Samstag, 10. Oktober 2026

Eine sehr seltsame Antenne

 

Ein Foto aus meinen September-Ferien in Grächen im Wallis: Mitten im Vordergrund das Brunegghorn, der grosse Weisse links davon ist das Weisshorn, der kleine weisse Gipfel rechts das Bishorn und links im Hintergrund das Matterhorn. Bis auf das Bishorn alles SOTA-Berge. In meinem nächsten Blog werde ich über meine Funkerfahrungen an diesem Urlaubsort berichten.

Es ist jetzt schon eine Weile her, dass ich morgens beim Kaffeetrinken plötzlich in einer anderen Realität oder in einem Paralleluniversum gelandet bin. Mein Aufenthalt in der «Stadt mit derungewissen Mauer» ist nur noch eine ferne Erinnerung. Da ich offenbar eine gute Verdrängungsstrategie habe, taucht sie nicht einmal in meinen Träumen auf. Nur jeweils am Morgen, wenn ich erwache und die Augen aufschlage, werde ich daran erinnert.

«Scheibenkleister», denke ich dann. «Der linke Bildschirm ist immer noch kaputt.» Trotzdem danke ich dem Universum, dass der Rest meines Hirnkastens noch in Ordnung zu sein scheint, wie mir die Neurologen versichert haben. Ihr wisst sicher, wie so Tests ablaufen, prahlt doch der amerikanische Präsident dauernd, wie er diese Test bisher gemeistert habe: Zu Beginn werden einem da eine Reihe Bilder gezeigt. Ein Krokodil, ein Eichhörnchen, ein Vogel und eine Kuh. Bis auf das Krokodil kenne ich, als Alpenbewohner, die Tiere natürlich persönlich und hatte deshalb keine Schwierigkeiten.   

In der Zwischenzeit habe ich mich mit dem Leben als Einauge arrangiert. Immerhin hat dieses einäugige Leben auch seine positiven Seiten. So habe ich rasch begriffen, dass ich nur noch das rechte Glas meiner Brille zu putzen brauche. Auch das Autofahren ist viel entspannter geworden, da ich als Beifahrer in Ruhe die Landschaft betrachten kann und dabei viele neue Dinge entdecke. Nach 57 Jahren auf den Führerschein zu verzichten, ist mir erstaunlich leicht gefallen, zumal ich von einer ausgezeichneten Fahrerin durch die Gegend kutschiert werde, die besser parken kann, als ich das jeweils fertig gebracht habe.

Natürlich gibt es auch weniger positive Effekte. Einer besteht darin, dass ich sehr vorsichtig sein muss, wenn ich z.B. Wein trinke. Kommt es doch vor, dass ich in Ermangelung der stereoskopischen Sicht, das Glas nicht im ersten Anlauf erwische. Aber das wird sich sicher bei fleissigem Üben noch einpendeln. Mehr Sorgen machen mir schon die Lötstellen: dass Zinn und Lötkolben beide zusammen die Lötstelle finden, ist Glücksache, und die Lötstellen sehen aus wie gebrutzelt.

Aber man muss nicht alles selber basteln. Aliexpress kann das auch fertig liefern. Die meisten meiner Hobbies sind mir ja erhalten geblieben. Unter anderen das Funken als Radioamateur. So funke ich fröhlich weiter aus dem Alpental wie vorher. Ja, ich habe in der letzten Zeit sogar meinen bescheidenen Antennenpark erweitert. Auf Kurzwelle ergänzt nun ein seltsamer Dipol meine Magnetloop-Antenne. Dieser Dipol ist unter dem Vordach des Chalets aufgespannt, ganz in der Nähe der hölzernen Fassade. In etwa 12m Höhe führt er der Hauswand entlang und ist dank seiner braunen Farbe praktisch nicht zu sehen. Über die Länge bin ich noch nicht mit mir einig. Sie ist nämlich zufällig entstanden, und ich habe es versäumt die Drahtlänge exakt auszumessen. Ziel war es, soviel Draht in die Luft zu kriegen, wie möglich. Es dürften vielleicht etwa 16m sein, mit zwei lustigen Schleifen an den Enden. Sie wurden hinter den Fensterläden versteckt, dienen als Endkapazitäten und sollen die Antenne elektrisch verlängern. Daher die unbestimmte Länge.



