Sonntag, 29. März 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 19 - DX auf Langwelle





Die Operation HE3OM ging am 4. März 2012 um Mitternacht zu Ende. Sowohl beim KW-Team mit dem Hauptmast, wie auch beim LW-Team mit dem Reservemast, wo ich dabei war.

Insgesamt haben wir auf Langwelle mehr als fünfzig Stationen in fünfzehn Ländern kontaktiert. Das scheint wenig, angesichts der Superantenne, die wir zur Verfügung hatten. Aber es ist viel, in Anbetracht der wenigen Stationen, die auf dem 2200m Band QRV waren.

Der Start war harzig und echte Langwellen-QSO’s (keine Crossband) kamen in klassischem CW nur wenige zustande. Die am weitesten entfernte Station, die wir in normalem CW kontaktieren konnten, war Mal, G3KEV in der Nähe von London. Mein Distanzrekord für normales CW auf Langwelle aus dem Jahre 1999 mit OH1TN blieb unangetastet. So stiegen wir bald um auf QRSS, auf computergestützte, extrem langsame Telegrafie. Nun änderte sich die Situation und die Rekorde purzelten einer nach dem anderen.

In QRSS gelangen einige Erstverbindungen von der Schweiz aus, die bisher noch keiner der drei Schweizer Langwellenpioniere zustande gebracht hatte. Die Premiere hatten wir mit YO2IS, Suli in Timisoara. Wir hatten ihn schon zuvor in Crossband kontaktiert. Doch jetzt konnten wir Suli auch in QRSS3 (1Punkt = 3 Sekunden) aufnehmen. Zwar nicht gerade mit einem O (gut), aber immerhin mit einem M (teilweise). 
Dabei handelt es sich um das übliche Rapport-System bei QRSS-Betrieb: O,M,T, drei Striche, zwei Striche, ein Strich. Letzterer steht für „nicht lesbar“. Denn in QRSS muss gespart werden. Auf alles Überflüssige wird verzichtet, PSE, DE, UR etc. kommen nicht vor, da sie keine Informationen enthalten. Ein CQ-Ruf lautet also kurz und bündig: CQ HE3OM K. Und die Antwort darauf: HE3OM HB9ASB K. Wenn mir dann HE3OM einen Rapport sendet wird auf den Präfix verzichten: ASB OM O K. Dann kommt die Rückmeldung: OM R O K. R steht für eine Bestätigung des Empfangs, O für den Rapport. HE3OM wird dann das QSO beenden und da die Rufzeichen genügend ausgetauscht wurden, lautet der Text: 73 TU SK. Wie ihr sehen könnt, ist QRSS eine Minimal-Sprache, man kürzt, wo es nur geht. 

Die zweite Premiere feierten wir dann mit einer Verbindung mit RA3YO in Moskau über eine Distanz von 2350km. Dabei hätten wir auf unserer Seite eigentlich gar kein QRSS benützen müssen. Dmitri konnte unser Signal gut hören. Er kam übrigens in einer Variante von QRSS zurück: in DFCW (Dual Frequency CW). Dabei sind Punkte und Striche gleich lang, aber unterschiedlich in der Frequenz. Je nach Geschwindigkeit beträgt der Frequenzversatz einige Hertz oder sogar nur Bruchteile davon. Damit kann nicht nur die Strichlänge auf Punktlänge verkürzt werden, die Abstände zwischen Punkten und Strichen innerhalb der Zeichen entfallen. So wird QRSS wieder schneller, ohne an Lesbarkeit einzubüssen.
Nach RA3YO konnten wir auch noch RN3AGC arbeiten. Ebenfalls in der Umgebung von Moskau und etwa in gleicher Entfernung. Darauf folgte nochmals eine Erstverbindung: ES5AM, Mati aus KO38gr in Estland.

Am 18.2., gegen Mitternacht, gelang uns dann der grosse Sprung. W1VD, Jay in Burlington, CT, hatte uns auf dem Schirm. Einen Internet-Anschluss gab es in unserem Shack keinen. Aber Martial, HB9TUH, richtete uns eine Richtstrahlverbindung ein und so konnten wir live mit ansehen wie unsere Signal auf der anderen Seite des Atlantiks empfangen wurde (siehe Bild).
Wir waren nicht die erste europäische Station, die die Atlantiküberquerung auf Langwelle schaffte, englische Stationen hatten das schon Jahre zuvor zustande gebracht, aber das tat der Freude keinen Abbruch. Wir waren erstaunt, wie gut wir auf der anderen Seite zu sehen waren und das in der schnellsten QRSS-Betriebsart mit 3-Sekunden Punkten. Die Zeichen auf der anderen Seite sahen zwar etwas verwackelt aus, siehe oben im Bild, und wir spekulierten darüber, ob sie vielleicht von der Ionosphäre frequenzmoduliert wurden, die gerade von einem Sonnensturm aufgewühlt wurde. Aber sie waren gut lesbar. Jay antwortete auf 40m in CW. Fast hätten wir ihn im Hickhack des dort laufenden Contests verloren, doch Claude-Alains geschulte CW-Ohren konnten ihn immer wieder aufspüren. Während dieser Zeit tobte übrigens ein schweres Gewitter über Burlington, recht ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Sturm in der Ionosphäre, Gewitter in der Atmosphäre, welch abenteuerliche Bedingungen.

Diese Erfahrung hatte uns übermütig werden lassen. Wenn es mit den USA klappte, könnte es doch auch auf die andere Seite gehen, gegen Japan! Der bekannte Low Band DXer JA7NI war auch auf 136 kHz QRV und war bereits in Russland empfangen, bzw. gesehen worden. Wir kontaktierten Yasi, JA8SCD, der für Kuni JA7NI die Skeds abmacht. Doch der erste Versuch mit Kuni war eine Enttäuschung. Von unserem Signal war in Tokio nichts zu sehen, obschon wir die Geschwindigkeit bis auf QRSS60 reduzierten (Ein Punkt = 60 Sekunden, ein Strich 180 Sekunden). Doch dann, am 21.2. tauchte auf der Wasserfallanzeige von JA7NI, die wir auf dem Internet beobachten konnten, plötzlich eine schwache Drei auf und dann ganz klar und deutlich der Suffix OM. War das wirklich unser Signal? Als wir in der folgenden Nacht den Test wiederholten, konnten wir die Zweifel ausräumen. Während Stunden tauchte unser Signal immer wieder auf Kunis Schirm auf, in einer Distanz von fast 10‘000km und nach einem Pfad, der zum grössten Teil über Land führte. Das QSB war ausgeprägt und entschied über „sichtbar“ oder „unsichtbar“. Es schwankte in einem Rhythmus von ungefähr einer halben Stunde.

Wir fühlten uns wie Marconi und feierten das Ereignis mit Champagner, den Christian HB9DBC mitgebracht hatte. Kunis Signal konnten wir jedoch nicht in der Schweiz aufnehmen. Sein Langwellensignal war zu schwach. Somit blieb diese Verbindung eine einseitige. Ob sie je mit Amateurmitteln, also ohne Sendemasten von altgedienten Mittelwellensendern, zu schaffen sein wird, ist fraglich.

