Samstag, 28. Februar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 15 - Langwellen Empfänger und Sender

 


Das 136 kHz Band (135.7 - 137.8 kHz) wurde in der Schweiz bereits am 1. Januar 2001 für die Funkamateure freigegeben. Dies aufgrund der europäischen Empfehlung (CEPT/ERC E62-01). Die Schweiz gehörte dabei zu den ersten Fernmeldeverwaltungen, die dieses Band freigaben. Nur das OFCOM der Engländer war noch etwas schneller. Allerdings erhielten die englischen Funkamateure zuerst nicht die Erlaubnis für das 136 kHz Band, sondern für das 73 kHz Band. Bereits im April 1996 erhielten unsere englischen Funkfreunde die Erlaubnis auf den Frequenzen von 71.6 - 74.4 kHz zu senden. Im Juni 2003 endete diese spezielle Zuteilung.

Oft wird bei diesen Frequenzen falscherweise von Längstwellen gesprochen, doch der Bereich 30 - 300 kHz, entsprechen den Wellenlängen 10'000m bis 1000m gehört zu den Langwellen. Nur die Frequenzen von 3 - 30 kHz werden als Längstwellen bezeichnet (Dort wo zum Beispiel auch der Längstwellensender Grimeton in Schweden auf 17.2 kHz ab und zu seine Grussbotschaften sendet.

Dass wir dieses Langwellenband bekommen würden, wussten wir Funkamateure aufgrund der CEPT-Empfehlung schon im voraus, und so blieb genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten. Fest stand auch schon, dass wir maximal 1 Watt ERP benutzen durften und dass der schmale Bereich keine Sprachkommunikation, sondern nur Telegrafie und andere digitale Betriebsarten zulassen würde. Da weder Sender noch Antennen für diesen Bereich zu kaufen waren, mussten diese selbst entwickelt und konstruiert werden. Eine Herausforderung ganz nach meinem Gusto. Ich wollte unbedingt zu den ersten gehören, die auf diesem Band QRV sein würden.

Der leichteste Teil dieser Aufgabe, war die Suche nach einem passenden Empfänger. Zwar hätte ein Amateurfunktransceiver für diese Aufgabe genügt. Viele dieser Geräte konnten bis 30 kHz herunter empfangen. "Doch wenn schon, denn schon", sagte ich mir. Und wie der Zufall so spielt, fand ich im Zeughaus in Meiringen anlässlich eines weiteren Liquidationsverkaufs einen ganzen Stapel Watkins &Johnson Empfänger WJ8888A zu je 50 Franken. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, wieviel diese professionellen Empfänger aus den USA mal gekostet hatten. Zwei Stück habe ich damals abgeschleppt. Einer lief zur besten Zufriedenheit, den zweiten musste ich reparieren. Er hatte einen Wackelkontakt im Synthesizer: eine nie gelötete "Lötstelle". Na so was!

Hier sehen wir das gute Stück. Diese Ecke meines damaligen Shacks kennt ihr ja schon:

Oben auf dem Regal sieht man eine erste Version eines Langwellensenders mit separatem Netzteil. Auch bei dieser Aufnahme ist es so, dass heute kein einziger dieser Gegenstände in meinem Besitz verblieben ist. Hätte ich immer alles aufbewahrt, hätte ich wohl eine Lagerhalle mieten müssen.

Zwar war ich mit dem WJ8888A zufrieden und er bescherte mir auch manches QSO. Doch der Feind des Guten ist das Bessere. Und so ersetzte ich den Watkins & Johnson mit einem Harris RF590, den ich bei Toronto Surplus in Kanada aufstöberte. Diese Empfänger wurden unter anderem in der Hochseeschifffahrt und beim Militär eingesetzt.

Im nächsten Bild ist er zusammen mit der definitiven Version meines LW-Senders zu sehen:


    Und damit wären wir bei der zweiten Komponente meiner Langwellenstation: dem Sender.

Im Internet kursierten bereits einige Schaltungen von Langwellensendern. Besonders aus England. Dort hatten die Amateurfunker dank ihres 73 kHz Bandes schon einen Erfahrungsvorsprung. Damit 1 Watt ERP erreicht werden konnte, musste wesentlich mehr Sendeleistung zur Verfügung stehen. Mein Sender - man sieht es schon am Transformator an - sollte mindestens ein Kilowatt liefern. 

