Samstag, 30. September 2023

Portable Magnetloop selbst gebaut

 

Begegnung mit einem Alpenbewohner auf der Lauchernalp

Gerade sind zwei wunderbare Drehkos in meinem Briefkasten gelandet. NOS - New Old Stock aus der Ukraine. Solche Teile regen die Fantasie an. Früher hätte man bei ihrem Anblick an den Bau eines Mittelwellenradios gedacht. Doch die Mittelwelle ist Geschichte. Die meisten Rundfunksender in Europa haben den Geist aufgegeben. Nur in einem kleinen Dorf am Rande des Mittelwellenbereichs gibt es noch Leben. Es beschränkt sich auf 7 Kilohertz und findet zwischen 472 und 479 kHz statt. Doch der Funkverkehr ist dort - wie könnte es heute anders sein - aufs Digitale beschränkt. Ach ja, beinahe hätte ich's vergessen: auch am oberen Ende der Mittelwelle gibt es noch Leben. Damit meine ich nicht das 160m Band, obwohl das streng genommen auch zur Mittelwelle gehört. Nein es sind die Piratenstationen bei 1600 kHz, deren knisternde Vintage-Musik in dunklen Winternächten zu hören ist.

Aber was könnte man sonst mit den beiden Prachtexemplaren mit je zwei 500pF Paketen anstellen?

Als Benutzer von Magnetloop Antennen fällt mir natürlich sofort eine derartiges Gebilde für den Portabelbetrieb ein. Die Luftdrehkos sind zwar nicht so stark im Nehmen wie Vakuumkondensatoren, doch für QRP sollte es reichen. Wenn man dann noch die Koppelschleife weglassen könnte, und mit einem einzigen Abstimmkästchen auskäme, stünde dem Betrieb in einer einsamen Alphütte keine Kuh mehr im Wege. 

Da ich ein Freund des geringsten Widerstandes bin und  keinen Gehirnschmalz verschwende, wenn nicht unbedingt nötig, habe ich mich auf die Suche gemacht. In der Tiefe der Matrix bin ich dann fündig geworden:

PD7MAA hat seine Magnetloop zur Travel Loop weiterentwickelt. Ein Kästchen mit zwei Drehkos und eine simple Schleife aus Koaxialkabel ist alles, was er braucht. Ein bestechendes Konzept. Aber es geht noch besser: 

G8ODE hat der Travel Loop eine Abstimmanzeige verpasst. Damit kommen auch einfache Transceiver ohne SWR-Anzeige mit der Antenne klar. Seine Bauanleitung kommt ganz ohne Schema aus. Er hat den Aufbau so klar und einfach dargestellt, wie man früher die Verdrahtung eines Mittelwellenradios gezeichnet hat.

Jetzt fehlt mir nur noch das passende Gehäuse für dieses Projekt. Aber das wird sich auch noch finden lassen.


Freitag, 22. September 2023

Die Gyro-Frequenz



Lauchernalp: Besuch von Meister Lampe

Erstmals veröffentlicht am 5. August 2011 in Antons Funkperlen (Version 1)

