Sonntag, 22. März 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 18 - Ein Krokodil im Krokodilteich

 


Was auf dem Langwellenband von zuhause aus möglich war, hatte ich ausgeschöpft. Weiter als Finnland ging es nicht. Andere Kontinente lagen ausserhalb der Reichweite meiner Station. Dazu reichten die 1000 Watt und eine Inverted L Antenne in 18m Höhe nicht. Nun sollte sich in Sottens zeigen, was mit einer Traum-Antenne erreicht werden konnte. 

Nachdem wir nun die Antenne anpassen konnten und einige kleinere Probleme gelöst hatten, ging es ans Funken:
Ein erstes QSO gelang uns mit Paul, HB9DFQ, in Watt bei Regensdorf, über eine Distanz von 158km. Wie der nachfolgende Bericht von Paul zeigt, war unser Signal sehr stark und wir realisierten, dass wir ein Krokodil waren (grosses Maul, kleine Ohren), was sich in den nachfolgenden QSO’s auch bestätigte.
Hier Pauls Bericht:

Hallo Toni, aus aktuellem Anlass sende ich Dir die Beschreibung meines Langwellensenders. Der Sender an sich ist nichts besonderes. Wie man auf den Bildern sehen kann, musste das Ganze schnell gehen.
Bei den Spulen auf den WC-Papierrollen handelt es sich um Induktivitäten zur Oberwellenunterdrückung.
Die Sendeleistung ist durch das Netzteil von 25 V bei 3 A Laststrom begrenzt.
Die VFO-Schaltung zeigt, dass man mit digitalen IC’s einfache und sehr frequenzstabile Oszillatoren bauen kann. Im vorliegenden Beispiel werden 4.5 MHz erzeugt und anschliessend durch 32 geteilt. Damit werden unerwünschte Mitzieheffekte vermieden. Dieses Konzept hat sich besser bewährt als ein einfacher Oszillaor mit einem NPN-Transistor. Die Frequenz wird mit einem Zähler gemessen welcher ich ca. 1971 gebaut habe. Dieser besteht aus einem TTL Friedhof aus ca. 50 TTL-Bausteinen.
Die Ladespule ist relativ gross und hat eine Induktivität von 4 mH. Normalerweise beträgt in der Spule der Verlustwiderstand 10 Ohm und in der Erdleitung nochmals 10 Ohm. Ich verwende keine Varioneter sondern die Windungen werden soweit auseinander geschoben bis die Antenne auf Resonanz ist.
Die Antenne ist ein 70 m langer Draht welcher zwischen 5 und 10 m hoch aufgespannt ist. Mit ca. 0.1 Ohm Strahlungswiderstand beträgt der Wirkungsgrad der Antenne, unter Berücksichtigung der Verlustwiderstände, noch maximal 0.5 % was bei 50 Watt Sendeleistung 250 mW ERP entsprechen würde. Dies ist jedoch eine allzu optimistische Abschätzung. Ich vermute dass 50 mW ERP nicht überschritten werden.
Als Empfänger wurde der IC756-PRO-III verwendet. Auf dem Spektrumscope sind die beiden “Krokodile” und dazwischen einmal das leere Langwellenband und einmal mit dem Signal von HE3OM zu sehen. Das Spektrum zeigt übrigens die Bandbreite des Filters im IC756 und nicht die Bandbreite des Langwellensignals.
Ich kann Dir und der ganzen Crew nur zu diesem Bombensignal gratulieren. Dieses Signal ist schon in der Grössenordnung der kommerziellen Stationen. Das waren sicher 1 Watt ERP.
73 de Paul





Die beiden Bilder oben zeigen Paul's Antennenspule und seinen Sender, den er damals benutzte.

