte sind noch heute im Gebrauch. Wie zum Beispiel der SB-102 oder der HW-101. Heathkit war bekannt für vortrefflich detaillierte Arbeitsanweisungen in denen jeder einzelne Schritt genau beschrieben wurde. Ich mag mich noch gut an den 2m AM Transceiver HW-17 erinnern, den ich in den 70er Jahren gebaut habe. Lange kam er aber nicht mehr zum Einsatz. Die Empfindlichkeit seines Empfängers war bescheiden und die AM Zeit auf dem 2m Band ging rasch zu Ende. SSB wurde populär, gefördert u.a. durch den Icom IC-202. Dann kam FM auf und damit die Relaisstationen. 

Zwar gibt es die Firma Heathkit mit ihren Hamradio Bausätzen nicht mehr, doch andere Firmen sind in ihre Fußstapfen getreten. Zum Beispiel Elecraft. Allerdings geht es dabei heutzutage nur noch um das Montieren einzelner Module. Mit Ausnahme des K2. Ein Kurzwellentransceiver für CW und SSB der vollständig auf Komponenten-Level mit bedrahteten Bauteilen gelötet werden musste. Ein auch nach heutigen Maßstäben sehr guter Transceiver, der mir viele Stunden Vergnügen beim Zusammenbau und beim Betrieb bereitet hat.

In den vergangenen Jahren habe ich auch immer wieder Bausätze von Hans Summers G0UPL (QRP Labs) gebaut. Die Arbeitsanweisungen seiner QRP-Transceiver für CW und Digitalbetrieb sind durchaus auf Heathkit Niveau. 

Nun habe ich den Bakensender Ultimate U3S zusammengebaut. Sein Vorgänger der U3 leistet mir zwar nach wie vor gute Dienste für Experimente und Versuche und würde das sicher auch weiterhin tun. Aber ich hatte einfach Lust darauf, die neue, verbesserte Version zu bauen.

Dieser Sender liefert ca. 1/4 Watt HF und kann auf allen Bändern  von 2200m bis 2m in Betrieb genommen werden. Er kann CW, WSPR und viele andere digitale Modulationsarten und ist einfach über zwei Tasten zu programmieren. Der Bandwechsel erfolgt durch Austausch des Tiefpassfilter-Moduls. Ich habe ihn mit der optionalen Umschaltbank gebaut, die mit 6 Tiefpassfilter bestückt werden kann. Zurzeit habe ich den U3S für 2200m, 630m, 160m, 80m, 10m und 6m ausgerüstet. Da er eine  5V Speisung benötigt, braucht man ein entsprechendes Netzteil oder einen Spannungsregler. Ich habe ihm ein Step Down Modul aus China verpasst: ein Schaltregler, der meine Batteriespannung von 12V auf 5V heruntersetzt. Ich verwende dieses Modul. Es kostet 2$ und kann DC rauf oder runter transformieren von 3 bis 35V auf 1.25 bis 30V und liefert maximal 2A. Mehr als genug für meine Zwecke. Es hat sich bei mir bereits für andere Aufgaben bewährt. Seine Taktfrequenz beträgt 50 kHz. Zusätzliche Filter Massnahmen können deshalb nicht schaden.

Hier ein paar Bilder zu meinem Ultimate 3S:




 Meine Erfahrungen beim Bau des Ultimate 3S:

Beim Bau des Gerätes traten keine besonderen Probleme zu Tage. Das Gerät funktionierte auf Anhieb auf 6m und den Kurzwellenbändern. Doch beim Betrieb auf 2200m und 630m hängte sich der Mikroprozessor auf. Rien ne vas plus - ein Reset war notwendig. Ursache unbekannt. Die Lösung: Umbau des Ausgangstrafos der Endstufe von der bifilaren Version auf die alternative Drosselversion mit 25 Windungen, wie sie auch in meinem alten U3 existiert. Mit drei BS170 in der Endstufe wurden damit auf Lang- und Mittelwelle ca. 350mW Output erreicht. Im 160m Band 400mW und im 80m Band 330mW. Im 10m Band aber nur noch 70mW und im 6m Band 30mW. Die Stromaufnahme ab 12V lag bei maximal 160mA. Der Ruhestrom bei 55mA. Wird der U3S nur auf den KW/VHF Bändern betrieben, ist der bifilare Trafo die besser Lösung. Siehe dazu auch die Leistungskurven von Hans Summers in der Bauanleitung.    