Unsere Funkwellen lassen die Ionosphäre nicht “kalt”, wenn sie in sie eindringen. Sie lassen die freien Elektronen vibrieren. Ein Teil der Funkwellen wird dabei absorbiert, ein anderer zurück gestrahlt. Aber nicht nur die Funkwellen beeinflussen die Elektronen in der Ionosphäre, sondern auch das Magnetfeld der Erde. Es bestimmt, wie die Elektronen vibrieren sollen. Im Kurzwellenbereich lässt es die von der Funkwelle getroffenen Elektronen in einer elliptischen Bahn vibrieren. Je tiefer die Frequenz, desto größer wird die Ellipse, und bei einer bestimmten Frequenz im Mittelwellenbereich wird die Bahn der angeregten Elektronen spiralförmig. Die Funkwellen werden dabei praktisch vollständig absorbiert. Darum nennt man diese Frequenz die Gyro-Frequenz. 
Diese Frequenz ist nicht überall gleich auf der Welt. In Europa liegt sie bei ca. 1400 kHz, in Sibirien etwas über 1600 kHz und im Südatlantik bei 600 bis 700 kHz. Je näher unsere Signale der Gyro-Frequenz kommen, desto grösser ist die Absorption während des Tages durch die D-Schicht. Das merken wir nicht nur beim Empfang von Radiostationen auf Mittelwelle, sondern auch beim Funkbetrieb im 160m Band. Bei 1.8 MHz mehr als bei 2MHz.
Und weil das Magnetfeld der Erde an dieser Gyro-Frequenz, bzw. an den Bahnen der angeregten Elektronen “schuld” ist, wirken sich Magnetstürme auf die Wellenausbreitung aus. 
Wegen seiner Nähe zur Gyro-Frequenz ist die Wellenausbreitung im 160m Band eine komplexe Geschichte und schwer prognostizierbar. 

Aber der Funker "spürt" den Einfluss des Erdmagnetfeldes auch auch den höheren KW-Bändern und sogar noch auf 136 kHz.
Daher ist der Kp-Index bei der Wellenausbreitung von grosser Bedeutung. Er zeigt die Stärke der Störung des Magnetfeldes. Ist er hoch, ist die Funkausbreitung beeinträchtigt, bzw. verhalten sich die Wellen nicht so, wie wir es gewohnt sind. Vor allem in der Nähe der Magnetpole. Diese Pole sind übrigens nicht mit der Rotationsachse, also den geografischen Polen der Erde, identisch. Der magnetische Nordpol befindet sich zurzeit im Norden Kanadas und wandert mit einer Geschwindigkeit von 90m pro Tag Richtung Sibirien. Auch hat man festgestellt, dass sich das Erdmagnetfeld laufend abschwächt – in den vergangenen hundert Jahren um etwa 6 %. Und es gibt bereits Löcher im Magnetfeld. Die Forscher vermuten deshalb, dass wir uns einem Polsprung nähern, bei der sich die Erde umpolt. Ein solcher Polsprung fand in der Vergangenheit etwa alle 250’000 Jahre statt, und der nächste ist schon lange überfällig. Die Umpolung erfolgt übrigens nicht sprunghaft, wie der Ausdruck Polsprung suggeriert, sondern dauert Jahrhunderte oder Jahrtausende. Während dieser Zeit herrschen chaotische magnetische Verhältnisse. Kompasse werden unbrauchbar, Zugvögel orientierungslos und das Leben auf der Erde ist dem Sonnenwind ohne Magnetschutzschild ausgesetzt, mit entsprechenden Auswirkungen auf die DNA. Da sind die zu erwartenden chaotischen Funkbedingungen noch das geringste Übel. Doch keine Sorge! Wir alle werden einen eventuellen Polsprung kaum mehr erleben. Es dauert höchstwahrscheinlich noch eine “Weile” :-)


Dienstag, 19. September 2023

Portabel im Lötschental

 

Bietschhorn 3934m, HB/VS-035

Ab und zu braucht man auch Ferien von den Ferien. Im September habe ich deshalb mein QTH für ein paar Wochen von Charmey ins Lötschental verschoben. Von einen Alpental ins andere. Von 900m auf 2000m. Von einer Touristendestination in eine andere. 

Funktechnisch blieben die Bedingungen gleich. Anstatt die 2000er der Freiburger Voralpen, umringten mich auf der Lauchernalp die 3000er und 4000er der Walliser Alpen. Wie bereits an meinem Dauerferien-QTH war deshalb auch auf der Lauchernalp NVIS angesagt. QRP in CW auf 40 und 80m. Für das 40m Band begleitete mich der QCX+ Bausatz von QRP-Labs und für das 80m Band ein Eigenbau. Hier ist das ungleiche QRP-Duo zusammen zu sehen.