Lange Zeit betrachtete ich die lange Welle als eine recht stabile Angelegenheit. Das ist sicher auch richtig, was die Bodenwelle anbelangt. Doch nachts, wenn die Ionosphäre mitspielt, variieren die Bedingungen stark. Sonnenstürme beeinträchtigen auch die Langwellenverbindungen. Aber sie können sie auch verbessern. Gerade nach einem Sonnensturm habe ich häufig stärkere Signale beobachten können. Das könnte auch bei unserer Verbindung mit Japan eine Rolle gespielt haben – in die eine oder andere Richtung.

In den seither vergangenen dreizehn Jahren hat sich die Langwellen-Szene gewandelt. Viele Stationen aus der Pionierzeit sind heute nicht mehr QRV und in klassischem CW wird kaum mehr gefunkt. Auch QRSS sieht man nur noch selten. Diese extrem langsame Telegraphie mit Punktlängen zwischen 3 und 120 Sekunden, vom Computer generiert und von blossem Auge auf einer Wasserfallanzeige decodiert. Inzwischen haben die digitalen Betriebsarten von WSJT-X das Feld übernommen. Oft sind am Abend WSPR Signale zu beobachten. Dabei sein kann ich heute nur noch als SWL. Meine Magnetloop-Antenne kann ich zwar mit einem grossen Zusatzkondensator auf 137 kHz abstimmen. Doch sie ist auf diesem Band dermassen ineffizient, das mein Signal im Aether verloren geht, bevor sie das Alpental verlässt. 

Zu erwähnen bleibt noch, dass der Langwellenbetrieb (wie auch bei der KW-Crew) eine Teamleistung war. Bei der Installation halfen u.a. HB9CGL, HB9DUL, HB9DUI, HB9IIV, HB9TOB, HB9DBC, HB9IIB und natürlich HB9TUH. 
Als Operateure wirkten dann neben mir Kurt HB9AFI, Iacopo HB9DUL und Claude-Alain HB9CGL an der Taste, bzw. am Computer.

Wenn wir nicht "Dienst" hatten, hörten wir von zuhause aus mit, und versuchten HE3OM zu kontaktierten. Das gelang sowohl HB9DUL, HB9CGL und mir mit einem kleinen 10 Watt Sender, der unter uns die Runde machte, zusammen mit teilweise provisorischen Antennen und natürlich in klassischem CW.

Noch ein Wort zu den lokalen Bedingungen: Normalerweise hat man ja ein Haus mit einer Antenne. Wir hatten in Sottens eine Antenne mit Haus. In diesem Häuschen belegten das Variometer und die Abstimmkondensatoren für 765 kHz die Hälfte des Platzes. Die andere Hälfte gehörte uns. Und die war eisig kalt. Auf dem Hochplateau von Sottens weht häufig eine heftige Bise und Februar gehört bekanntlich nicht zu den warmen Monaten. Trotz zwei Keramikheizern à 1.5kW kamen wir nicht über 10 Grad. Wir funkten in Ski Jacke und mit Mütze. Aber als HB9TOB mit schwerem Geschütz zu Hilfe kam, in Form von alten Direktheizern, die bei der Renovation seines Hauses übrig geblieben waren, verbesserte sich unsere Situation.

Damit schliesse ich meine Erinnerungen an die Langwelle ab. Beim nächsten Mal geht es ein "Stockwerk" höher. Ins Mittelwellenband bei 630m, das wir Funkamateure seit einigen Jahren benutzen dürfen. 

Zum Schluss noch einige Impressionen aus dem LW-Shack von HE3OM

Unser Sendemast mit den Alpen im Hintergrund
Die Einspeisung unseres Senders erfolgte über ein Stück Litze. Das genügte für unsere 1000 Watt
Man beachte das Schild links!
Das vorhandene Anpassnetzwerk des Mittelwellensenders musste natürlich unterbrochen werden, um unseres anzuschliessen.
Der Messerschalter an einem der vier Mastfüsse. Für den Betrieb mussten die Schalter geöffnet werden.



Sonntag, 22. März 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 18 - Ein Krokodil im Krokodilteich

 


Was auf dem Langwellenband von zuhause aus möglich war, hatte ich ausgeschöpft. Weiter als Finnland ging es nicht. Andere Kontinente lagen ausserhalb der Reichweite meiner Station. Dazu reichten die 1000 Watt und eine Inverted L Antenne in 18m Höhe nicht. Nun sollte sich in Sottens zeigen, was mit einer Traum-Antenne erreicht werden konnte. 

Nachdem wir nun die Antenne anpassen konnten und einige kleinere Probleme gelöst hatten, ging es ans Funken:
Ein erstes QSO gelang uns mit Paul, HB9DFQ, in Watt bei Regensdorf, über eine Distanz von 158km. Wie der nachfolgende Bericht von Paul zeigt, war unser Signal sehr stark und wir realisierten, dass wir ein Krokodil waren (grosses Maul, kleine Ohren), was sich in den nachfolgenden QSO’s auch bestätigte.
Hier Pauls Bericht:

Hallo Toni, aus aktuellem Anlass sende ich Dir die Beschreibung meines Langwellensenders. Der Sender an sich ist nichts besonderes. Wie man auf den Bildern sehen kann, musste das Ganze schnell gehen.
Bei den Spulen auf den WC-Papierrollen handelt es sich um Induktivitäten zur Oberwellenunterdrückung.
Die Sendeleistung ist durch das Netzteil von 25 V bei 3 A Laststrom begrenzt.
Die VFO-Schaltung zeigt, dass man mit digitalen IC’s einfache und sehr frequenzstabile Oszillatoren bauen kann. Im vorliegenden Beispiel werden 4.5 MHz erzeugt und anschliessend durch 32 geteilt. Damit werden unerwünschte Mitzieheffekte vermieden. Dieses Konzept hat sich besser bewährt als ein einfacher Oszillaor mit einem NPN-Transistor. Die Frequenz wird mit einem Zähler gemessen welcher ich ca. 1971 gebaut habe. Dieser besteht aus einem TTL Friedhof aus ca. 50 TTL-Bausteinen.
Die Ladespule ist relativ gross und hat eine Induktivität von 4 mH. Normalerweise beträgt in der Spule der Verlustwiderstand 10 Ohm und in der Erdleitung nochmals 10 Ohm. Ich verwende keine Varioneter sondern die Windungen werden soweit auseinander geschoben bis die Antenne auf Resonanz ist.
Die Antenne ist ein 70 m langer Draht welcher zwischen 5 und 10 m hoch aufgespannt ist. Mit ca. 0.1 Ohm Strahlungswiderstand beträgt der Wirkungsgrad der Antenne, unter Berücksichtigung der Verlustwiderstände, noch maximal 0.5 % was bei 50 Watt Sendeleistung 250 mW ERP entsprechen würde. Dies ist jedoch eine allzu optimistische Abschätzung. Ich vermute dass 50 mW ERP nicht überschritten werden.
Als Empfänger wurde der IC756-PRO-III verwendet. Auf dem Spektrumscope sind die beiden “Krokodile” und dazwischen einmal das leere Langwellenband und einmal mit dem Signal von HE3OM zu sehen. Das Spektrum zeigt übrigens die Bandbreite des Filters im IC756 und nicht die Bandbreite des Langwellensignals.
Ich kann Dir und der ganzen Crew nur zu diesem Bombensignal gratulieren. Dieses Signal ist schon in der Grössenordnung der kommerziellen Stationen. Das waren sicher 1 Watt ERP.
73 de Paul





Die beiden Bilder oben zeigen Paul's Antennenspule und seinen Sender, den er damals benutzte.