 

Mittwoch, 29. Mai 2024

Der Mini 80, nachgebaut von Wolfgang DL2KI

 

Bild: Auf meinem IC-7700 ist die vorerst letzte Version meines 80/40m CW QRP Transceivers zu sehen. Eine Mischung aus "Mini80, Norcal40 und eigenen Ideen. Ein HDT Hardware defined Transceiver; vollständig softwarelos.

Vor 42 Jahren veröffentlichte Gerhard Haynold im Funkamateur (FA18/82) eine Bauanleitung für einen einfachen CW QRP-Transceiver für das 80m Band. Der Empfänger war ein so genannter DC-Receiver: ein Direkt Überlagerungs Empfänger und besaß einen VFO, der im Bereich 500 bis 600 kHz arbeitete. Sein Signal wurde mit dem Signal eines 3MHz Quarzoszillators auf das 80m Band hoch gemischt. Damit wurde eine gute Frequenzstabilität erzielt und eine Rückwirkung des Senders auf den VFO vermieden.

Ich habe damals diesen Transceiver aufgebaut und ihn in den Ferien im Tessin benutzt. Von Mogno aus konnte ich im Herbst 1982 viele Stationen in Europa arbeiten. Trotz der geringen Sendeleistung von ca. 2W und einer Langdrahtantenne nur wenige Meter über Grund entlang eines Bachlaufes. 

Transceiver und Logbuch sind leider verschollen, doch die Erinnerung an das kleine Gerät ist geblieben. 

Nun, 42 Jahre später, hat Wolfgang DL2KI dieses Gerät nach der damaligen Beschreibung aufgebaut und ausprobiert. Der Transceiver ist ein kleines Schmuckstück geworden und auf der Seite von Wolfgang zu bewundern. Der Bau ist akribisch beschrieben und würde einen erneuten Nachbau noch viel besser ermöglichen als es der Artikel aus dem Jahre 1982 möglich machen würde. Auch die Bauteile sind heute noch aufzutreiben. Wie zum Beispiel die verwendeten Mischer SO42. 

Wolfgang hatte beim Bau des Prototypen Hilfe von Jürgen DC0DA.

Jürgen hat übrigens im Funkamateur 11/17 einen QRP-Transceiver beschrieben. Den "Mini 80" - mit einem Superhet-Empfänger. Und hier schließt sich der Kreis:

Der Artikel von Jürgen hat mich nämlich dazu inspiriert, wieder einmal einen 80m QRP-Transceiver zu bauen. Was daraus geworden ist, habe ich hier in meinem Blog beschrieben. Natürlich habe ich dies und jenes abgeändert und den Bauteilen in meinem Fundus angepasst. Aber auch anderswo habe ich noch das eine oder andere Detail abgekupfert. Doch der Kern meines Transceivers war der "Mini 80" von Jürgen.

QSOs habe ich damit von der Lauchernalp getätigt und er hat sich dabei bestens bewährt, wie hier nachzulesen ist.    

In der Zwischenzeit habe ich noch weitere Versionen dieser Schaltung gebaut und der Transceiver ist nun eine Zweiband-Version für 80 und 40m geworden. Dabei ist auch immer mehr aus der Schaltung des Norcal 40 eingeflossen. Der Mini 80 und der Norcal funktionieren ja grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip, wie auch viele andere Selbstbaugeräte und Bausätze aus den 80er und 90er Jahren.