Als Antenne dienten 20m Draht in nur 4m Höhe über felsigem Grund. Also eine Viertelwelle für das 80m Band und eine Halbwelle (Endfed!) für das 40m Band. Um die sehr unterschiedlichen Anpassungen zu meistern (low Z vs. Hi Z), kam meine Mikro-Matchbox mit. Und mit ihr auch die Probleme. Offenbar hatte ich bei der Qualitätskontrolle dieses Selbstbaus versagt. Die eingebaute Stehwellen-Messbrücke funktionierte nicht. Keine Chance das SWR zu messen! Es blieb nichts anderes übrig, als die Antenne nach Gehör (maximales Rauschen) und nach Gutdünken abzustimmen. SWR unbekannt. Doch trotz der intensiven Abstimmversuche haben die Endstufen der beiden Geräte überlebt. Und ob SWR 1:3 oder 1:10, jeden Abend gelangen mir QSO's auf NVIS Distanzen, das heisst bis etwa 700km. Am späteren Nachmittag im 40m Band und bei Dunkelheit im 80m Band. Wieder zurück in Charmey habe ich natürlich sofort nach dem Fehler gesucht und ihn gefunden: Die SWR-Brücke hatte keine richtige Masseverbindung. Offenbar hatte ich SWR-Brücke und Tuner separat getestet und nach dem Zusammenbau auf eine Endkontrolle verzichtet. Hätte ich doch bloss einen Antennenanalyzer dabei gehabt!

Einen Tag vor unserer Abreise erlebte das Lötschental eine Hochwasserkatastrophe. Viele Brücken wurden dabei zerstört, die Trinkwasser- und Stromversorgung in Mitleidenschaft gezogen. Glücklicherweise war die Lauchernalp noch mit der Seilbahn erreichbar.

Da denkt man dann unwillkürlich an den Notfunk. Allerdings hatte ich bloss ein kleines Steckernetzteil und keinen Akku dabei. Also Notfunk untauglich. Doch die Behörden waren sehr gut organisiert. Ich weiss nicht, was da ein paar Amateurfunker hätten helfen können. 

Kürzlich wurde ja in der Schweiz ein so genannter Notfunk-Contest durchgeführt. Ein lustiges Spiel, bei dem jeweils die Postleitzahl des QTH's ausgetauscht wurde. Damit sollte die Notfunktauglichkeit der Schweizer Funkamateure überprüft werden, wie es im Reglement heisst. Die Übung erfolgte im 80m Band in SSB sowie im 2m und 70cm Band in FM und SSB. Insbesondere auch über Relaisstationen. Natürlich mussten die beteiligten Stationen unabhängig vom Stromnetz betrieben werden.

Irgendwie kommt mir das Ganz etwas halbbacken vor. 

- Telegrafie wurde ausgeschlossen. Sie wird offenbar von den Organisatoren als nicht Notfunk tauglich beurteilt. Gute Telegrafisten können Telegramme in sehr kurzer Zeit effizient übermitteln. Sie brauchen dazu nur einen Bruchteil der Leitung von SSB Stationen. Und sind vermutlichn schneller als die SSB Funker die alles mühsam durchs QRM brösmeln müssen.  

- Die Beschränkung auf das 80m Band ist total praxisfern. Bei NVIS Betrieb muss die Wahl des geeigneten Betriebsbandes frei sein. Je nach Tages und Jahreszeit und Sonnenzyklus. Die NVIS-Bänder sind 160, 80, 60 und 40m. Im gegenwärtigen Sonnenzyklus und im Sommer ist ein Betrieb im 80m Band tagsüber schwierig. 40m wäre z.Z. die Wahl der Profis. Bei Bedarf fragt mal bei der Armee nach, die wissen wie das geht. Ach was reg' ich mich denn auf? Es ist immer wieder erstaunlich wie wenig Funkamateure hierzulande über Wellenausbreitung wissen. Wird das denn nicht geprüft?  

