Bei dem stillgelegten Mittelwellensender standen zwei freistehende Masten zur Verfügung. Die 188m hohe Huaptantenne und eine 125m hohe Reserveantenne.
Die Hauptantenne sollte auf Kurzwelle betrieben werden und sollte insbesondere auf 160m aktiviert werden. Der Mast war geerdet und trug einen Vertikaldipol aus sechs Drähten, der in der Mitte gespeist wurde. Zur Optimierung des Abstrahlwinkels war der untere Dipolast über eine Drossel geerdet.
Doch was sollte man mit der Reserveantenne anfangen? Man diskutierte zuerst über einen zusätzlichen Betrieb mit einer zweiten Crew auf Kurzwelle. Doch die Resereveantenne schien weniger attraktiv für den KW-Betrieb. Denn für ihren Betrieb auf Mittelwelle wurde der ganze Mast als Vertikalantenne gespeist. Als Gegengewicht diente eine ausgedehntes Netz an vergrabenen Kupferdrähten. In einem Häuschen unter dem Mast befand sich ein Variometer, mit dem die Reserveantenne im Bedarfsfall angepasst wurde. Eine Besteigung des Mastes wurde von der Besitzerin, der Swisscom, nicht erlaubt. Als Träger für Amateurfunkantennen kam der Mast deshalb nicht in Frage.
Das war der Moment wo ich ins Spiel kam. Denn ich kannte einige der beteiligten Funkamateure und das Wichtigste: ich besass einen betriebsbereiten Langwellensender.
So entstand die Idee, den Reservemast im 2200m Band zu betreiben. Der Betrieb sollte gleichzeitig mit dem KW-Betrieb der Hauptantenne im Februar 2011 stattfinden.

So zeigte sich sofort, dass man gut daran getan hatte, den Reservemast nicht im 160m Band zu betreiben. Dafür wäre er schlicht zu lang gewesen und hätte nicht die für DX-Betrieb gewünschte Flachstrahlung erreicht:

Doch für 137 kHz sah es ganz anders aus. Hier war die Antenne natürlich viel zu kurz, doch das Strahlungsdiagramm war, auch wegen dem vergrabenen Erdnetz, fast ideal:

Allerdings gab es noch ein kleines Problem zu lösen: Auch wenn die Erdverbinder (Messerschalter) an den vier Mastbeinen für den Betrieb unterbrochen wurden, war der Mast trotzdem noch über eine Spule geerdet. Für den Fall eines Blitzeinschlags während des Betriebs oder statischer Aufladung. Zudem führte durch diese Spule, als Koaxialleiter, die Stromversorgung für das Licht auf der Mastspitze. Für die Mittelwelle war die Induktivität der Spule genügend hoch um keinen HF-Kurzschluss gegen Erde darzustellen. Doch leider nicht für 137 kHz.
Wir fragten zuerst freundlich, ob wir die Spule für den Betrieb nicht entfernen dürften. Doch die Antwort war: "Seid ihr lebensmüde? Kommt nicht in Frage!" und "Ihr wollte doch nicht, dass uns ein Flieger im Mast hängen bleibt?"
Doch nach einigem Nachdenken kamen wir auf die Idee, aus der Spule einen Sperrkreis für 137 kHz zu machen. Wir brauchten ja nur einen entsprechenden Kondensator parallel zu schalten, um unsere Langwelle den Weg nach der Erde zu versperren. Das sollte mit grossen Klemmen möglich sein, ohne der Blitzschutzfunktion der Spule zu beeinträchtigen.
Doch die Berechnung zeigte, dass dieser Kondensator erstens sehr gross, zweitens sehr viel Hochspannung aushalten musste und drittens eine hohe Güte haben musste. Da kam eigentlich nur Glimmer oder HF-Keramik in Frage.
Doch woher nehmen? Glücklicherweise fanden wir im Hauptgebäude des Senders einen Techniker, der mit dem Abbau des Mittelwellensenders beschäftigt war. Und der Mann hatte eine ganz grosse und gut sortierte "Bastelkiste".
Wie Lego: so sah unser Kondensatorpaket schliesslich aus. Jetzt konnten wir daran gehen, den 125m Mast auf 137 kHz abzustimmen. Nicht mit dem Variometer im Kabäuschen unter dem Mast, wo es übrigens fürchterlich kalt war, sondern mit meinem eigenen Variometer, das ich von zuhause mitgebracht hatte. Das Abstimmen ging problemlos über die Bühne und wir konnten uns für den Funkverkehr im 2200m Band einrichten:
Wie es mit dieser "Expedition" weiter ging, und welche Verbindungen wir dabei tätigen konnten, das erzähle ich euch beim nächsten Mal in den Erinnerungen Nummer 18.
Bis dann, beste 73 und bleibt gesund! Anton (Toni)


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