  

Sonntag, 26. Mai 2024

Das Warten hat sich gelohnt: QMX+

 

Bilder: Unterwegs in der Flussaue des Javro

Meine Freude war gross, als Hans Summers seinen kleinen Mehrband Transceiver QMX lancierte: Ein winziger CW/Digital Transceiver mit 5W Leistung als Bausatz. Hier habe ich über den Kleinen berichtet. Aufmerksam verfolgte ich die Einführung dieses Bausatz-Transceivers auf dem Forum von QRP-Labs. Obwohl ich bisher gute Erfahrungen mit den Bausätzen von QRP Labs gemacht hatte, unter anderem mit dem QCX+, - zögerte ich mit dem Kauf. Das Gerät schien mir nicht ausgereift. Nicht nur punkto Software, was sich mit Updates korrigieren ließ, sondern auch punkto Hardware. Das Gerät war derart stark miniaturisiert, dass sein Bau für den Bastler eine Menge Fallstricke bereit hielt und keinen Raum für Hardware-Verbesserungen bot. Mein Frust darüber kam dann hier in diesem Blogeintrag zum Ausdruck. Ich wollte diesmal nicht zu den Early Birds gehören, die bei der Fertigentwicklung des Geräts mithalfen. Wieso nur hatte Hans den Transceiver in ein dermassen kleines Gehäuse gequetscht? Hätte er es eine Nummer größer gewählt, wären m.E. viel weniger Schwierigkeiten zu überwinden gewesen. Zudem hätten nicht nur 5 Bänder reingepasst, sondern alle Kurzwellenbänder, inklusive 6m. Mehr Optionen und Anschlussmöglichkeiten wären möglich geworden und die Bedienung wäre auch weniger knifflig gewesen. 

Ich habe also zugewartet und derweil meine eigenen QRP-Geräte für meine Portabel-Aktivitäten gebaut. Komplett softwarelos nach alter Schule. HDT Hardware Defined Transceiver.

Mit der Zeit habe ich das Interesse am QMX verloren und das Forum nur noch sporadisch beobachtet. So traf mich die Neuentwicklung total unvorbereitet. Hans Summers war nämlich nicht untätig geblieben und hatte nicht nur den QMX in vielen SW-Updates laufend verbessert, sondern gleichzeitig ein neues Gerät auf den Markt gebracht. 

Und zwar nichts anderes als das, was ich mir ursprünglich vom QMX erhofft hatte. Der neue Bausatz-Transceiver heisst QMX+ und ist der grosse Bruder des QMX. Er basiert auf der Technik des QMX, ist aber eine Nummer größer und besitzt nun alle Bänder von 160 bis 6m. Das Warten hat sich gelohnt. Wenn der QMX+ hält, was er verspricht, weiss ich, was ich im nächsten Winter zusammenbauen werde.

Hier geht es zum QMX+ von QRPLabs. 

Es muss nicht immer alles so klein wie möglich sein.   

Donnerstag, 16. Mai 2024

Die sporadische E-Schicht ist wieder da!

 




Bilder: Polarlicht in der Schweiz. Aufgenommen von Peter HB9CCZ

Wie jedes Jahr beglückt uns Funkamateure der Mai mit sporadischen E-Schichten. Während ich diese Zeilen schreibe, ruft gerade SV3AUW CQ im 6m Band in FT-8. Er ist sogar hier im Alpental mit einem Signal zu hören, das auch eine SSB-Verbindung ermöglichen würde. Takis hat nicht nur eine interessante Seite auf QRZ, sondern auch ein spannendes Blog.

Doch die sporadische E-Schicht ist dieses Jahr nicht allein. Denn im Höhepunkt der Sonnenaktivität hilft manchmal auch die F-Schicht bei der Reflektion der 10m und 6m Wellen. Dann reichen unserer VHF Signale um den halben Globus. Im Gegensatz zu den sporadischen E-Schichten, die sich in etwa 100km über unseren Köpfen bilden, sitzt die F-Schicht in 250 bis 400km Höhe. Mit ihrer Hilfe sind  viel grössere Sprungdistanzen möglich. Sofern man die Welle entsprechend flach abstrahlen kann. Doch wie  bereits erwähnt, stehen hier im Alpental viele Berge im Wege. Ich muss mich also mit kürzeren Sprüngen und deshalb auch schwächeren Signalen begnügen.