- Dass für 70cm als Direktfrequenz 433.525 MHz angegeben wird, ist ein Witz. Das 70cm Band von 433,05 bis 434.79 MHz ist ein ISM-Band und deshalb voller Störungen. Für den Amateurfunk ist dieser Teil des 70cm Bandes zumindest in urbanen Gegenden unbrauchbar. Liebe Reglementeschreiber. Stellt doch mal den Transceiver auf 433.500 MHz und lasst den Wasserfall laufen. Dann seht ihr, was ich meine. Oder guckt mal in den nationalen Frequenzplan des BAKOM. Aber das Problem liegt wohl noch eine Schicht tiefer. Schon die Bandplaner haben das ISM-Band nicht berücksichtigt. Sie haben die FM Direktfrequenzen genau in diesen Bandabschnitt gelegt. Diese Theoretiker.        

    

Donnerstag, 14. September 2023

Die Omega Loop

 


Gerade ist meine letzte Magnet Loop Antenne fertig geworden. Es ist die achte Magnetloop, die ich gebaut habe und ich denke, dass sie die letzte sein wird. Darum nenne ich sie Omega Loop. Mit ihr sind die Möglichkeiten an meinem QTH ausgereizt. Mehr geht nicht, weder von der Größe noch vom Gewicht her. Ihre Konstruktion beinhaltet meine Erfahrungen der vorhergehenden sieben Antennen und viele Erkenntnisse von anderen Loop-Konstrukteuren

Mit meiner vorletzten Magnetloop, Nr. 7, war ich zwar sehr zufrieden und sie hat mich immer wieder mit erstaunlichen Resultaten überrascht. Nr. 7 hatte einen Umfang von 6m, also einen Durchmesser von 1.9m. Natürlich hätte ich die Omega-Loop gerne etwas größer gebaut, um den Strahlungswiderstand und damit den Wirkungsgrad weiter zu erhöhen. Insbesondere auf den Bändern 80 und 160m. Doch das war leider nicht möglich. Hoffnungsvoll hatte ich zwar 7m Koax bestellt. Aber schliesslich musste ich schweren Herzens einen ganzen Meter absägen. Es blieb bei 6m Umfang. Mit 7m Umfang hätte die Omega Loop im 80 und 160m Band etwa 3dB zulegen können. 

Doch es gibt noch einen anderen Weg, den Wirkungsgrad einer Magnetloop zu steigern. Der Gegenspieler des Strahlungswiderstandes ist der Verlustwiderstand. Gelingt es, diesen zu verringern, steigt der Wirkungsgrad.

Die Verlustquellen bei einer Magnetloop Antenne sind folgende:

1. Der Widerstand der Schleife. Der ist viel höher als der ohmsche Widerstand, da der HF-Strom nur an der Oberfläche eines Leiters fließen kann. 

2. Die Übergangswiderstände der Kontakte. Insbesondere dem zwischen Kondensator und Leiterschleife.

3. Der Widerstand des Kondensators aufgrund seiner Konstruktion.

Um die Verlustquelle Nr.1 zu verkleinern habe ich ein dickeres Koaxialkabel für die Schleife verwendet. Anstatt des LCF78-50 von Cellflex beschaffte ich das LCFS114-50. Der Aussendurchmesser seiner Abschirmung beträgt 36mm, gegenüber den 25mm des dünneren LCF78-50. Der Aussendurchmesser beträgt 40mm. Derart massive Koaxialkabel kann man nicht meterweise im Laden kaufen. Sie werden in der Regel bei Rundfunk- oder Mobilfunk-Stationen eingesetzt. Gebrauchte oder NOS/Restposten sind zwar nicht besonders teuer - es geht ja nur um einige Meter. Doch der Transport quer durch Europa kostete mehr als das Kabel, da man es nicht klein genug rollen kann. Bekommen habe ich es bei Elektrodump in den Niederlanden. Meine Erfahrungen mit dieser Firma waren übrigens positiv und ich kann sie weiterempfehlen.