Die nachfolgenden zwei Bilder, die er uns von seinem ICOM 756 Pro3 sandte, zeigen, dass wir tatsächlich ein Krokodil unter Krokodilen waren. Im ersten Bild sind die Signale der kommerziellen Stationen ausserhalb des 2200m Amateurbandes zu sehen - noch ohne unser Signal. Im zweiten Bild sehen wir dann HE3OM im Krokodilteich:



Bei uns in Sottens verwendeten wir auch einen 
Icom IC-756 Pro3 als Empfänger. Damals gehörte der Pro3 zu den Top-Geräten. Die Signalverarbeitung erfolgte zwar digital, doch noch ohne "Direct Sampling" - also ohne A/D-Wandler gleich nach dem Antennenfilter, wie das in heutigen Transceivern der Fall ist. Die Auflösung des Spektroskops war deshalb noch gering. Aber der Transceiver war mit seinen schmalen DSP-Filtern ein recht guter Langwellenempfänger, und ist es auch heute noch. Ich benutze noch heute diesen Transceiver sehr gerne. Er war ein Markstein in der Entwicklung der ICOM KW-Transceiver und verfügte bereits über einen zweiten Empfänger, was z.B. praktisch bei der Beobachtung der "Konkurrenz" bei DX-Expeditionen ist.  Aber nicht auf die Art, wie das bei heutigen Top-Geräten der Fall ist, bei denen die wichtigsten Regler im Doppel vorhanden sind. Der Pro3 besitzt einen Balance-Regler, mit dem beide Empfangssignale mit beliebiger Lautstärke miteinander gemischt werden können.  

In den nächsten Tagen folgten viele weitere QSO's in Telegrafie mit ganz Europa. Manchmal entstand ein regelrechtes Pile-up. Aber wie wir in Emails erfuhren, konnten wir leider nicht alle Stationen hören, die uns aufnehmen konnten und uns riefen.

Damit auch diese Stationen zum Zug kommen konnte, begannen wir Crossband zu machen und hörten auch auf 80 und 40m. Dazu verwendeten wir eine separate Drahtantenne, die wir zwischen den Füssen unseres Sendemasten spannten. Aber auch das klappte nicht immer und einige OM fragten sich:

“Wieso kann er mich auf KW nicht hören, er kommt doch auf Langwelle mit 599 rein.”

Doch die Langwelle kennt keine tote Zone und die Tagesdämpfung durch die D-Schicht spielt im Europaverkehr keine grosse Rolle. Wir funkten mit der Bodenwelle. 

Eigentlich hätten wir auch gerne auf 500 kHz gefunkt, zeichnete sich doch bereits ab, dass wir Funkamateure in Zukunft auch ein Mittelwellenband bekommen würden. Irgendwo in der Gegend von 500 kHz, da der Schiffsfunkverkehr in diesem Band, unterhalb des Mittelwellen Rundfunks, eingestellt worden war. Aber leider erhielten wir keine Bewilligung.

In anderen Ländern waren die OM's erfolgreicher und so konnten wir mit Rik, OR7T, ein Crossband QSO in CW tätigen. Rik sendete auf 502 kHz und wurde in Sottens mit 419 empfangen. Als Empfangsantenne diente unser 125m Mast. Darauf folgte ein weiteres Crossband-QSO mit Jim, G0BMU.
Dass viele OM in Europa von unserer Langwellenaktivität nichts wussten, wurde uns bewusst, als unsere Crossband-Rufe (QSX3555) oft ohne Antwort blieben, während die Kollegen beim Hauptmast auf 80m in SSB ein Riesen-Pileup abarbeiteten.

Im folgenden Bild ist der 188m hohe Hauptmast zu sehen, von dem aus die KW Mannschaft QRV war.




Und hier noch ein paar Bilder zu unserer Antennenanpassung. Denn mit dem Sperrkreis draussen am Mast, mit der grossen Spule und den vielen Hochspannungskondensatoren, war es ja nicht getan. 
Neben unserem Variometer brauchten wir noch einen Abstimmkondensator. Da hatten wir Glück. Ein solches Teil stand bereits in unserem "Shack". Er hatte zur Abstimmung des Mast auf Mittelwelle gedient. Für uns zwar etwas "überdimensioniert" doch kam er ganz kommod:






Im nächsten Bild sieht man unsere Variometer, das ich von zuhause mitgebracht hatte. Da die Induktivität nicht ganz ausreichte, wurde rasch eine Zusatzspule auf ein gelbes Kunststoffrohr gewickelt:



Zum Schluss noch ein Blick auf das Variometer des Reservesenders von Sottens für die Mittelwelle, der auch bei uns im Shack stand. Ein wunderbares Teil, doch für unsere Langwelle leider nicht zu gebrauchen:


Das ist alles für heute. Doch die Geschichte geht weiter. Bei den nächsten Erinnerungen geht es um DX im Langwellenband.


Sonntag, 15. März 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 17 - Als HE3OM auf Langwelle

 



Als am 31.Dezember 2010 der Mittelwellensender Sottens abgeschaltet wurde, fragte eine Gruppe Funkamateure aus der Westschweiz (aus der USKA Sektion HB9MM (Radioamateur Vaudois) nach einer Bewilligung, die Antennen für Sendeversuche zu benutzen. Diese wurde erteilt und vom BAKOM erhielt man für den Betrieb das Spezialrufzeichen HE3OM. 
  
Bei dem stillgelegten Mittelwellensender standen zwei freistehende Masten zur Verfügung. Die 188m hohe Huaptantenne und eine 125m hohe Reserveantenne. 

Die Hauptantenne sollte auf Kurzwelle betrieben werden und sollte insbesondere auf 160m aktiviert werden. Der Mast war geerdet und trug einen Vertikaldipol aus sechs Drähten, der in der Mitte gespeist wurde. Zur Optimierung des Abstrahlwinkels war der untere Dipolast über eine Drossel geerdet.

Doch was sollte man mit der Reserveantenne anfangen? Man diskutierte zuerst über einen zusätzlichen Betrieb mit einer zweiten Crew auf Kurzwelle. Doch die Resereveantenne schien weniger attraktiv für den KW-Betrieb. Denn für ihren Betrieb auf Mittelwelle wurde der ganze Mast als Vertikalantenne gespeist. Als Gegengewicht diente eine ausgedehntes Netz an vergrabenen Kupferdrähten. In einem Häuschen unter dem Mast befand sich ein Variometer, mit dem die Reserveantenne im Bedarfsfall angepasst wurde. Eine Besteigung des Mastes wurde von der Besitzerin, der Swisscom, nicht erlaubt. Als Träger für Amateurfunkantennen kam der Mast deshalb nicht in Frage.