Da nur CW-Betrieb geplant war, konnte eine geschaltete Endstufe verwendet werden. Das erzeugte Recktecksignal von 137 kHz war natürlich voller unerwünschter Oberwellen. Doch nach dem Tiefpassfilter lag dann nur noch ein sauberes Sinussignal an der Antennenbuchse. Der Vorteil dieser Art Endstufe lag in einem sehr hohen Wirkungsgrad von über 90%. Das Konzept stammt von G3YXM und ich habe es etwas modifiziert. Hier die Schaltpläne dazu:


Der VFO lief auf einer 50 mal höheren Frequenz. Daher konnte auch mit einem freilaufenden VFO eine ausgezeichnete Stabilität des Langwellensignals erzielt werden.


Die Treiberstufe beinhaltet die Division durch 50 und die Treiber für die Endstufentransistoren, die in Push-Pull betrieben werden.


Die Endstufe mit dem Ausgangstrafo (mit dem auch die Ausgangsleistung eingestellt wird), dem Tiefpassfilter und der SWR-Messbrücke.


 Und hier schliesslich noch das Netzteil, für 50 Volt und 30 Ampère ausgelegt.

Der letzte und wichtigste Teil einer Sendeanlage ist natürlich die Antenne. Und im Vergleich mit den 2200m Wellenlänge ist die auf einem Grundstück eines Funkamateurs in der Regel winzig klein. Ein Dipol müsste nicht nur eine halbe Welle lang (1100m) und 50m über Ground sein, um überhaupt wirksam zu sein (1 Ohm Strahlungswiderstand). Darum verwendet man Vertikalantennen mit einem Radialnetz. Zwar liegt bei geringen Höhen im 136 kHz Band der Strahlungswiderstand auch sehr niedrig, doch kann er mit einer Dachkapazität noch erhöht werden (z.B. Inverted L-Antenne). Meine Antenne mit einem 18m Mast und einem Draht als Dachlast hatte etwa einen Wirkungsgrad von -30 bis -40dB, je nachdem mit welchen Annahmen man rechnete. Messen war mit meinen Mitteln unmöglich. Meine abgestrahlte Leitung lag also im Bereich von einigen 100mW. Hier auf dieser Seite findet nan vieles, was man über Langwellenantennen wissen muss.

Natürlich musste eine solche Antenne noch abgestimmt werden, ist sie doch hochgradig kapazitiv. Im Klartext: es fehlt ihr Induktivität in Form einer Verlängerungsspule. Dazu eignet sich am besten ein Variometer. In der Funktechnik ist das ist eine Spule, die in einer anderen dreht. Damit kann man die Induktivität der beiden Spulen, die in Serie geschaltet sind, verändern. In den nächsten beiden Bildern sehen wir zwei solche Variometer, die ich gebaut habe:



 Das obere war für das Mittelwellenband 630m und das untere für die Anpassung des Sendemastes in Sottens für das 137 kHz Band. Zuhause hatte ich aber keinen 125m Mast wie in Sottens zur Verfügung. Da sah das Variometer, mit zusätzlicher Verlängerungsspule so aus, wie im Titelbild zuoberst. Später habe ich das ganz nochmals neu gebaut und dann zum Schutz in ein blaues Fass eingebaut:


  So, das ist genug für heute. Nächstes Mal geht es um den Funkbetrieb auf dem Langwellenband.

 




   




Sonntag, 22. Februar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 14 - das 6m Band

 

Wenn dieser Blogeintrag erscheint, wird unser Weihnachtsdorf wieder im Keller auf seinen nächsten Auftritt warten. Eine Technik, die man heute leider nicht mehr findet: Ein Bündel Glasfasern, von einer zentralen Lampe gespeist, verteilt das Licht im ganzen Dorf (japanische Handarbeit). Keine LED!