Um die Verlustquelle Nr.2 zu verkleinern, habe ich die Kontaktierung zwischen Kondensator und der Koaxschleife mit 40mm breiten Kupferstreifen ausgeführt und sie gelötet. Diese Kontaktierung ist m.E. besser als im Vorgängermodell. Doch das lässt sich nicht quantifizieren und ist rein subjektiv. 

Auch der Kondensator ist neu. Anstelle des alten Russen (500pF/10kV) habe ich nun einen Vakuum Drehkondensator von Comet, der offensichtlich noch nie im Einsatz war. Er stammt ursprünglich aus der Schweiz und ich habe ihn in Südkorea aufgetrieben. Dieser Vakuumkondensator lässt sich dank der großflächigen, versilberten Flansche besonders gut kontaktieren.:




Was darf ich von der neuen Omega-Loop erwarten. Wieviel besser ist sie gegenüber der gleich grossen Nr.7? Und schließlich: hat sich die ganze Übung gelohnt?

Die Antwort auf diese Frage ist überraschend: Die Omega ist nur unmerklich besser als ihr Vorgänger. Es lohnt sich nicht, das 4cm dicke Koaxialkabel zu verwenden. Das 7/8 Zoll Cellflex LCF78-50 ist genügend gut.

Im 160m und 80m Band ist die Omega Loop nur um etwa 1.5 dB besser, im 40m und 30m Band dürfte der Wirkungsgrad nur ein knappes dB steigen. 

So bleibt alles wie es war. Im 40m und 30m Band kann die Antenne durchaus mit einem Dipol mithalten. Mit dem Vorteil, weniger Störungen aus der unmittelbaren Umgebung aufzunehmen und Störungen durch ihre Richtwirkung gezielt auszublenden zu können. 

Im 60m Band bringt sie etwa eine halbe S-Stufe (oder eine ganze japanische) weniger als ein Dipol. Das ist kein Problem, da in diesem Band sowieso nur 25W ERP zugelassen sind. Da dreht man halt die Leistung etwas höher.

Im 80m Band ist sie erfahrungsgemäß etwa -10dB schwächer als ein hoch hängender fullsize Dipol. Da sie in allen Elevationswinkeln strahlt, ist sie auch gut als NVIS Strahler und für kurze Strecken jeder Vertikal überlegen. Die Antenne ist für SSB gerade breit genug. Doch muss bei jedem kleinsten Frequenzwechsel nachgestimmt werden.

Im 160m Band liegt sie ganze -40dB hinter einem Dipol zurück. Das ist ok für CW und FT-8 QSO, zumal die meisten Gegenstationen für das 160m Band auch nur Behelfsantennen haben und damit ebenfalls einige dB "liegenlassen". Dafür ist die Magnetloop hier extrem ruhig. Für SSB ist die Antenne aber zu schmalbandig.

Im 630m Band liegt sie dramatische -60dB unter einem fullsize Strahler. Aber sowas haben nur MW-Rundfunkstationen. Für WSPR, FT-8, FT-4 und FST-4 reicht die Loop allemal. 

Wieso ich die Omega Loop gleichwohl gebaut habe? Ich wollte natürlich die bestmögliche Antenne für mein QTH haben und sie war ein spannender Challenge. Zudem hatte ich mich der Illusion hingegeben, dass ich sie mit 7m Umfang bauen könnte. 

Aber jetzt kommen dafür viele interessante Stunden mit Testen, Vergleichen und Ausprobieren. Gerade rechtzeitig für die dunkle Jahreszeit.    

Sonntag, 10. September 2023

Eine gelungene Fuchsjagd

 


ARDF ist ein seriöser Sport, der nach strengen Regeln gespielt wird und an die Teilnehmer hohe Anforderungen an das fachliche Können und die persönliche Fitness stellt.