Das war der Moment wo ich ins Spiel kam. Denn ich kannte einige der beteiligten Funkamateure und das Wichtigste: ich besass einen betriebsbereiten Langwellensender. 

So entstand die Idee, den Reservemast im 2200m Band zu betreiben. Der Betrieb sollte gleichzeitig mit dem KW-Betrieb der Hauptantenne im Februar 2011 stattfinden. 






Bevor man daran ging, den Langwellensender ins Kabäuschen unter dem Mast zu schleppen, wurde dieser zuerst einmal inspiziert und dann mit der Antennensimulation EZNEC analysiert:




So zeigte sich sofort, dass man gut daran getan hatte, den Reservemast nicht im 160m Band zu betreiben. Dafür wäre er schlicht zu lang gewesen und hätte nicht die für DX-Betrieb gewünschte Flachstrahlung erreicht:




Doch für 137 kHz sah es ganz anders aus. Hier war die Antenne natürlich viel zu kurz, doch das Strahlungsdiagramm war, auch wegen dem vergrabenen Erdnetz, fast ideal:



Allerdings gab es noch ein kleines Problem zu lösen: Auch wenn die Erdverbinder (Messerschalter) an den vier Mastbeinen für den Betrieb unterbrochen wurden, war der Mast trotzdem noch über eine Spule geerdet. Für den Fall eines Blitzeinschlags während des Betriebs oder statischer Aufladung. Zudem führte durch diese Spule, als Koaxialleiter, die Stromversorgung für das Licht auf der Mastspitze. Für die Mittelwelle war die Induktivität der Spule genügend hoch um keinen HF-Kurzschluss gegen Erde darzustellen. Doch leider nicht für 137 kHz.

 


Wir fragten zuerst freundlich, ob wir die Spule für den Betrieb nicht entfernen dürften. Doch die Antwort war: "Seid ihr lebensmüde? Kommt nicht in Frage!" und "Ihr wollte doch nicht, dass uns ein Flieger im Mast hängen bleibt?"



Doch nach einigem Nachdenken kamen wir auf die Idee, aus der Spule einen Sperrkreis für 137 kHz zu machen. Wir brauchten ja nur einen entsprechenden Kondensator parallel zu schalten, um unsere Langwelle den Weg nach der Erde zu versperren. Das sollte mit grossen Klemmen möglich sein, ohne der Blitzschutzfunktion der Spule zu beeinträchtigen. 

Doch die Berechnung zeigte, dass dieser Kondensator erstens sehr gross, zweitens sehr viel Hochspannung aushalten musste und drittens eine hohe Güte haben musste. Da kam eigentlich nur Glimmer oder HF-Keramik in Frage. 

Doch woher nehmen? Glücklicherweise fanden wir im Hauptgebäude des Senders einen Techniker, der mit dem Abbau des Mittelwellensenders beschäftigt war. Und der Mann hatte eine ganz grosse und gut sortierte "Bastelkiste". 


Wie Lego: so sah unser Kondensatorpaket schliesslich aus. Jetzt konnten wir daran gehen, den 125m Mast auf 137 kHz abzustimmen. Nicht mit dem Variometer im Kabäuschen unter dem Mast, wo es übrigens fürchterlich kalt war, sondern mit meinem eigenen Variometer, das ich von zuhause mitgebracht hatte. Das Abstimmen ging problemlos über die Bühne und wir konnten uns für den Funkverkehr im 2200m Band einrichten:

 

Wie es mit dieser "Expedition" weiter ging, und welche Verbindungen wir dabei tätigen konnten, das erzähle ich euch beim nächsten Mal in den Erinnerungen Nummer 18.

Bis dann, beste 73 und bleibt gesund! Anton (Toni)


Sonntag, 8. März 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 16 - Funken auf Langwelle


Langwellensender 1kW. Wie gut der Wirkungsgrad der geschalteten Endstufe ist, sieht man schon im Unterschied zwischen dem grossen Trafo und dem kleinen Kühlblech der Endstufe (mit Ventilator). Der VFO (rechts) wird mit zwei Reglern analog eingestellt (Grob und Fein). Die genau Frequenzabstimmung erfolgt mit Hilfe des Empfängers.


Die Ausbreitung der Funkwellen im Amateurfunkband bei 136kHz (2200m) unterscheidet sich stark von der Ausbreitung der kurzen oder ultrakurzen Wellen.

Vergleicht man das 2200m-Band mit dem nächstliegenden Amateurfunkband, dem 160m-Band, so gibt es nur eine Gemeinsamkeit: Tagsüber findet keine Reflexion an der Ionosphäre statt und die Ausbreitung erfolgt ausschliesslich über die Bodenwelle. Diese Bodenwelle kriecht über die Erdoberfläche und interagiert mit dieser. Nur nachts kommt die Raumwelle hinzu, wenn die dämpfende D-Schicht ausfällt und die E-Schicht der Ionosphäre die Wellen wie ein Spiegel reflektiert und so noch grössere Funkdistanzen ermöglicht. Dann jedoch interferieren Boden- und Raumwelle und es entsteht Fading (QSB). Auf der Langwelle ist dieses Fading übrigens viel langsamer als wir es auf der kurzen Welle gewohnt sind.

Grundsätzlich gilt: Je länger die Wellen, desto weiter reicht die Bodenwelle. Und da das 160m-Band das längste Kurzwellenband (eigentlich ist es ein Mittelwellenband) ist, reicht die Bodenwelle dort auch am weitesten. Aber bereits nach nur 5km kommen beim 160m-Band zusätzliche 6dB Bodenverlust zum normalen Ausbreitungsverlust durch die „Verdünnung“ der Wellen hinzu. Ist das Terrain gebirgig oder stark bebaut, sind die Bodenverluste noch höher. Schon nach einigen zehn Kilometern werden die Bodenverluste hier im Voralpengebiet bereits so hoch, dass eine Kommunikation mit durchschnittlichen Amateurmitteln tagsüber oft nicht mehr möglich ist.
Ganz anders sieht es im Bereich um 2200m aus. Erst nach 500km kommen 6dB Bodenverlust hinzu. Bei Distanzen von einigen hundert Kilometern fällt also die Bodendämpfung nicht so stark ins Gewicht. Das ist der Grund, wieso auch mit wenigen Milliwatt ERP tagsüber im 136kHz-Band respektable Entfernungen überbrückt werden können.
So sind zum Beispiel bei einer Distanz von 100km die Ausbreitungsverluste der 2200m-Bodenwelle gegenüber der 160m-Welle 58dB geringer, wie Funkamateure ermittelt haben. Das bedeutet, dass man auch mit -40dB weniger ERP als im 160m Band, tagsüber auf 100km Distanz immer noch einen Vorteil von 18dB gegenüber der Langwelle hat.
Die Bodenwelle ist natürlich immer gleich stark, ob Tag oder Nacht. Sie wird auch nicht durch das Funkwetter, bzw. den Zustand der Ionosphäre beeinflusst. Es sind nur die Eigenschaften des Terrains, die die Dämpfung bestimmen. Gebirge ist am schlechtesten, Meerwasser am besten, wie man sich leicht ausdenken kann. Entscheidend ist die Bodenleitfähigkeit. 
Am eindrücklichsten zeigt sich das für den Langwellenfunker nördlich der Alpen. Die Alpen sind für die Bodenwelle wie ein Sperrriegel. Während tagsüber eine Verbindung mit italienischen Stationen kaum möglich sind, gelingen sie nachts problemlos. 