In Europa wurde im vergangenen Jahrhundert der Bereich 47 bis 68 MHz für das analoge Fernsehen genutzt. So schaltete z.B. der Sender Bantiger bei Bern erst am 26. November 2007 den Kanal 2 mit dem ersten Programm des Schweizer Fernsehens in deutscher Sprache definitiv ab (48 -55 MHz). Auch die anderen TV-Aussendungen im Band 1 (Kanäle 2-4) wurden an diesem Datum abgeschaltet. Dass Schweizer Funkamateure bereits vorher unter bestimmten Bedingungen das 6m Band für Versuche nutzen durften, war ein Entgegenkommen der Fernmeldeverwaltung. Diese provisorische Erlaubnis wurde uns bereits am 1. Mai 1991 erteilt. Erlaubt war z.B. nur vertikale Polarisation. In anderen Ländern Europas wurde das 6m Band für die Funkamateure nur zögerlich und wesentlich später geöffnet.

Was nur wenige Eingeweihte wissen: Mein Schicksal ist auf sinistre Weise mit dem Sendeturm Bantiger verknüpft. Es ist eines der dunkelsten Kapitel meiner funktechnischen Aktivitäten. Erzählt habe ich diese Geschichte bisher niemandem. Doch sie gehört eben auch zu meinen Erinnerungen und soll deshalb hier berichtet werden. 

So genau weiss ich es nicht mehr, aber es war vor etwa 50 Jahren. Der CB-Funk eroberte die Schweiz. Die CBler waren enthusiastisch und die behördlichen Bedingungen restriktiv. Unerlaubte Kanäle und Leistungen waren en vogue, und die Messwagen der Funkpolizei waren im Dauereinsatz. Ich half meinen CB-Freunden ihre Geräte zu modifizieren und baute Peilantennen für 27 MHz. Dabei kam ich auf die "glorreiche" Idee, zu Übungszwecken einen Peilsender zu bauen und zu verstecken. 

Nun, ihr habt sicher schon erraten, wo ich den Sender versteckte: auf dem Bantiger Sendeturm. Darauf wurde in der CB Community fleissig gerätselt und gepeilt. Zwei Tage dauerte der Spass, dann war der Sender stumm. "Ist die Batterie schon leer?", fragte ich mich und begab mich zum Ort des Geschehens. Einen Tag später kam die Funkpolizei in schwarzen Ledermänteln zur Hausdurchsuchung, als ich gerade dabei war, ein illegales CB-Gerät von 40 auf 80 Kanäle zu modifizieren. 

Bei der anschliessenden Vorladung in der PTT-Verwaltung in Bern war dann auch der Geheimdienst mit zwei Beamten anwesend. Denn in Deutschland trieb gerade die RAF (Rote Armee Fraktion) ihr Unwesen und man war deswegen in der Schweiz nervös. "Ob ich etwa versucht hätte, mit meinem Sender den gesamten Funkverkehr in der Stadt Bern lahmzulegen, fragten mich die Herren. Der Verdacht auf die Vorbereitung einer terroristischen Handlung zerstreute sich zwar, aber es wurde trotzdem sehr teuer. 

Doch zurück zum 6m Band:

Im Gegensatz zu Europa wurde das 6m Band in anderen Erdteilen seit Beginn des Amateurfunks fleissig benutzt. In den USA als Band für die lokale Kommunikation. War doch die Technik weniger anspruchsvoll als beim 2m Band. Aber auch in Asien. Dort in den Subtropen profitiert man übrigens öfter von sporadischen Es Öffnungen als hier in Zentraleuropa. Das machte das Band zusätzlich attraktiv. Die japanischen Amateurfunk Hersteller bauten deshalb schon früh Transceiver speziell für das 6m Band. Wie zum Beispiel dieses Gerät von ICOM. Geräte, die hierzulande nicht bekannt waren. Wer weiss schon, dass der 2m Transceiver IC-260 ein Gegenstück für das 6m Band hatte: den IC-560? Genauso gab es auch von Yaesu eine 6m-Version zum 2m Transceiver FT-480 und zum 70cm Gerät FT-780: den FT-680.

