Das Bietschhorn im Norden.
Für viele OM
bedeutet der Kurzwellenfunk DX: Möglichst weit entfernte Stationen, möglichst
einsame Inseln und seltene Länder. Es macht Spaß, bis ans andere Ende der Welt
zu funken. Doch was, wenn ich bloß mit meinen Freunden zuhause sprechen will –
auf der anderen Seite der Alpen?
Genau das war
mein Wunsch in meinen Herbstferien in einem südlichen Alpental. Für drei
September-Wochen war ein hübsches Chalet auf 1500m in der Nähe von Grächen mein
QTH. Ein Tal inmitten von mächtigen Viertausendern.
Wer auf Kurzwelle,
über kurze Distanzen jenseits der Bodenwelle, funken will, braucht eine
passende Antenne. Ein Dipol oder eine Langdrahtantenne fällt einem dabei
spontan ein. Natürlich den lokalen Gegebenheiten angepasst. Doch einfach einen
Draht aus dem nächsten Fenster zu schmeißen, ist nicht unbedingt ein
Erfolgsrezept.
So machte ich mich bereits vor der Abfahrt daran, eine Antenne auszutüfteln, die meinen Zielen und den Möglichkeiten bei dem Ferien-QTH entsprachen. Mit EZNEC Pro2V7.0 simulierte ich eine Antenne, die auf den NVIS-Bändern 160, 80, 60 und 40m bevorzugt steil in die Ionosphäre strahlen sollte. Sie sollte einfach aufzubauen und abzustimmen sein. Ein 8m Fiberglasmast, ein automatischer CG3000 Antennentuner, Koaxialkabel Aircell5 und eine Rolle Kupferlitze sollten es richten.
Beim Transceiver entschied ich mich für meinen bewährten ICOM IC-7300.
Das Netzteil war ein PeakTech 13,8V 33A Schaltnetzteil von Reichelt. Es wurde
speziell für Funkanwendungen entwickelt und verfügt über keinen Drehregler um
eventuelle Störungen durch Verschieben der Taktfrequenz auszublenden. Dieser ist jeweils ein Zeichen, dass das Netzteil nicht optimal entstört wurde.
Trotzdem habe ich das Teil zuhause auf Störstrahlung getestet. Es war
tatsächlich sauber.
Doch Störungen
aus der eigenen Elektronik ist nur eine Seite der Medaille. Wie steht es mit
Störungen am neuen QTH? Das konnte ich leider erst nach unserer Ankunft am neuen Ort feststellen. Zu diesem Zweck
habe ich ein kleines Transistorradio mit AM-Kurzwellenbändern mitgenommen.
Ein Rundgang ums Chalet und im angrenzenden Terrain hat mich positiv überrascht:
Glück gehabt: das Ferien-QTH war so ruhig wie die Stille im angrenzenden Wald.
Dieser Wald war übrigens eine Art Märchenwald. Am Abend inspizierten Hirsche und Rehe meine Antenne, tagsüber die Eichhörnchen. Da die vorherrschende Baumart die Lärche war, sprossen im September Lärchenröhrlinge in Massen. Aber auch Eierschwammerl und Steinpilze waren leicht zu finden. Sogar einige Hallimasche und Parasolpilze konnte ich entdecken. Ein Paradies für Pilzliebhaber. Die einzige Konkurrenz im Wald war ein einsamer Holländer. Als ich ihn fragte, was er sammle, zeigte er mir seine Steinpilze. Dies sei die einzige Art, die er kenne. Bei unserem Gespräch war es rundherum gelb von Lärchenröhrlingen. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, sagte er: „Sei vorsichtig, mit ihrer leuchtend gelben Farbe sind die sicher giftig!“. Aber zurück zu meiner Antenne:
Ich hatte mich
für eine V-Antenne entschieden. Also ein umgekehrtes V mit meinem 8m Mast in
der Mitte. Die Drahtlänge betrug ca. 27m. Als Gegengewicht und gleichzeitig als
Reflektor diente ein Draht unter der Antenne auf dem Erdboden. Seine Länge
erwies sich für das 160m Band als erstaunlich kritisch. Aber nach einigem
Probieren schaffte der Tuner problemlos ein SWR von 1:1 auf 40, 60, 80 und
160m. Auch auf 30m und 20m, doch diese Bänder interessierten mich weniger. Ich
wollte ja mit Steilstrahlung über den Alpenriegel funken. Distanz 100 bis
200km. Zudem wären mir für DX die Viertausender im Weg, bzw. im Funkpfad
gestanden.