Wie erwähnt kommt nach Sonnenuntergang auf 160m, wie auch auf 2200m, die Raumwelle hinzu. Doch für Distanzen bis etwa 1000km spielt sie im 2200m-Band noch keine entscheidende Rolle. Die Bodenwelle ist stärker. Im Gegenteil: Durch die Raumwelle gelangen mehr atmosphärische Störungen (QRN) aus grosser Distanz zum Empfänger, der Signal/Störabstand verschlechtert sich in der Nacht im 136 kHz Band. Daher gelingen Amateurfunkverbindungen auf 136kHz mit sehr kleinen Leistungen tagsüber besser.
Stärkere Stationen (ab einigen 100mW ERP) profitieren jedoch von der nächtlichen Raumwelle und können nun Verbindungen tätigen, die über die Reichweite der Bodenwelle hinausgehen. Verbindungen bis zu 2000km oder mehr werden möglich.
Doch bei der Ausbreitung über die Raumwelle spielt, im Gegensatz zur Bodenwelle, die Sonnenaktivität eine Rolle. Wie weit, ist heute noch Gegenstand von Forschungen. Besonders nach magnetischen Stürmen (erhöhter Kp Index) scheint die Ausbreitung über die Raumwelle auf Langwelle besser zu sein.
Sicher wird jetzt der eine oder andere fragen: “Wieso kann ich dann auf 2m grössere Strecken überbrücken, als tagsüber im 160m-Band?”
Die ultrakurzen Wellen “kriechen” nicht mehr, wie die langen, dem Boden entlang, sondern breiten sich ähnlich dem Licht aus. Die Dämpfung durch den Boden entfällt. Jenseits der optischen Reichweite tragen Brechung und Reflexion an Bergen zur Ausbreitung hinzu. Die Situation ist also eine ganz andere.

Als das Langwellenband in der Schweiz freigegeben wurde, war ich von Anfang dabei. Ich hatte mich ja genügend lange vorbereitet, Empfänger organisiert, Antennen und Variometer gebaut und natürlich einen Sender gebaut, wie ich ihn in meinem letzten Beitrag beschrieben habe.

Der erste Kontakt mit anderen Stationen fand in Telegrafie (CW) statt und mir gelangen in den ersten Tagen und Wochen eine ganze Reihe Erstverbindungen. Natürlichen zuerst mit den beiden anderen Schweizer Stationen, die sich auf dieses neue Band vorbereitet hatten: HB9DCE und HB9DFQ. Das QSO zwischen Paul HBDCE und mir am 1.2.1998 war die erste Langwellenverbindung auf 2200m in der Schweiz. 
Dann wurde es jedoch etwas zäh. In vielen Ländern Europas war das Langwellenband noch nicht freigegeben. Zwar erfolgten einige Crossband-Verbindungen mit OM, die uns im 80m Band antworteten und wir erhielten auch viele Empfangsrapporte. Doch erst am 22.3.1998 gelang HB9DCE eine Erstverbindung mit Deutschland (DA0LF). 
Dann am 5. Juli gelang mir eine Erstverbindung mit LX1PD, und am 5. August konnte ich endlich England erreichen und mit G3LDO ein erstes QSO Schweiz-England tätigen. 
G3LDO Peter Dodd, war nicht nur ein englischer Langwellenpionier, sondern auch ein bekannter Autor und Experte für Antennentechnik der Radio Society of Great Britain (RSGB). Er ist besonders bekannt für das Buch „Backyard Antennas“ und seine Beiträge zur RadCom-Zeitschrift. Seine Arbeiten konzentrierten sich nebst der Erschliessung der Langwelle auch auf den praktischen Bau von HF-, VHF- und UHF-Antennen.
Wie erwähnt durften die Funkamateure in UK auch auf dem Langwellenband bei 72 kHz (4400m) senden. Das war zwar eine rein englische Angelegenheit und diese Band stand uns in der Schweiz nicht zum Senden zur Verfügung. Aber hören konnten wir dort sehr wohl, und so versuchten Peter und ich ein Crossband QSO zu machen. Er sendete auf 72 kHz und ich auf 136 kHz. Nach etlichen Versuchen und Dank einer speziellen Telegrafie-Betriebsart (QRSS) kam diese Versbindung am 9. März 1999 endlich zustande. Sie ist meines Wissens die einzige Crossband-Verbindung 136/72 kHz zwischen England und der Schweiz, die je stattgefunden hat.

Die Betriebsart QRSS ist nichts anderes als ein extrem langsames Morsen, bei dem ein Punkt zum Beispiel 3 Sekunden dauert und ein Strich 10 Sekunden. Wenn das Signal stark ist, kann man es zwar hören aber trotzdem kaum mehr per Gehör decodieren. Man hört es zwar, aber das Gehirn gerät bald einmal ausser "Kontrolle". Daher erfolgt die Dekodierung der Signale per Auge auf einer Wasserfallanzeige des NF-Signals. Mit der Verlangsamung des Signals gewinnt man Signal-Rauschabstand. Somit können Signale noch gelesen werden, die vom Gehör nicht mehr wahrzunehmen sind (ähnlich dem heutige WSPR, das man damals noch nicht kannte).

Weitere Erstverbindungen konnte ich in den Jahren 1998 und 1999 noch in CW tätigen: IK1ODO, ON4ZK, GW4ALG und am 29.8.1998 mit OH1TN mein für lange Zeit grösstes DX (1932km). Ich wusste damals nicht, dass ich erst mehr als zehn Jahre später diesen Rekord schlagen würde. Allerdings nicht mit einer fremden "ausgeliehenen" Antenne. Doch davon mehr in meinem nächsten Blogeintrag.

Vorerst kamen noch Erstverbindungen mit GW3YXM/p, OZ1KMR, OK1FIG, OE5PGL, PA2NJN, SM6PXJ, EI0CF, GI3PDN, OM2TW, S57A, HB0/DL1SAN, und schliesslich mit F6BWO am 5.11.2000, als Frankreich endlich das Band für seine OM öffnete. Die meisten dieser Erstverbindung kamen in konventionellem CW zustande. Nur bei dreien wurde QRSS benutzt. 