Gespeist habe ich den Draht auch nicht in der Mitte, sondern etwas abseits davon, wie man das bei OCF-Antennen macht (WindomAntenne). Dort sitzt bei mir aber nicht ein UNUN, sondern ein automatischer Antennen-Tuner (CG3000). Wieso einen dieser suspekten UNUN-Übertrager benutzen oder sich mit Hühnerleitern abplagen, wenn man einfach einen automatischen Tuner direkt an der Quelle einsetzen kann?

Natürlich hat so ein Tuner auch Verluste, doch man kann ihn direkt mit einem Koaxialkabel speisen und hat auf diesem ein gutes SWR und somit auch weniger Kabelverluste.

Nicht alle automatischen Tuner sind dafür geeignet. Viele sind nicht wasserdicht. Andere verlangen nach einer manuellen Bedienung, was für einen automatischen Tuner ein Witz ist. Oder sie wollen einem alle möglichen Daten auf einem Display anzeigen. Will man einen Tuner direkt an der Speisequelle draussen an der Antenne einsetzen, muss er

1.     Wasserdicht sein

2.     Über einen genügenden Anpassbereich verfügen.

Über letzteren Punkt gibt das Manual, bzw. Datenblatt Auskunft. Der CG-3000, der als Pi-Tuner arbeitet, kann maximal 32uH in Serie schalten und am Eingang max. 6300pF und am Ausgang 755pF parallel schalten. Damit kann er auf 10 bis 160m Impedanzen von ca. 12 bis 1000 Ohm anpassen. So können z.B. auf 160m auch sehr kurze Antennen angepasst werden. Doch für eine Endspeisung eines Halbwellendipols reicht es in der Regel nicht.  

Obwohl oft für Inverted-L Antennen eingesetzt, ist ein automatischer Tuner nicht nur für Langdraht und Rutenantenne gegen Erde zu gebrauchen. Trotz seinem einbeinigen, unsymmetrischen Aufbau. Am Erdanschluss des Tuners wird einfach anstelle einer Erdung der zweite Dipoldraht angeschlossen. Damit das ohne Fisimatenten funktioniert, wird das Koaxialkabel direkt vor dem Anschluss des Tuners mit einer Mantelwellensperre versehen. Auch sollte eine Drossel auf der DC-Speisung angebracht werden.

Meinen seltsamen Dipol stimmt der Tuner auf allen Bändern von 10 bis 160m ab. Meistens auf ein SWR 1:1. Doch ein gutes SWR bedeutet nicht automatisch eine gut funktionierende Antenne. Hat doch auch ein Dummy Load ein SWR von 1:1. Wie gut das Teil läuft, erfährt man nur in der Praxis; im Vergleich mit anderen OM und mit anderen Antennen. In meinem Fall mit meiner Magnetloop-Antenne.

Die bisherigen Resultate sind erfreulich, trotz der Nähe zur Hauswand. Diese frisst ja sicher einen Teil der Leistung weg. Nur auf dem 160m Band ist die Antenne kaum zu gebrauchen. Für dieses Band ist sie einfach zu kurz.

Erstaunlich tief ist der Störpegel, trotz der Nähe zur Hauswand und obwohl sich mein Shack gerade auf der anderen Seite der Wand befindet, sind meine Geräte immun gegen die Strahlung, die durch die Hauswand dringt. Nirgends ein Bildschirm, der flackert, eine Stereoanlage, die kreischt oder ein Computer, der die Verbindung zum Internet verliert. Glasfaser sei Dank.

Und da bei mir jedes Schaltnetzteil sorgfältig entstört wurde ist auch der Geräuschpegel im Empfänger erstaunlich niedrig. Nur meine Magnetloop-Antenne ist meistens noch besser.

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