Funkamateure kennen ARDF auch unter dem Begriff "Fuchsjagd". Gejagt wird mit einem Peilempfänger und der Fuchs ist ein versteckter Sender. Fuchsjagden werden vor allem im 2m und 80m Band veranstaltet. Aber auch andere Bänder haben ihren besonderen "Charme". Zum Beispiel das 10m oder das 160m Band, wie ich aus Erfahrung weiss.

Allerdings bin ich kein richtiger Fuchsjäger. Dazu fehlt mir der sportliche Ehrgeiz. Doch Spass habe ich immer, wenn es um eine Plausch-Fuchsjagd geht, wo nur eine einzige Regel gilt: "Du musst den Fuchs finden!"

Kürzlich habe ich für einen Funkfreund eine kleine Fuchsjagd hier im Alpental organisiert. Notabene: nur für einen einzigen Teilnehmer. Natürlich war das Versteck des Fuchses zugleich auch unser Grillplatz im Wald. Andy und seine Barbara mussten diesen Grillplatz finden, um mit uns Cervelats zu grillen. Wusstet ihr übrigens, dass wir hier in der Schweiz "grillieren" und nicht grillen sagen? Komisch, nicht? Aber wir sagen auch "parkieren" und nicht parken. Doch zurück zu der Fuchsjagd:

Einziger Anhaltspunkt war der Ausgangspunkt: das Touristendorf Charmey. Der 80m Sender war mit einem halben Watt und einer 10m Vertikal mit Dachlast stark genug, um seine Bodenwelle über mehrere Kilometer Distanz zu verbreiten. Für eine erste Annäherung brauchten Andy und Barbara daher das Auto. Die letzten paar 100m mussten aber zu Fuss zurückgelegt werden. Da Andy ein erfahrener Fuchsjäger ist, traf er rechtzeitig zum Grillen am Mittag ein.

Nun möchten auch meine Bekannten, die sich bisher kaum für Amateurfunk interessierten, wissen wie das mit dem Peilen geht. Das Schöne an der Fuchsjagd ist ja, dass es zwar eine Funklizenz zum Betrieb des Senders braucht, aber jedermann mit einem Empfänger peilen darf. So werde ich denn wohl bald eine weitere Fuchsjagd organisieren dürfen. Nun bin ich am Zusammenbau von ein paar Peiler-Bausätzen aus China.

Für Newcomer und Laien: Bei Fuchsjagden setzt man auf die Bodenwelle. Die Raumwelle spielt keine Rolle und wäre nur störend. Doch tagsüber ist im Sommer die Tagesdämpfung (D-Schicht) so hoch, dass der Fuchs nicht über die Ionosphäre weite Strecken überbrücken kann. Um eine starke Bodenwelle zu erzielen, muss der Sender aber eine Vertikalantenne speisen. In meinem Fall mit ca. einem halben Watt. Jenseits meines Alpentals war er deshalb nicht mehr hörbar.

Gepeilt wird mit der Nullstelle der Antenne. Davon gibt es zwei in Längsrichtung der Ferritantenne. Du weisst also zu Beginn nicht, ob der Fuchs hinter oder vor dir liegt. Mit einem Knopfdruck lässt sich deshalb beim Peilempfänger eine kleine Vertikalantenne zuschalten. Das Richtdiagramm wird damit zu einer Kardioide mit einem eindeutigen Maximum. Für diese Seitenbestimmung wird also nicht mehr auf minimales Signal gepeilt, sondern auf ein Signalmaximum 90 Grad zur Längsrichtung der Ferritantenne. Wenn man dem Fuchs näher kommt und das Signal stärker wird, reduziert man den Pegel des Empfängers mit dem dafür vorgesehenen Drehregler.

Über Peilempfänger habe ich bereits mehrfach geschrieben und verzichte daher auf die Beschreibung der China-Bausätze, die ich z.Z. zusammenbaue:

- Ein chinesischer Fuchsjäger

- Auf Pirsch in kalten Gefilden

- Ein 80m Peiler mit Lautsprecher und S-Meter

Noch ein Wort zum Sender: Auch die kann man aus China bestellen. Aber für das Plausch-Peilen gibt es eine bessere Möglichkeit: Man baut sich einen Ultimate 3S von QRP-Labs. Der ist günstig und noch für andere Zwecke und Bänder brauchbar.