Das Signal/Rauschverhältnis war im Langwellenband gewöhnlich sehr gering und die Signale im Rauschen kaum zu hören. Daher mussten die Informationen oft wiederholt werden, bis eine Verbindung klappte. Daher dauerten die QSO zum Teil sehr lange. Manchmal musste man auch einfach auf eine positive "QSB-Welle" warten, bis das Signal wieder hörbar wurde. Um die Hörbarkeit in CW zu verbessern hatte ich meinem Harris RF590 ein DSP-Audiofilter nachgeschaltet. 
In der Betriebsart QRSS dauerte ein QSO gut eine halbe Stunde, obwohl für diese Betriebsrat spezielle Abkürzungen ausgemacht wurden und nur ein Minimum übermittelt wurde (Rufzeichen, Rapport, Bestätigung, 73)

Gegen Ende meiner Aktivität auf dem 2200m Band im Jahr 2013, gelang mir noch eine letzte Erstverbindung Schweiz-Griechenland mit SV8CS auf der Insel Zakynthos.

In meinem nächsten Erinnerungs-Blog geht es um mein grösstes Amateurfunk-Abenteuer, das ich in meinem Leben erleben durfte: Langwellenfunk mit der Sendeantenne des stillgelegten Rundfunksenders Sottens. 





Samstag, 28. Februar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 15 - Langwellen Empfänger und Sender

 


Das 136 kHz Band (135.7 - 137.8 kHz) wurde in der Schweiz bereits am 1. Januar 2001 für die Funkamateure freigegeben. Dies aufgrund der europäischen Empfehlung (CEPT/ERC E62-01). Die Schweiz gehörte dabei zu den ersten Fernmeldeverwaltungen, die dieses Band freigaben. Nur das OFCOM der Engländer war noch etwas schneller. Allerdings erhielten die englischen Funkamateure zuerst nicht die Erlaubnis für das 136 kHz Band, sondern für das 73 kHz Band. Bereits im April 1996 erhielten unsere englischen Funkfreunde die Erlaubnis auf den Frequenzen von 71.6 - 74.4 kHz zu senden. Im Juni 2003 endete diese spezielle Zuteilung.

Oft wird bei diesen Frequenzen falscherweise von Längstwellen gesprochen, doch der Bereich 30 - 300 kHz, entsprechen den Wellenlängen 10'000m bis 1000m gehört zu den Langwellen. Nur die Frequenzen von 3 - 30 kHz werden als Längstwellen bezeichnet (Dort wo zum Beispiel auch der Längstwellensender Grimeton in Schweden auf 17.2 kHz ab und zu seine Grussbotschaften sendet.

Dass wir dieses Langwellenband bekommen würden, wussten wir Funkamateure aufgrund der CEPT-Empfehlung schon im voraus, und so blieb genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten. Fest stand auch schon, dass wir maximal 1 Watt ERP benutzen durften und dass der schmale Bereich keine Sprachkommunikation, sondern nur Telegrafie und andere digitale Betriebsarten zulassen würde. Da weder Sender noch Antennen für diesen Bereich zu kaufen waren, mussten diese selbst entwickelt und konstruiert werden. Eine Herausforderung ganz nach meinem Gusto. Ich wollte unbedingt zu den ersten gehören, die auf diesem Band QRV sein würden.

Der leichteste Teil dieser Aufgabe, war die Suche nach einem passenden Empfänger. Zwar hätte ein Amateurfunktransceiver für diese Aufgabe genügt. Viele dieser Geräte konnten bis 30 kHz herunter empfangen. "Doch wenn schon, denn schon", sagte ich mir. Und wie der Zufall so spielt, fand ich im Zeughaus in Meiringen anlässlich eines weiteren Liquidationsverkaufs einen ganzen Stapel Watkins &Johnson Empfänger WJ8888A zu je 50 Franken. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, wieviel diese professionellen Empfänger aus den USA mal gekostet hatten. Zwei Stück habe ich damals abgeschleppt. Einer lief zur besten Zufriedenheit, den zweiten musste ich reparieren. Er hatte einen Wackelkontakt im Synthesizer: eine nie gelötete "Lötstelle". Na so was!

Hier sehen wir das gute Stück. Diese Ecke meines damaligen Shacks kennt ihr ja schon:

Oben auf dem Regal sieht man eine erste Version eines Langwellensenders mit separatem Netzteil. Auch bei dieser Aufnahme ist es so, dass heute kein einziger dieser Gegenstände in meinem Besitz verblieben ist. Hätte ich immer alles aufbewahrt, hätte ich wohl eine Lagerhalle mieten müssen.

Zwar war ich mit dem WJ8888A zufrieden und er bescherte mir auch manches QSO. Doch der Feind des Guten ist das Bessere. Und so ersetzte ich den Watkins & Johnson mit einem Harris RF590, den ich bei Toronto Surplus in Kanada aufstöberte. Diese Empfänger wurden unter anderem in der Hochseeschifffahrt und beim Militär eingesetzt.

Im nächsten Bild ist er zusammen mit der definitiven Version meines LW-Senders zu sehen:


    Und damit wären wir bei der zweiten Komponente meiner Langwellenstation: dem Sender.

Im Internet kursierten bereits einige Schaltungen von Langwellensendern. Besonders aus England. Dort hatten die Amateurfunker dank ihres 73 kHz Bandes schon einen Erfahrungsvorsprung. Damit 1 Watt ERP erreicht werden konnte, musste wesentlich mehr Sendeleistung zur Verfügung stehen. Mein Sender - man sieht es schon am Transformator an - sollte mindestens ein Kilowatt liefern. 

Da nur CW-Betrieb geplant war, konnte eine geschaltete Endstufe verwendet werden. Das erzeugte Recktecksignal von 137 kHz war natürlich voller unerwünschter Oberwellen. Doch nach dem Tiefpassfilter lag dann nur noch ein sauberes Sinussignal an der Antennenbuchse. Der Vorteil dieser Art Endstufe lag in einem sehr hohen Wirkungsgrad von über 90%. Das Konzept stammt von G3YXM und ich habe es etwas modifiziert. Hier die Schaltpläne dazu:


Der VFO lief auf einer 50 mal höheren Frequenz. Daher konnte auch mit einem freilaufenden VFO eine ausgezeichnete Stabilität des Langwellensignals erzielt werden.


Die Treiberstufe beinhaltet die Division durch 50 und die Treiber für die Endstufentransistoren, die in Push-Pull betrieben werden.


Die Endstufe mit dem Ausgangstrafo (mit dem auch die Ausgangsleistung eingestellt wird), dem Tiefpassfilter und der SWR-Messbrücke.


 Und hier schliesslich noch das Netzteil, für 50 Volt und 30 Ampère ausgelegt.

Der letzte und wichtigste Teil einer Sendeanlage ist natürlich die Antenne. Und im Vergleich mit den 2200m Wellenlänge ist die auf einem Grundstück eines Funkamateurs in der Regel winzig klein. Ein Dipol müsste nicht nur eine halbe Welle lang (1100m) und 50m über Ground sein, um überhaupt wirksam zu sein (1 Ohm Strahlungswiderstand). Darum verwendet man Vertikalantennen mit einem Radialnetz. Zwar liegt bei geringen Höhen im 136 kHz Band der Strahlungswiderstand auch sehr niedrig, doch kann er mit einer Dachkapazität noch erhöht werden (z.B. Inverted L-Antenne). Meine Antenne mit einem 18m Mast und einem Draht als Dachlast hatte etwa einen Wirkungsgrad von -30 bis -40dB, je nachdem mit welchen Annahmen man rechnete. Messen war mit meinen Mitteln unmöglich. Meine abgestrahlte Leitung lag also im Bereich von einigen 100mW. Hier auf dieser Seite findet nan vieles, was man über Langwellenantennen wissen muss.