In den zwei letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts war ich geschäftlich oft in den USA. Und da damals dort drüben die Amateurfunkgeräte günstiger waren als hierzulande, war ich oft Kunde in einem Ham Shop in Chicago, Minneapolis oder New York. So befand sich denn auch mal ein IC-726 in meinem Handgepäck, als wir in der Schweiz das 6m Band erforschen durften.

So war ich denn von Anfang an dabei, als in Europa das 6m Band "aufging", machte SSB und CW Verbindungen und versuchte, möglichst keine Es Öffnung zu verpassen. In den ersten Jahren waren die Störungen gross, die durch ausländische TV- und Rundfunksender via Es reinkamen. Trotzdem waren sogar einige DX-Verbindungen möglich. 

Eine Betriebsart, die mich auf dem 6m Band besonders faszinierte, war Meteor Scatter: Verbindungen über Reflexionen an den Spuren von Meteoriden, die in der Atmosphäre verglühen (Sternschnuppen). Die Reflexionen sind besonders stark und häufig, wenn ein Meteorstrom wie die Perseiden die Erde trifft. Auf 6m sind sie stärker und länger als im 2m Band und man kann dann sogar SSB-Betrieb machen. Man braucht dazu eine spezielle Betriebstechnik mit einem eignen Rapport-System, wie es hier von DF5HC beschrieben wird. Im 6m Band dauern die "Bursts" von wenigen Sekunden bis zu über einer Minute. Mit einem 3 oder 4 Element Beam oder einer HB9CV und 100 Watt hat man gute Chancen, wie die beiden QSL-Karten zeigen:



Damals gab es natürlich noch kein FT-8. Aber ich denke, dass heutzutage etliche FT-8 Verbindungen im 6m Band über Meteor Scatter zustande kommen. Leider merkt das der Operateur nicht. Eine andere Betriebsart im 6m Band, die sicher auch für einige Verbindungen in FT-8 verantwortlich ist, sind Reflexion an Nordlichtern (Aurora). Mein Rat an die FT8 Operateure im 6m Band: zählt nicht nur auf die Es Öffnungen im Frühsommer: FT-8 Verbindungen können das ganze Jahr durch im 6m Band zustande kommen.  

Zum Schluss noch einen sehr guten Artikel von DL5MAE und DJ5RE über Meteor Scatter mit einigen humorvollen Passagen.


Sonntag, 15. Februar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 13 - Collins

 


Detailaufnahme aus meinem Shack: rechts ein so genannter Nato-Würfel. Ein Empfänger Collins R-392

Funkamateure sind nicht nur Konstrukteure und Jäger, sondern auch Sammler. Ich kenne kaum einen Funkamateur, der nicht ,zumindest zeitweise, alte Geräte sammelt. Mir hatten es unter anderem die Funkgeräte der Firma Collins angetan.

Die Firma Collins Radio Company wurde 1933 von Arthur A. Collins in Cedar Rapids, Iowa, gegründet. Sie stellte Funkgeräte für den Amateurfunk, das Militär und andere professionelle Anwender her. Die Geräte zeichneten sich durch einen VFO aus, der nicht über einen Drehkondensator, sondern über eine abstimmbare Spule verfügte (PTO, Permeability Tuned Oscillator). Auch die meisten anderen Abstimmelemente in den Sendern und Empfängern wurden mit Induktivitäten abgestimmt (mit Tauchkernen in den Filterspulen). Collins war auch der Erfinder des Mechanischen Filters. Diese Filter wurden auch in diversen Funkgeräten anderer Hersteller eingesetzt. Zum Beispiel im FT817 und FT857 von Yaesu. Die Produktion dieser Filter wurde 2015 eingestellt. Das war denn auch der finale Nagel im Sarg der Yaesu-Geräte. Auch dem rasch nachgeschobene FT-818 mangelte es an mechanischen Filtern. Die Lager waren rasch leer und heute zahlt man für die zusätzlichen Filter auf dem Gebrauchtmarkt ein Vermögen, sofern man überhaupt noch welche findet. Vielleicht mag das manch einem OM nicht bewusst sein, der sein Yaesu nur für FM und SSB benutzt. Doch ohne zusätzliche CW-Filter sind diese Geräte für den Telegrafisten praktisch wertlos. 