   

Dienstag, 5. September 2023

Was zum Geier ist WSPR?

 




Bartgeier: mit bis zu 2.9m Flügelspannweite der grösste Vogel, denn man hier in den Alpen beobachten kann.

FT-8 ist heutzutage die dominierende Betriebsart im Amateurfunk. Sie hat SSB und CW zu einem grossen Teil verdrängt. Das geht so weit, dass man glaubt, dass die Ausbreitungsbedingungen miserabel sind, weil auf dem Band nichts zu hören ist. Bis man dann auf den FT-8 Kanal stößt: fröhlich zwitschern die FT-8 Signale um die Wette. Ganz besonders ist mir das bei der diesjährigen Es-Saison aufgefallen. Ohne FT-8 hätte ich oft gar nicht bemerkt, das das 6m Band offen ist. Beim neuen 4m Band war es noch ausgeprägter. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich in SSB oder CW innert der wenigen Stunden, die ich QRV war, 23 Länder hätte erreichen können. Und das nur mit einem auf den Dachbalken genagelten Drahtdipol und 20W. FT-8 ist für den Sporadic-E Funker ein Segen.

Aber auch auf KW hat sich die DX-Landschaft dank Joe Taylor dramatisch verändert. Wenn nicht gerade ein Contest läuft, findet man wieder Platz, um ein längeres Gespräch in SSB zu führen oder zu telegrafieren.  

Für FT-8 braucht es keinen guten Standort mit Platz für grosse Alugebilde und lange Drähte. Die teure Kilowatt Endstufe kann man sich auch abschminken. FT-8 ist eine QRP-Betriebsart. Sprachkenntnisse braucht es auch keine und man läuft nicht die Gefahr von Bandpolizisten und Besserwissern dumm angemacht zu werden.

Aber es gibt eine Betriebsart, die noch besser ist und weitere zusätzliche Vorteile bietet. Sie heisst WSPR und ist im Digitalpaket von WSJT-X enthalten. WSPR, gesprochen "Whisper" (Flüstern) ist nochmals effizienter als FT-8 - d.h. etwa 10 mal empfindlicher. Man braucht noch weniger Leistung und Antennenpower um ferne Stationen zu erreichen. Zudem sind viele der Stationen, mit denen man eine Verbindung herstellen kann, rund um die Uhr QRV. Auch braucht man während dem "QSO" nicht unbedingt an der Station zu sitzen. Der Computer macht seinen Job auch ohne Funker. Ja, ich weiss: Um eine unbediente Station zu betreiben, braucht es ein Bewilligung. Der Funker muss vor dem Sender sitzen und diesen kontrollieren können. Doch wie bei vielen Dingen im Leben gilt auch hier das Rumpelstilzchen-Prinzip: "Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss." 

WSPR ist die ideale Betriebsart für den introvertierten Funkamateur. Dieser braucht sich nämlich nicht mit Stationen herum zuschlagen, die ihm auf seine Aussendungen antworten. Die Antworten treffen nämlich alle automatisch ein: über den heimischen Computer. Man kriegt auch nicht unverlangt diese Pappkärtchen, QSL genannt. Und trotzdem kann man sich an den vielen Verbindungen und dem DX freuen und interessante Weltkarten ausdrucken, welche diese Verbindungen dokumentieren.

Aber es macht nicht nur Spaß zu testen, wie weit man mit seiner QRP Station kommt. WSPR ist auch die ideale Betriebsart, um Antennenvergleiche anzustellen. "Ist jetzt die Magnetloop besser oder die T2FD?" Man stört dabei niemand und muss auch keine CQ-Rufe absetzen, auf die jemand antworten könnte.