Wie weit ein einzelner Es Sprung über die Ionosphäre reicht, hängt nicht nur vom Abstrahlwinkel sondern auch von der Höhe der Schicht ab, die etwas variiert. Hier auf dieser Seite sind Tabellen für 90 und 120km Es-Höhe, aus denen die Sprungweiten und die maximal möglichen Distanzen herauszulesen sind. Natürlich sind auch bei Es Mehrfachsprünge möglich, sofern sich an der "richtigen" Stelle gerade eine weitere Es-Schicht befindet. Die Höhe der Ionosphärenschichten kann man aus einem Ionogramm ersehen. Zum Beispiel hier bei der Sonde von Dourbes (Belgien)  

Auf dieser Seite kann man das Es Geschehen in Europa in Echtzeit verfolgen.

Mein Horizont ist, wie ihr wisst, ziemlich beschränkt ;-) Trotzdem hat es mich überrascht, auch hier im Alpental Nordlichter zu sehen und sogar Aurora-Signale zu hören. Natürlich lag ich auf der Lauer, als die starken Sonneneruptionen angekündigt wurden, und habe deshalb das wohl einmalige Erlebnis nicht verschlafen. Dank dem Dashboard der NOOA. Wenn dort ein G5 in Dunkelrot angekündigt wird, ist eine Aurora in Mitteleuropa möglich. Fällt dann plötzlich das Internet aus und das Licht im Shack, hat es die Sonne wohl übertrieben. Das war diesmal glücklicherweise nicht der Fall.

Vielen Dank  an Peter HB9CCZ für die Erlaubnis zur Publikation seiner Aurora Aufnahmen.    

Dienstag, 30. April 2024

MFJ hört auf

 

Bild: Le Vanil des Cours 1562m HB/FR-032 von Charmey aus. Dieser SOTA Hügel versperrt meinen Funkwellen den Weg Richtung Nordamerika.


Die bekannte Firma MFJ aus den USA schließt. Hier die Mitteilung ihres Chefs übersetzt in Deutsch:


25. April 2024

Liebe Amateure und Freunde,

ich schreibe diesen Brief mit traurigem Herzen.

Wie viele von Ihnen bereits gehört haben, wird MFJ seine Produktion vor Ort in Starkville, Mississippi, am 17. Mai 2024 einstellen. Dies gilt auch für unsere Schwesterunternehmen Ameritron, Hygain, Cushcraft, Mirage und Vectronics.

Die Zeiten haben sich geändert, seit ich vor 52 Jahren mit diesem Geschäft begonnen habe. Unsere Produktpalette wuchs und wuchs und gedieh. Covid hat alles in den Unternehmen verändert, auch unseres. Es war der härteste Schlag, den wir je erlebt haben, und wir haben uns nie ganz davon erholt.

Ich bin dieses Jahr 80 geworden. Ich hatte nie wirklich an den Ruhestand gedacht, aber das Leben ist so kurz und die Zeit mit meiner Familie so kostbar.

Ich möchte allen unseren Mitarbeitern danken, die mit mir zusammen dieses Unternehmen über die Jahre hinweg aufgebaut haben. Wir haben viele Mitarbeiter, die MFJ seit 10, 20, 30, 40 und mehr Jahren zu ihrem Beruf gemacht haben.

Wir werden auch über den 17. Mai 2024 hinaus MFJ-Produkte verkaufen. Wir haben einen großen Vorrat auf Lager. Wir werden in absehbarer Zeit auch weiterhin Reparaturen für Geräte anbieten, bei denen die Garantie abgelaufen ist oder die sich in der Garantiezeit befinden.

Abschließend möchte ich mich bei all unseren Kunden und Händlern bedanken, die MFJ seit so vielen Jahren zu einem weltweiten Namen und zu einem profitablen Unternehmen gemacht haben. Wir wissen Sie alle sehr zu schätzen.

Mit freundlichen Grüßen, 73s

Martin F. Jue, K5FLU

(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Kaum ein Funkamateur, der nie ein Produkt von MFJ besitzt oder besessen hat. Ich hatte einen Ameritron Linear Verstärker einen AL600H mit vier Röhren 811, verschiedene Cushcraft Antennen, einen Mirage Verstärker für das 2m Band und einige kleinere Helferlein für den Shack.

Auch wenn MFJ nicht gerade berühmt war für eine ausgezeichnete Qualitätskontrolle, die Produkte waren günstig und erfüllten ihren Zweck. Mit der Ameritron Endstufe war ich sehr zufrieden und sie spornte mich dazu an, selber Linear-Endstufen zu bauen. Die Cushcraft Antennen dienten mir lange Jahre im 2m und 70cm Band. 

Die meisten der erwähnten Marken waren zuvor selbstständig und wurden von MFJ im Verlaufe der Jahre aufgekauft. Ob nun die eine oder andere, oder gar die gesamte MFJ einen neuen Besitzer findet, wird man sehen. Aber vielleicht springt auch ein chinesisches Unternehmen in die Lücke. 

Nun, wir älteren OM haben schon gar manches Unternehmen im Amateurfunk kommen und gehen sehen. MFJ wird nicht das letzte sein. 

Samstag, 27. April 2024

Hexagonales Wasser

 


Auch hier im Alpental geht die Antennen-Angst um. Eine Gruppe von Menschen versucht die Installation von 5G Mobilfunk auf dem bestehenden Mobilfunkmast zu verhindern. Sie verteilen Flugblätter, intervenieren in der Gemeindeversammlung und im Lokalblatt. Sie sammeln sogar Geld um damit einen Anwalt und einen Experten zu bezahlen. Der Experte sei Spezialist, ein Radio-Ingenieur, der sich mit gefährlichen Strahlen auskenne. Und 5G-Strahlung sei besonders gefährlich. Gut, dass meine Antennen inkognito sind. 

Hoffentlich sprengen die unsere Mobilfunkantenne nicht. Sie ist nämlich unsere Einzige. Sie steht weit außerhalb des Dorfes auf einem Hügel und ihre einzigen Nachbarn sind ein paar Kühe auf den Alpweiden. Ob die Kühe auch Angst vor 5G haben und deswegen vielleicht weniger Milch geben?

Doch wie bei allem gibt es auch hier einen Gegenpol.

Erstaunlicherweise gibt es offenbar Menschen, die sich geradezu zu elektromagnetischer Strahlung hingezogen fühlen. Sogar so sehr, dass das BAKOM, das Bundesamt für Kommunikation einschreiten musste. Diese Menschen fabrizieren nämlich hexagonales Wasser aus gewöhnlichem Wasser. Dazu brauchen sie Hochfrequenz. Zwar keine 5G Strahlung im Gigahertz-Bereich, sondern - wie könnte es anders sein - u.a. Wellen aus unserem 2m Band.

Die werden ja bereits von Heilern benutzt, die mit Antennen über schmerzende Gelenke und Organe streichen. Ein Brauch, der offenbar noch nicht ganz verschwunden ist, wenn man den Frequenzbereich bei 144 MHz beobachtet. 

Diese Affinität gegenüber der 2m Welle hat vielleicht seine Gründe im Aufbau des menschlichen Körpers. Dieser, beziehungsweise Teile davon, scheint gewisse Resonanzen aufzuweisen. Wir Funker wissen das auszunutzen. Je nachdem wie wir unsere Handsprechgeräte halten, agiert unser Körper als Reflektor und verschafft uns einen zusätzlichen Antennengewinn in eine bestimmte Richtung. 

Wie weit der Mensch elektromagnetische Strahlung wahrnehmen kann und ob ihm nicht ionisierende Strahlung ab einer gewissen Stärke schadet, ist umstritten. Und ob wir wirklich 5G brauchen, nachdem wir doch die Glasfaser im Haus haben ist fraglich.

Aber die beiden Extreme zeigen sehr schön, dass wir Menschen in verschiedenen Realitäten leben.