Die nachfolgenden zwei Bilder, die er uns von seinem ICOM 756 Pro3 sandte, zeigen, dass wir tatsächlich ein Krokodil unter Krokodilen waren. Im ersten Bild sind die Signale der kommerziellen Stationen ausserhalb des 2200m Amateurbandes zu sehen - noch ohne unser Signal. Im zweiten Bild sehen wir dann HE3OM im Krokodilteich:



Bei uns in Sottens verwendeten wir auch einen 
Icom IC-756 Pro3 als Empfänger. Damals gehörte der Pro3 zu den Top-Geräten. Die Signalverarbeitung erfolgte zwar digital, doch noch ohne "Direct Sampling" - also ohne A/D-Wandler gleich nach dem Antennenfilter, wie das in heutigen Transceivern der Fall ist. Die Auflösung des Spektroskops war deshalb noch gering. Aber der Transceiver war mit seinen schmalen DSP-Filtern ein recht guter Langwellenempfänger, und ist es auch heute noch. Ich benutze noch heute diesen Transceiver sehr gerne. Er war ein Markstein in der Entwicklung der ICOM KW-Transceiver und verfügte bereits über einen zweiten Empfänger, was z.B. praktisch bei der Beobachtung der "Konkurrenz" bei DX-Expeditionen ist.  Aber nicht auf die Art, wie das bei heutigen Top-Geräten der Fall ist, bei denen die wichtigsten Regler im Doppel vorhanden sind. Der Pro3 besitzt einen Balance-Regler, mit dem beide Empfangssignale mit beliebiger Lautstärke miteinander gemischt werden können.  

In den nächsten Tagen folgten viele weitere QSO's in Telegrafie mit ganz Europa. Manchmal entstand ein regelrechtes Pile-up. Aber wie wir in Emails erfuhren, konnten wir leider nicht alle Stationen hören, die uns aufnehmen konnten und uns riefen.

Damit auch diese Stationen zum Zug kommen konnte, begannen wir Crossband zu machen und hörten auch auf 80 und 40m. Dazu verwendeten wir eine separate Drahtantenne, die wir zwischen den Füssen unseres Sendemasten spannten. Aber auch das klappte nicht immer und einige OM fragten sich:

“Wieso kann er mich auf KW nicht hören, er kommt doch auf Langwelle mit 599 rein.”

Doch die Langwelle kennt keine tote Zone und die Tagesdämpfung durch die D-Schicht spielt im Europaverkehr keine grosse Rolle. Wir funkten mit der Bodenwelle. 

Eigentlich hätten wir auch gerne auf 500 kHz gefunkt, zeichnete sich doch bereits ab, dass wir Funkamateure in Zukunft auch ein Mittelwellenband bekommen würden. Irgendwo in der Gegend von 500 kHz, da der Schiffsfunkverkehr in diesem Band, unterhalb des Mittelwellen Rundfunks, eingestellt worden war. Aber leider erhielten wir keine Bewilligung.

In anderen Ländern waren die OM's erfolgreicher und so konnten wir mit Rik, OR7T, ein Crossband QSO in CW tätigen. Rik sendete auf 502 kHz und wurde in Sottens mit 419 empfangen. Als Empfangsantenne diente unser 125m Mast. Darauf folgte ein weiteres Crossband-QSO mit Jim, G0BMU.
Dass viele OM in Europa von unserer Langwellenaktivität nichts wussten, wurde uns bewusst, als unsere Crossband-Rufe (QSX3555) oft ohne Antwort blieben, während die Kollegen beim Hauptmast auf 80m in SSB ein Riesen-Pileup abarbeiteten.

Im folgenden Bild ist der 188m hohe Hauptmast zu sehen, von dem aus die KW Mannschaft QRV war.




Und hier noch ein paar Bilder zu unserer Antennenanpassung. Denn mit dem Sperrkreis draussen am Mast, mit der grossen Spule und den vielen Hochspannungskondensatoren, war es ja nicht getan. 
Neben unserem Variometer brauchten wir noch einen Abstimmkondensator. Da hatten wir Glück. Ein solches Teil stand bereits in unserem "Shack". Er hatte zur Abstimmung des Mast auf Mittelwelle gedient. Für uns zwar etwas "überdimensioniert" doch kam er ganz kommod:






Im nächsten Bild sieht man unsere Variometer, das ich von zuhause mitgebracht hatte. Da die Induktivität nicht ganz ausreichte, wurde rasch eine Zusatzspule auf ein gelbes Kunststoffrohr gewickelt:



Zum Schluss noch ein Blick auf das Variometer des Reservesenders von Sottens für die Mittelwelle, der auch bei uns im Shack stand. Ein wunderbares Teil, doch für unsere Langwelle leider nicht zu gebrauchen:


Das ist alles für heute. Doch die Geschichte geht weiter. Bei den nächsten Erinnerungen geht es um DX im Langwellenband.


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