Natürlich musste eine solche Antenne noch abgestimmt werden, ist sie doch hochgradig kapazitiv. Im Klartext: es fehlt ihr Induktivität in Form einer Verlängerungsspule. Dazu eignet sich am besten ein Variometer. In der Funktechnik ist das ist eine Spule, die in einer anderen dreht. Damit kann man die Induktivität der beiden Spulen, die in Serie geschaltet sind, verändern. In den nächsten beiden Bildern sehen wir zwei solche Variometer, die ich gebaut habe:



 Das obere war für das Mittelwellenband 630m und das untere für die Anpassung des Sendemastes in Sottens für das 137 kHz Band. Zuhause hatte ich aber keinen 125m Mast wie in Sottens zur Verfügung. Da sah das Variometer, mit zusätzlicher Verlängerungsspule so aus, wie im Titelbild zuoberst. Später habe ich das ganz nochmals neu gebaut und dann zum Schutz in ein blaues Fass eingebaut:


  So, das ist genug für heute. Nächstes Mal geht es um den Funkbetrieb auf dem Langwellenband.

 




   




Sonntag, 22. Februar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 14 - das 6m Band

 

Wenn dieser Blogeintrag erscheint, wird unser Weihnachtsdorf wieder im Keller auf seinen nächsten Auftritt warten. Eine Technik, die man heute leider nicht mehr findet: Ein Bündel Glasfasern, von einer zentralen Lampe gespeist, verteilt das Licht im ganzen Dorf (japanische Handarbeit). Keine LED!

In Europa wurde im vergangenen Jahrhundert der Bereich 47 bis 68 MHz für das analoge Fernsehen genutzt. So schaltete z.B. der Sender Bantiger bei Bern erst am 26. November 2007 den Kanal 2 mit dem ersten Programm des Schweizer Fernsehens in deutscher Sprache definitiv ab (48 -55 MHz). Auch die anderen TV-Aussendungen im Band 1 (Kanäle 2-4) wurden an diesem Datum abgeschaltet. Dass Schweizer Funkamateure bereits vorher unter bestimmten Bedingungen das 6m Band für Versuche nutzen durften, war ein Entgegenkommen der Fernmeldeverwaltung. Diese provisorische Erlaubnis wurde uns bereits am 1. Mai 1991 erteilt. Erlaubt war z.B. nur vertikale Polarisation. In anderen Ländern Europas wurde das 6m Band für die Funkamateure nur zögerlich und wesentlich später geöffnet.

Was nur wenige Eingeweihte wissen: Mein Schicksal ist auf sinistre Weise mit dem Sendeturm Bantiger verknüpft. Es ist eines der dunkelsten Kapitel meiner funktechnischen Aktivitäten. Erzählt habe ich diese Geschichte bisher niemandem. Doch sie gehört eben auch zu meinen Erinnerungen und soll deshalb hier berichtet werden. 

So genau weiss ich es nicht mehr, aber es war vor etwa 50 Jahren. Der CB-Funk eroberte die Schweiz. Die CBler waren enthusiastisch und die behördlichen Bedingungen restriktiv. Unerlaubte Kanäle und Leistungen waren en vogue, und die Messwagen der Funkpolizei waren im Dauereinsatz. Ich half meinen CB-Freunden ihre Geräte zu modifizieren und baute Peilantennen für 27 MHz. Dabei kam ich auf die "glorreiche" Idee, zu Übungszwecken einen Peilsender zu bauen und zu verstecken. 

Nun, ihr habt sicher schon erraten, wo ich den Sender versteckte: auf dem Bantiger Sendeturm. Darauf wurde in der CB Community fleissig gerätselt und gepeilt. Zwei Tage dauerte der Spass, dann war der Sender stumm. "Ist die Batterie schon leer?", fragte ich mich und begab mich zum Ort des Geschehens. Einen Tag später kam die Funkpolizei in schwarzen Ledermänteln zur Hausdurchsuchung, als ich gerade dabei war, ein illegales CB-Gerät von 40 auf 80 Kanäle zu modifizieren. 

Bei der anschliessenden Vorladung in der PTT-Verwaltung in Bern war dann auch der Geheimdienst mit zwei Beamten anwesend. Denn in Deutschland trieb gerade die RAF (Rote Armee Fraktion) ihr Unwesen und man war deswegen in der Schweiz nervös. "Ob ich etwa versucht hätte, mit meinem Sender den gesamten Funkverkehr in der Stadt Bern lahmzulegen, fragten mich die Herren. Der Verdacht auf die Vorbereitung einer terroristischen Handlung zerstreute sich zwar, aber es wurde trotzdem sehr teuer. 

Doch zurück zum 6m Band:

Im Gegensatz zu Europa wurde das 6m Band in anderen Erdteilen seit Beginn des Amateurfunks fleissig benutzt. In den USA als Band für die lokale Kommunikation. War doch die Technik weniger anspruchsvoll als beim 2m Band. Aber auch in Asien. Dort in den Subtropen profitiert man übrigens öfter von sporadischen Es Öffnungen als hier in Zentraleuropa. Das machte das Band zusätzlich attraktiv. Die japanischen Amateurfunk Hersteller bauten deshalb schon früh Transceiver speziell für das 6m Band. Wie zum Beispiel dieses Gerät von ICOM. Geräte, die hierzulande nicht bekannt waren. Wer weiss schon, dass der 2m Transceiver IC-260 ein Gegenstück für das 6m Band hatte: den IC-560? Genauso gab es auch von Yaesu eine 6m-Version zum 2m Transceiver FT-480 und zum 70cm Gerät FT-780: den FT-680.

In den zwei letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts war ich geschäftlich oft in den USA. Und da damals dort drüben die Amateurfunkgeräte günstiger waren als hierzulande, war ich oft Kunde in einem Ham Shop in Chicago, Minneapolis oder New York. So befand sich denn auch mal ein IC-726 in meinem Handgepäck, als wir in der Schweiz das 6m Band erforschen durften.

So war ich denn von Anfang an dabei, als in Europa das 6m Band "aufging", machte SSB und CW Verbindungen und versuchte, möglichst keine Es Öffnung zu verpassen. In den ersten Jahren waren die Störungen gross, die durch ausländische TV- und Rundfunksender via Es reinkamen. Trotzdem waren sogar einige DX-Verbindungen möglich. 