Um eine Distanz
von 150km zu überbrücken gilt der folgende optimaler Abstrahlwinkel :
Für das 40m Band:
74 Grad,
für das 60m Band:
70 Grad,
für das 80m Band:
66 Grad und
für das 160m Band
52 Grad.
Welcher Winkel für eine bestimmte Distanz optimal ist, lässt sich hier in diesem ausführlichenNVIS-Artikel sehen. Dort habe ich auch die obenstehenden Winkel abgekupfert.
Die Ionosphäre ist nicht ein Spiegel, wie er bei uns in der
Wohnung steht, sondern ein recht diffuses und unregelmäßiges Gebilde. Ein
Aether-Meer über unseren Köpfen, das seine Form dauernd verändert. Ein Meer mit
einem tiefen und unregelmäßigen Wellengang. Daher auch das QSB, das Fading in
unseren Empfängern. Nicht jede Welle wird am gleichen Ort zurückgeworfen. Und
bei 80 und 160m nicht einmal immer an der F-Schicht. Im 80m Band kann es sowohl
die F-Schicht in ca. 250km Höhe sein, aber auch die E-Schicht, die sich nur in
110km Höhe befindet. Im 160m Band ist es sogar meistens die E-Schicht, was den
wesentlich flacheren Winkel erklärt.
Einfach zu sagen,
dass man bei NVIS-Kommunikation wie ein Springbrunnen schnurgerade mit 90
Grad in den Himmel strahlen muss, stimmt
nur bei sehr kurzen Distanzen. Also z.B. von meinem Heim-QTH in Charmey nach
Bern (etwas über 40km). Wenn da die Gegenstation in Bern z.B. eine
Vertikalantenne benutzt, deren Strahlungsdiagramm ein Loch im 90 Grad Winkel
aufweist, ist Hopfen und Malz verloren. Denn die Bodenwelle zwischen Charmey
und Bern wird zuverlässig von meinem Hausberg abgefangen. Ja, ich weiß, und
hatte schon gefühlt hundert Diskussionen mit Flachländern über dieses Thema: Im
flachen Land sind 40km im 160 oder 80m Band kein Thema. Da reichen einfache
Rutenantennen.
Doch zurück zu
meiner Antenne, die ich in Grächen, im Mattertal, benutzte. Natürlich hing der
Draht mit ca. 8m Höhe zu tief, besonders für 80 und 160, und ich habe dadurch
sicher ein paar dB verloren. Doch wichtiger war mir die Ausrichtung der
Drahtantenne. Die Simulation des Richtdiagramms hat nämlich gezeigt, dass die
Steilstrahlung in Querrichtung zum Draht einen größeren Winkelbereich abdeckte
als in Längsrichtung (im 40,60,80m Band).
Hätte ich die
Antenne nicht quer zur Nord-Südrichtung aufgespannt, wäre eine Verbindung mit
IS/HB9CCZ/p auf Sardinien kaum möglich gewesen. Gerade im 40m Band strahlte die
Antenne in Längsrichtung des Drahtes nur
in einem kleinen Winkelbereich steil nach oben.
Auf allen Bändern
von 40 bis 160m gelangen mir Verbindungen ins Schweizer Mittelland und nach Süddeutschland
mit sehr guten Signalen, aber auch mit vielen italienischen Stationen im
Piemont. Was will man mehr in einem Alpental, das von Viertausender umzingelt
ist?