Die Firma wurde später Teil von Rockwell Collins und ist heute als Collins Aerospace eine Einheit von RTX (Raytheon Technologies) und ein führender Zulieferer für die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie.

Der R-392 oben im Bild ist ein "kompakter" Empfänger, aber mit 24 Kilo kein Leichtgewicht. Er ist der kleinere Bruder des R-390. Beide wurden für das Militär gebaut, landeten aber nach ihrer Ausmusterung oft bei Funkamateuren. Beide waren vollständig mit Röhren bestückt. Der R-392 wurde mit 28 Volt Gleichspannung betrieben. Bei Betrieb mit 24V (zwei 12V Akkus in Serie) verringerte sich die Empfindlichkeit aber etwas. Der R-390 war nicht nur wesentlich grösser, als sein kleiner Bruder, sondern auch viel schwerer (39 Kilo). Ich habe mit einigen Stationen Kontakt gehabt, die einen R-390 als Empfänger benutzten und konnte bei einem Funkkollegen selbst diesen wunderbaren Empfänger testen. Im Gegensatz zum kleinen R-392 wurde der grosse Empfänger mit 110/220 VAC betrieben. Hier geht es zum Handbuch des R-392

Doch einen R-390 besass ich leider nie, jedoch seine Vorgänger einen 51J-4 (Militärvariante R-388) und seinen Nachfolger, den 51S-1
Soweit zu den Empfängern von Collins, an denen ich auch heute sicher noch Spass hätte. Leider fehlt mir der Platz dazu. Zudem wäre es schade, sie nur anzuschauen und nicht wirklich im Funkverkehr zu betreiben. 


Detailaufnahme aus meinem Shack: Rechts ein Collins Transceiver KWM-2A

In diesem zweiten Foto sehen wir einen anderen Ausschnitt meines Shacks vor etwa 30 Jahren. Und da ist ein anderer Collins zu entdecken. Einen Transceiver KWM-2A. Mit ihm war ich damals vor allem auf dem 80 und 40m Band in SSB unterwegs. Interessant ist, dass alle Geräte, Bücher und Gegenstände, die auf diesem Foto zu sehen sind, nicht mehr in meinem Besitz sind. Sie haben die folgenden QTH Wechsel nicht überstanden. Entweder haben sie an einem Flohmarkt den Besitzer gewechselt oder sind freiwillig gestorben. 


Ein weiteres interessantes Detail aus dieser Zeit ist die Antenne, die ich damals für die Kurzwelle benutzt habe. Da das Dach vollständig mit VHF/UHF und Mikrowellen Antennen besetzt war, experimentierte ich mit verschiedenen Drahtantenne: Dipolen und Inverted L vor allem. Doch am Collins KWM-2A hing eine besondere Antenne, an die ich mich heute noch gerne erinnere. Eine so genannte T2FD Antenne. Es ist eine Breitbandantenne, die dank eines Abschlusswiderstandes einen sehr grossen Bereich abdeckt. Meine hatte eine Gesamtlänge von ca. 30m und arbeitete auch auf dem 80m Band noch gut. Besonders glänzte sie im 40m Band, wo ich mit ihr viele SSB QSO's in die USA machen konnte. Trotz 100W Sendeleitung und der angeblichen Verluste von 30% im Abschlusswiderstand. Doch was sind schon -1.5dB im praktischen Funkbetrieb auf KW? Den Widerstand habe ich, genauso wie den Balun selbst gebaut. Er wurde aus induktionsarmen Kohleschicht Widerständen aus der Bastelkiste zusammengesetzt (Wichtig: Keine Drahtwiderstände verwenden).
Natürlich gibt es die T2FD heutzutage auch zu kaufen
Heutzutage bauen leider nicht mehr viele OM ihre Antennen selbst. Schade. Nicht um das Geld, sondern um die verpasste Erfahrung. 


Von oben nach unten: Collins 51J-4, 51S-1, KWM-2A

  


  


 

Sonntag, 8. Februar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 12 - Der Sturm auf das Zeughaus


Meine Station um 1999: von links Harris RF-590, Icom IC-765, SE-222, Drake 4B Line. Hinter dem Icom ist das Netzteil des SE-222 zu sehen.
 