Eine Betriebsart, die mich auf dem 6m Band besonders faszinierte, war Meteor Scatter: Verbindungen über Reflexionen an den Spuren von Meteoriden, die in der Atmosphäre verglühen (Sternschnuppen). Die Reflexionen sind besonders stark und häufig, wenn ein Meteorstrom wie die Perseiden die Erde trifft. Auf 6m sind sie stärker und länger als im 2m Band und man kann dann sogar SSB-Betrieb machen. Man braucht dazu eine spezielle Betriebstechnik mit einem eignen Rapport-System, wie es hier von DF5HC beschrieben wird. Im 6m Band dauern die "Bursts" von wenigen Sekunden bis zu über einer Minute. Mit einem 3 oder 4 Element Beam oder einer HB9CV und 100 Watt hat man gute Chancen, wie die beiden QSL-Karten zeigen:



Damals gab es natürlich noch kein FT-8. Aber ich denke, dass heutzutage etliche FT-8 Verbindungen im 6m Band über Meteor Scatter zustande kommen. Leider merkt das der Operateur nicht. Eine andere Betriebsart im 6m Band, die sicher auch für einige Verbindungen in FT-8 verantwortlich ist, sind Reflexion an Nordlichtern (Aurora). Mein Rat an die FT8 Operateure im 6m Band: zählt nicht nur auf die Es Öffnungen im Frühsommer: FT-8 Verbindungen können das ganze Jahr durch im 6m Band zustande kommen.  

Zum Schluss noch einen sehr guten Artikel von DL5MAE und DJ5RE über Meteor Scatter mit einigen humorvollen Passagen.


Sonntag, 15. Februar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 13 - Collins

 


Detailaufnahme aus meinem Shack: rechts ein so genannter Nato-Würfel. Ein Empfänger Collins R-392

Funkamateure sind nicht nur Konstrukteure und Jäger, sondern auch Sammler. Ich kenne kaum einen Funkamateur, der nicht ,zumindest zeitweise, alte Geräte sammelt. Mir hatten es unter anderem die Funkgeräte der Firma Collins angetan.

Die Firma Collins Radio Company wurde 1933 von Arthur A. Collins in Cedar Rapids, Iowa, gegründet. Sie stellte Funkgeräte für den Amateurfunk, das Militär und andere professionelle Anwender her. Die Geräte zeichneten sich durch einen VFO aus, der nicht über einen Drehkondensator, sondern über eine abstimmbare Spule verfügte (PTO, Permeability Tuned Oscillator). Auch die meisten anderen Abstimmelemente in den Sendern und Empfängern wurden mit Induktivitäten abgestimmt (mit Tauchkernen in den Filterspulen). Collins war auch der Erfinder des Mechanischen Filters. Diese Filter wurden auch in diversen Funkgeräten anderer Hersteller eingesetzt. Zum Beispiel im FT817 und FT857 von Yaesu. Die Produktion dieser Filter wurde 2015 eingestellt. Das war denn auch der finale Nagel im Sarg der Yaesu-Geräte. Auch dem rasch nachgeschobene FT-818 mangelte es an mechanischen Filtern. Die Lager waren rasch leer und heute zahlt man für die zusätzlichen Filter auf dem Gebrauchtmarkt ein Vermögen, sofern man überhaupt noch welche findet. Vielleicht mag das manch einem OM nicht bewusst sein, der sein Yaesu nur für FM und SSB benutzt. Doch ohne zusätzliche CW-Filter sind diese Geräte für den Telegrafisten praktisch wertlos. 

Die Firma wurde später Teil von Rockwell Collins und ist heute als Collins Aerospace eine Einheit von RTX (Raytheon Technologies) und ein führender Zulieferer für die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie.

Der R-392 oben im Bild ist ein "kompakter" Empfänger, aber mit 24 Kilo kein Leichtgewicht. Er ist der kleinere Bruder des R-390. Beide wurden für das Militär gebaut, landeten aber nach ihrer Ausmusterung oft bei Funkamateuren. Beide waren vollständig mit Röhren bestückt. Der R-392 wurde mit 28 Volt Gleichspannung betrieben. Bei Betrieb mit 24V (zwei 12V Akkus in Serie) verringerte sich die Empfindlichkeit aber etwas. Der R-390 war nicht nur wesentlich grösser, als sein kleiner Bruder, sondern auch viel schwerer (39 Kilo). Ich habe mit einigen Stationen Kontakt gehabt, die einen R-390 als Empfänger benutzten und konnte bei einem Funkkollegen selbst diesen wunderbaren Empfänger testen. Im Gegensatz zum kleinen R-392 wurde der grosse Empfänger mit 110/220 VAC betrieben. Hier geht es zum Handbuch des R-392

Doch einen R-390 besass ich leider nie, jedoch seine Vorgänger einen 51J-4 (Militärvariante R-388) und seinen Nachfolger, den 51S-1
Soweit zu den Empfängern von Collins, an denen ich auch heute sicher noch Spass hätte. Leider fehlt mir der Platz dazu. Zudem wäre es schade, sie nur anzuschauen und nicht wirklich im Funkverkehr zu betreiben. 


Detailaufnahme aus meinem Shack: Rechts ein Collins Transceiver KWM-2A

In diesem zweiten Foto sehen wir einen anderen Ausschnitt meines Shacks vor etwa 30 Jahren. Und da ist ein anderer Collins zu entdecken. Einen Transceiver KWM-2A. Mit ihm war ich damals vor allem auf dem 80 und 40m Band in SSB unterwegs. Interessant ist, dass alle Geräte, Bücher und Gegenstände, die auf diesem Foto zu sehen sind, nicht mehr in meinem Besitz sind. Sie haben die folgenden QTH Wechsel nicht überstanden. Entweder haben sie an einem Flohmarkt den Besitzer gewechselt oder sind freiwillig gestorben. 


Ein weiteres interessantes Detail aus dieser Zeit ist die Antenne, die ich damals für die Kurzwelle benutzt habe. Da das Dach vollständig mit VHF/UHF und Mikrowellen Antennen besetzt war, experimentierte ich mit verschiedenen Drahtantenne: Dipolen und Inverted L vor allem. Doch am Collins KWM-2A hing eine besondere Antenne, an die ich mich heute noch gerne erinnere. Eine so genannte T2FD Antenne. Es ist eine Breitbandantenne, die dank eines Abschlusswiderstandes einen sehr grossen Bereich abdeckt. Meine hatte eine Gesamtlänge von ca. 30m und arbeitete auch auf dem 80m Band noch gut. Besonders glänzte sie im 40m Band, wo ich mit ihr viele SSB QSO's in die USA machen konnte. Trotz 100W Sendeleitung und der angeblichen Verluste von 30% im Abschlusswiderstand. Doch was sind schon -1.5dB im praktischen Funkbetrieb auf KW? Den Widerstand habe ich, genauso wie den Balun selbst gebaut. Er wurde aus induktionsarmen Kohleschicht Widerständen aus der Bastelkiste zusammengesetzt (Wichtig: Keine Drahtwiderstände verwenden).
Natürlich gibt es die T2FD heutzutage auch zu kaufen
Heutzutage bauen leider nicht mehr viele OM ihre Antennen selbst. Schade. Nicht um das Geld, sondern um die verpasste Erfahrung. 


Von oben nach unten: Collins 51J-4, 51S-1, KWM-2A