Funken aus einem Alpental stösst auf mancherlei Hindernisse. Die ersten und offensichtlichsten sind natürlich die Berge rundum. Um mit der Kurzwelle über die Berge zu kommen, muss die Antenne mit einem steileren Winkel abstrahlen, als im flachen Land. Das begrenzt die Sprungdistanz. Also die Distanz, die man mit einer einzigen Reflektion an der Ionosphäre überbrücken kann. So braucht der Funkstrahl mitunter vier oder mehr Sprünge anstatt drei, um das begehrte DX zu erreichen. Ganz krass ist bei mir die Situation Richtung Nordwesten, also Richtung USA. Da steht der Vanil des Cours mit seinen 1562m fast direkt vor meiner Antenne, die sich auf 900m Höhe befindet. Am besten geht es talabwärts. Dort tut sich eine Lücke Richtung Südamerika auf. Nur der weiter entfernte Moléson steht dort dem Signal im Weg. So sind denn bei mir die Signale aus Nordamerika sehr dünn und oft kaum zu hören, während z.B. die Kanaren und Brasilien recht gut reinkommen.
Europa geht natürlich immer und NVIS in die nähere Umgebung sowieso. Natürlich nur auf den längeren Wellen von 30 bis 160m. Dank meiner Magnetloop Antenne sind auf diesen Bändern die lokalen Störungen ziemlich tief. Manchmal bewegt sich das S-Meter kaum vom Fleck, wenn kein Signal rein kommt, um dann auf S9 hochzuschnellen, wenn eine Station auf der QRG zurückkommt. Leider ist das bei meinen Gegenstationen nicht immer so gut. Vor allem wenn diese vertikale Antennen verwenden. Diese strahlen kaum senkrecht nach oben und bringen zudem viele lokale Störungen rein. Das Resultat: bei NVIS über kurze Distanzen (100-200km) sind die Signale mager und die Gegenstationen hören wegen QRM schlecht. Oft wird über Störpegel von S9 und mehr geklagt. Da macht Funken keinen Spass.
Bei solchen NVIS-Verbindungen kann es einen grossen Unterschied ausmachen, über welche Ionosphärenschicht man miteinander funkt. Ist es die F-Schicht in ca 300km oder die E-Schicht in ca. 80km Höhe. Ein Funkkollege wohnt z.B. 60km weit weg auf der anderen Seite der Voralpen und besitzt eine flach strahlende Antenne. Ist die F-Schicht im Spiel ist sein Signal schwach, oft kaum hörbar, funken wir aber über die E-Schicht, zeigt das S-Meter S9. Der Grund liegt natürlich im kleineren Abstrahlwinkel, der für die E-Schicht benötigt wird. Aber man kann sich leider die Ionosphärenschichten nicht auslesen. Man muss nehmen was man kriegt. Ein Blick auf das nächste Ionogramm bringt dann Klarheit.
Mit der Bodenwelle aus meinem Talkessel zu kommen, ist kaum möglich. Ob 160,80 oder 40m: auf der anderen Seite der Voralpen bleibt nicht mehr viel Bodenwelle übrig. Während die Stationen im flachen Mittelland auf diesen Bändern Lokal-QSO abwickeln und einander S9+ Signale geben, geht hier nichts. Im Alpental ist die Ionosphäre mein einziger Freund.
Im VHF-Bereich sieht es etwas anders aus. Dank Diffraktion (Beugung an Bergkämmen) und Reflexion an steilen Felswänden erreichen die 2m Wellen aus dem Tal spielend das Mittelland. Je nach dortigem Standort mit erstaunlich guten Signalen. Manchmal sogar, wenn die Gegenstation nur ein Handsprechgerät benutzt. Einige Kollegen liegen jedoch im Funkschatten, sodass eine VHF-Verbindung nicht möglich ist. Da bleibt dann nur noch ein Relais. Von denen gibt es hierzulande im surplus. Auf den meisten ist aber nichts zu lauschen ausser Rauschen und ich frage mich oft, wer wohl dort den Strom zahlt. Es gibt in der Schweiz wohl mehr Relaisstationen als aktive OM.
Ein grosses Problem bei VHF-Verbindungen in den Bergen ist der Mehrwegempfang. Der sich insbesondere bei FM im Zusammenhang mit Blindenstock-Antennen manifestiert. Verzerrungen der Modulation bis zur Unverständlichkeit und manchmal eine komplette Auslöschung des Signals ist das Resultat. Kein Wunder, nehmen doch die simplen Stängel Signale aus allen Himmelsrichtungen gleichzeitig auf. Würde ich hier im Alpental einen Stängel anstelle der Yagi benutzen, würde ich oft nur Kauderwelsch aufnehmen können.
Wer über Mehrwegempfang klagt, muss wissen, dass dieser Effekt in der Regel bei der Empfangsantenne entsteht und nicht beim Sender. Diese Mehrwegausbreitung über verschiedene Pfade (z.B. verschiedene Reflexionspunkte) beruht deshalb oft nicht auf Gegenseitigkeit. Da kann eine Yagi Antenne auf der Empfangsseite helfen, die das Signal bevorzugt aus einer bestimmten Richtung empfängt.




