Neue Geräte, neue Betriebsarten und neue Bänder sind für den Funkamateur das Gewürz im Gericht des Äthers. Oft hängen alle drei Themen zusammen. Das war auch bei mir der Fall. Neue Bänder, die ich noch nie erforscht hatte, zogen mich magnetisch an. Na ja, eher elektromagnetisch an. In den Jahrzehnten meines Amateurfunklebens sind eine ganze Reihe neuer Frequenzen hinzugekommen. Zuerst mal die so genannten WARC-Bänder, die uns 1979 anlässlich einer Wellenkonferenz zugesprochen wurden: 30m, 17m und das 12m Band. Dann die Erweiterung des 40m Bandes von 7100 auf 7200 kHz, die an der Wellenkonferenz 2003 beschlossen wurde.  Viele Funkamateure stürzten sich auf die neuen Bänder, einige hingegen nahmen sie mit einem Achselzucken zur Kenntnis. "Diese neuen Bänder sind mir zu klein", sagte mir mal ein Funker auf dem Band. "Ich brauche die Neuen nicht, nirgends kann ich besser DX machen als auf dem 20m Band", hörte ich von einem anderen. Aber die meisten Transceiver waren nicht für die zusätzlichen Bänder ausgerüstet und nicht jeder konnte sich einen neuen Transceiver leisten. Auch war es so, dass nicht alle Fernmeldeverwaltungen die neuen Bänder sofort freigaben wie bei uns in der Schweiz.
Unser letztes neues Kurzwellenband, das 60m Band, ist das kleinste. Nur 15 kHz breit, zwischen 5351,5 und 5366,5 kHz. Zu den Veränderungen im Kurzwellenbereich gehören auch die verschiedenen Änderungen im 160m Band dazu, die ich bereits erwähnt habe. Heute können wir hierzulande das ganze 160m Band von 1810 bis 2000 kHz mit maximal 1kW Sendeleistung nutzen. Mit Rücksicht auf die wenigen verbleibenden Schiffsfunkdienste in diesem Band, versteht sich.

Über DX auf dem 160m Band habe ich schon geschrieben. Doch 160m war nicht nur eine Herausforderung für Funkamateure für den DX-Betrieb. Das Band hatte auch eine andere, mehr praktische Seite. Besonders in Zeiten tiefer Sonnenaktivität, wenn das 80m Band für den Regionalverkehr über einige 100km ausfiel, war das 160m Band die einige Möglichkeit, auf Kurzwelle seine Freunde in Entfernungen jenseits der Bodenwelle zu erreichen. 
So wurde z.B. hierzulande im Jahre 1991 eine Funkrunde gegründet, die sich regelmässig auf dem 160m traf. Abends nach Sonnenuntergang, den tagsüber ist die Dämpfung der D-Schicht zu gross für eine Verbindung über die Ionosphäre. Als Treffpunkt für diese 1991er Runde wurde der Einfachheit halber die Frequenz 1991 kHz gewählt.
Auch in anderen Ländern wurde das 160m Band für Regionalrunden benutzt um dem Gedränge auf dem 80m Band zu entkommen. In Holland oder England um nur zwei Beispiel zu nennen.

1995 traf dann ein Ereignis ein, das für viele 160m Enthusiasten in der Schweiz unvergesslich bleiben wird. Tief in den Alpen, im Dorf Meiringen fand ein Liquidationsverkauf von altem Militärmaterial statt. Das Ereignis war bei den Funkamateuren angekündigt worden und so fand sich eine grosse Menschenmenge vor dem Tor des Militärareals in Meiringen ein, lange vor der Öffnungszeit. Ich weiss nicht, ob damals einige dort übernachtet haben, wie das zum Beispiel bei den Fans von neuen Smartphones bei der Einführung eines neuen Models der Fall ist. Doch als ich eine halbe Stunde vor der Öffnungszeit eintraf, drückten bereits unzählige Menschen ihre Nasen gegen den Metallgitterzaun. Nicht nur Männer, ganze Familien waren hier. Dass Funkamateure Frau und Kinder zu der Veranstaltung mitgenommen hatten, hatte seinen strategischen Grund, wie wir sehen werden.

