Ein Foto aus meinen September-Ferien in Grächen im Wallis: Mitten im Vordergrund das Brunegghorn, der grosse Weisse links davon ist das Weisshorn, der kleine weisse Gipfel rechts das Bishorn und links im Hintergrund das Matterhorn. Bis auf das Bishorn alles SOTA-Berge. In meinem nächsten Blog werde ich über meine Funkerfahrungen an diesem Urlaubsort berichten.
Es ist jetzt schon eine Weile her, dass ich morgens beim
Kaffeetrinken plötzlich in einer anderen Realität oder in einem
Paralleluniversum gelandet bin. Mein Aufenthalt in der «Stadt mit derungewissen Mauer» ist nur noch eine ferne Erinnerung. Da ich offenbar eine gute
Verdrängungsstrategie habe, taucht sie nicht einmal in meinen Träumen auf. Nur
jeweils am Morgen, wenn ich erwache und die Augen aufschlage, werde ich daran erinnert.
«Scheibenkleister», denke ich dann. «Der linke Bildschirm
ist immer noch kaputt.» Trotzdem danke ich dem Universum, dass der Rest meines
Hirnkastens noch in Ordnung zu sein scheint, wie mir die Neurologen versichert
haben. Ihr wisst sicher, wie so Tests ablaufen, prahlt doch der amerikanische
Präsident dauernd, wie er diese Test bisher gemeistert habe: Zu Beginn werden
einem da eine Reihe Bilder gezeigt. Ein Krokodil, ein Eichhörnchen, ein Vogel
und eine Kuh. Bis auf das Krokodil kenne ich, als Alpenbewohner, die Tiere natürlich persönlich und hatte deshalb keine Schwierigkeiten.
In der Zwischenzeit habe ich mich mit dem Leben als Einauge
arrangiert. Immerhin hat dieses einäugige Leben auch seine positiven Seiten. So
habe ich rasch begriffen, dass ich nur noch das rechte Glas meiner Brille zu
putzen brauche. Auch das Autofahren ist viel entspannter geworden, da ich als
Beifahrer in Ruhe die Landschaft betrachten kann und dabei viele neue Dinge
entdecke. Nach 57 Jahren auf den Führerschein zu verzichten, ist mir erstaunlich
leicht gefallen, zumal ich von einer ausgezeichneten Fahrerin durch die Gegend
kutschiert werde, die besser parken kann, als ich das jeweils fertig gebracht
habe.
Natürlich gibt es auch weniger positive Effekte. Einer
besteht darin, dass ich sehr vorsichtig sein muss, wenn ich z.B. Wein trinke.
Kommt es doch vor, dass ich in Ermangelung der stereoskopischen Sicht, das Glas
nicht im ersten Anlauf erwische. Aber das wird sich sicher bei fleissigem Üben noch
einpendeln. Mehr Sorgen machen mir schon die Lötstellen: dass Zinn und
Lötkolben beide zusammen die Lötstelle finden, ist Glücksache, und die
Lötstellen sehen aus wie gebrutzelt.
Aber man muss nicht alles selber basteln. Aliexpress
kann das auch fertig liefern. Die meisten meiner Hobbies sind mir ja erhalten
geblieben. Unter anderen das Funken als Radioamateur. So funke ich fröhlich
weiter aus dem Alpental wie vorher. Ja, ich habe in der letzten Zeit sogar
meinen bescheidenen Antennenpark erweitert. Auf Kurzwelle ergänzt nun ein
seltsamer Dipol meine Magnetloop-Antenne. Dieser Dipol ist unter dem Vordach
des Chalets aufgespannt, ganz in der Nähe der hölzernen Fassade. In etwa 12m
Höhe führt er der Hauswand entlang und ist dank seiner braunen Farbe praktisch
nicht zu sehen. Über die Länge bin ich noch nicht mit mir einig. Sie ist
nämlich zufällig entstanden, und ich habe es versäumt die Drahtlänge exakt
auszumessen. Ziel war es, soviel Draht in die Luft zu kriegen, wie möglich. Es
dürften vielleicht etwa 16m sein, mit zwei lustigen Schleifen an den Enden. Sie
wurden hinter den Fensterläden versteckt, dienen als Endkapazitäten und sollen
die Antenne elektrisch verlängern. Daher die unbestimmte Länge.