Da nicht nur bei den Schweizer Bahnen auf Pünktlichkeit Wert gelegt wird, sondern auch beim Militär, kamen zwei Männer des Zeughauses exakt zur angekündigten Zeit, um das breite, zweiflügelige Tor aufzuschliessen. Sie hatten ihre liebe Schwierigkeit, denn die Menge war gespannt wie eine Feder und drückte gegen den Einlass. Ich sehe noch heute in meinen Gedanken, wie einer der Zeughäusler (nicht zu verwechseln mit Zuchthäusler) mit den Armen ruderte, als wolle erfliegen und dann rückwärts in die Blumenrabatten stürzte, als das die Menge das Tor aufstiess. Dann gab es eine oder zwei Sekunden der Besinnung im Publikum. Die Menschen begaben sich raschen aber gemessenen Schrittes auf das grossflächige Areal des Zeughauses in Meiringen. Jemand half dem Mann aus den Rabatten. 
Doch dann begannen die ersten zu rennen, als hätte jemand einen Startschuss abgefeuert. Sekunden später rannte die ganze Meute, gestandene Männer, Familien mit Kind und Kegel über den weitläufigen Platz. Männer riefen Kommandos an die Frauen und Kinder. Und schon bald wurde klar, dass diesen eine besondere Aufgabe zukam. Die Familienmitglieder sollten die Beute sichern, welche der Mann jagte. 
Das war auch bittere Notwendigkeit, denn die Beute verteilte sich auf das ganze Areal und versteckte sich zum Teil in den angrenzenden Gebäuden. Funkmaterial militärisch arrangiert in thematischen Haufen, zum Teil auf Paletten oder in grossen Kisten waren zu erspähen. Man wusste nicht, wohin man das Auge richten sollte. Die Menschen rannten kreuz und quer. Es war wie am Black Friday, obwohl man dazumal diesen amerikanischen Brauch in der Schweiz noch nicht kannte. 
Auch für mich war es sehr verwirrend und ich wusste nicht, wohin ich zuerst rennen sollte. So viel wunderbares Funkmaterial, das war wie Weihnachten und Ostern zur gleichen Zeit. Ein Flohmarkt der Extraklasse. Im Gegensatz zu den Amateurfunkflohmärkten, wo zum Teil ungereinigtes, versifftes und nikotingelbes Material zweifelhaften Zustandes überteuert angeboten wird, war alles sauber geputzt und bestens unterhalten. Die Geräte waren einsatzbereit. 
   
Frauen und Kinder hatten bereits erste Lagerstätten eingerichtet und sassen auf Kisten und Paletten. Man hörte erste Diskussionen über die Besitzverhältnisse der Beute. So wie bei Jägern, die darüber diskutieren, wer den Bock geschossen hatte.
In diesem Augenblick erinnerte ich mich wieder an den Grund meines Hierseins und mein Verstand verdrängte das Staunen über die ungewohnte Szene. Ich war hierhergekommen um mir eine der legendären Funkstationen mit der Bezeichnung SE-222 unter den Nagel zu reissen.

Daher unterbreche ich kurz die Berichterstattung über dieses Tohuwabohu und wird fragen uns:

Der Sende-Empfänger (Transceiver) SE222 wurde in den 50er Jahren von der Schweizer Firma Zellweger in Uster in eigener Regie entwickelt. Die Station ermöglichte Funkverbindungen im Band 1,7 bis 3 MHz in CW, SSB (LSB) und Fernschreiben (F1B). Sie war mit einem VFO kontinuierlich abstimmbar und ihre mechanische Anzeige erlaubte eine Ablesegenauigkeit von 500Hz. Der Sender hatte eine Leistung von 200 Watt PEP  und war bis auf einige Halbleiterdioden mit Röhren aufgebaut. Interessanterweise fanden nur drei Typen Elektronenröhren Verwendung: Eine Doppeltriode (12AU7), eine Pentode (5654) und eine Endpentode vom Typ 6146. In der Endstufe wurden dabei paarweise 4 Stück dieser 6146 in Pushpull geschaltet. Die Antennenabstimmung, in Form eines eingebauten manuellen Tuners, ermöglichte einen breiten Anpassungsbereich. Der Empfänger arbeitete mit einem mechanischen Collinsfilter von 250kHz und war ein Einfachsuper.

So, und jetzt stürzen wir und wieder in die Schlacht:
Nicht jeder Besucher dieses Liquidationsverkaufs hatte es auf eine SE222 abgesehen. Es gab auch Unmengen von anderem elektrischen Material, und nicht jeder, der Jäger war auch Funkamateur. So gab es genügend SE-222 Stationen und ich konnte mir zwei Stück sichern. Insgesamt wurden von diesem Gerät, das nun vier Jahrzehnte lang seinen Dienst getan hatte, insgesamt 526 Stück gefertigt.
 
Das Problem, mit dem ich nun Bekanntschaft schloss, war das Gewicht und die Masse dieses militärischen Transceivers. Vier Kisten mit je 26 Kilo Gewicht mussten abtransportiert werden. Transceiver und Netzteil in separaten Kisten. Glücklicherweise hatte ich meinen Nachbarn, ein Profimilitär, mitgenommen und zur Sicherung der Beute drei Kinder. Alleine wäre ich wohl verloren gewesen. Denn mit den Stationen war es nicht gemacht. Zu den Stationen gab es natürlich jede Menge Zubehör. Doch was mir ebenso wichtig erschien: Ersatzröhren, Ersatzkomponenten und vor allem Hand- und Servicebücher mit Schemata. So füllte ich denn meinen Kombi mit den zwei Stationen und einigem Zubehör, packte noch zwei Empfänger und ein paar Feldtelefone für die Kinder obendrauf und bereute, keinen Lieferwagen gemietet zu haben. Dann machten wir uns mit dem Kombi, der tief in den Federn hockte, auf den Rückweg.  

Lange Jahre habe ich mit einer SE-222 gefunkt und an der 1991er Runde teilgenommen. Die Station hat sich bestens bewährt und die Ersatzteile wurden nie benötigt. Doch schienen mir einige Modifikationen für einen angenehmen Amateurfunkbetrieb notwendig. Viele OM, die diese Station damals oder später erworben hatten, haben ihr SE-222 ebenfalls modifiziert. Einige wurden nicht nur für das 160m Band benutzt, sondern auch ins 80m Band erweitert. 
Am dringendsten erschien mir der Ersatz des lärmigen Lüfters durch einen leise laufenden Papst-Ventilator, sowie die Montage einer So-239 als Antennenbuchse. Dann kam ein RIT-Regler dazu und ein Schalter um von LSB auf USB umzuschalten um den Schiffsfunkstationen zuzuhören.

Als Antenne habe ich damit immer eine Inverted L benutzt. Beim Militär gab es für die Se-222 ein ganzes Sortiment unterschiedlicher Antennen. Doch dafür hätte ich eben einen Lieferwagen benötigt. Für Bodenwellenbetrieb wurden meist kurze Vertikalantennen eingesetzt, für NVIS Dipolantennen. 
Als Mikrofon benutze ich, wie andere Funkkollegen auch, eine Mikrofonkapsel aus einem alten Telefonhörer. Bei Bedarf konnte ich den Empfänger nicht nur über den eingebauten Lautsprecher im Netzteil, sondern auch über die Hörmuschel des Telefonhörers hören.

Ein interessantes Element des Transceivers war die analoge Uhr auf der Frontplatte, die selbstverständlich regelmässig aufgezogen werden musste. Bei vielen SE-222 auf dem heutigen Occasionsmarkt fehlt diese. Entweder ist die schöne Schweizeruhr in die Sammlung eines Uhrensammlers gewandert oder aus gesundheitlichen Bedenken abmontiert worden. Ihre Leuchtzeiger waren nämlich radioaktiv und mein Geigerzähler knatterte wie verrückt, wenn ich mit ihm in die Nähe kam. Doch da ich in meinem Leben schon einige Strahlung abbekommen hatte, wie die meisten meines Jahrganges (Atomversuche usw.) stufte ich das Risiko als vernachlässigbar ein und erfreute mich an der tollen Stationsuhr.