Gespeist habe ich den Draht auch nicht in der Mitte,
sondern etwas abseits davon, wie man das bei OCF-Antennen macht (WindomAntenne). Dort sitzt bei mir aber nicht ein UNUN, sondern ein automatischer
Antennen-Tuner (CG3000). Wieso einen dieser suspekten UNUN-Übertrager benutzen
oder sich mit Hühnerleitern abplagen, wenn man einfach einen automatischen Tuner
direkt an der Quelle einsetzen kann?
Natürlich hat so ein Tuner auch Verluste, doch man kann ihn
direkt mit einem Koaxialkabel speisen und hat auf diesem ein gutes SWR und
somit auch weniger Kabelverluste.
Nicht alle automatischen Tuner sind dafür geeignet. Viele sind
nicht wasserdicht. Andere verlangen nach einer manuellen Bedienung, was für
einen automatischen Tuner ein Witz ist. Oder sie wollen einem alle möglichen
Daten auf einem Display anzeigen. Will man einen Tuner direkt an der Speisequelle
draussen an der Antenne einsetzen, muss er
1. Wasserdicht
sein
2. Über
einen genügenden Anpassbereich verfügen.
Über letzteren Punkt gibt das Manual, bzw. Datenblatt Auskunft.
Der CG-3000, der als Pi-Tuner arbeitet, kann maximal 32uH in Serie schalten und
am Eingang max. 6300pF und am Ausgang 755pF parallel schalten. Damit kann er
auf 10 bis 160m Impedanzen von ca. 12 bis 1000 Ohm anpassen. So können z.B. auf
160m auch sehr kurze Antennen angepasst werden. Doch für eine Endspeisung eines
Halbwellendipols reicht es in der Regel nicht.
Obwohl oft für Inverted-L Antennen eingesetzt, ist ein
automatischer Tuner nicht nur für Langdraht und Rutenantenne gegen Erde zu
gebrauchen. Trotz seinem einbeinigen, unsymmetrischen Aufbau. Am Erdanschluss
des Tuners wird einfach anstelle einer Erdung der zweite Dipoldraht
angeschlossen. Damit das ohne Fisimatenten funktioniert, wird das Koaxialkabel
direkt vor dem Anschluss des Tuners mit einer Mantelwellensperre versehen. Auch
sollte eine Drossel auf der DC-Speisung angebracht werden.
Meinen seltsamen Dipol stimmt der Tuner auf allen Bändern
von 10 bis 160m ab. Meistens auf ein SWR 1:1. Doch ein gutes SWR bedeutet nicht
automatisch eine gut funktionierende Antenne. Hat doch auch ein Dummy Load ein
SWR von 1:1. Wie gut das Teil läuft, erfährt man nur in der Praxis; im
Vergleich mit anderen OM und mit anderen Antennen. In meinem Fall mit meiner
Magnetloop-Antenne.
Die bisherigen Resultate sind erfreulich, trotz der Nähe
zur Hauswand. Diese frisst ja sicher einen Teil der Leistung weg. Nur auf dem
160m Band ist die Antenne kaum zu gebrauchen. Für dieses Band ist sie einfach
zu kurz.
Erstaunlich tief ist der Störpegel, trotz der Nähe zur
Hauswand und obwohl sich mein Shack gerade auf der anderen Seite der Wand
befindet, sind meine Geräte immun gegen die Strahlung, die durch die Hauswand dringt. Nirgends ein Bildschirm, der flackert, eine Stereoanlage, die
kreischt oder ein Computer, der die Verbindung zum Internet verliert. Glasfaser
sei Dank.
Und da bei mir jedes Schaltnetzteil sorgfältig entstört
wurde ist auch der Geräuschpegel im Empfänger erstaunlich niedrig. Nur meine
Magnetloop-Antenne ist meistens noch besser.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen