Wenn dieser Blogeintrag erscheint, wird unser Weihnachtsdorf wieder im Keller auf seinen nächsten Auftritt warten. Eine Technik, die man heute leider nicht mehr findet: Ein Bündel Glasfasern, von einer zentralen Lampe gespeist, verteilt das Licht im ganzen Dorf (japanische Handarbeit). Keine LED!
In Europa wurde im vergangenen Jahrhundert der Bereich 47 bis 68 MHz für das analoge Fernsehen genutzt. So schaltete z.B. der Sender Bantiger bei Bern erst am 26. November 2007 den Kanal 2 mit dem ersten Programm des Schweizer Fernsehens in deutscher Sprache definitiv ab (48 -55 MHz). Auch die anderen TV-Aussendungen im Band 1 (Kanäle 2-4) wurden an diesem Datum abgeschaltet. Dass Schweizer Funkamateure bereits vorher unter bestimmten Bedingungen das 6m Band für Versuche nutzen durften, war ein Entgegenkommen der Fernmeldeverwaltung. Diese provisorische Erlaubnis wurde uns bereits am 1. Mai 1991 erteilt. Erlaubt war z.B. nur vertikale Polarisation. In anderen Ländern Europas wurde das 6m Band für die Funkamateure nur zögerlich und wesentlich später geöffnet.
Was nur wenige Eingeweihte wissen: Mein Schicksal ist auf sinistre Weise mit dem Sendeturm Bantiger verknüpft. Es ist eines der dunkelsten Kapitel meiner funktechnischen Aktivitäten. Erzählt habe ich diese Geschichte bisher niemandem. Doch sie gehört eben auch zu meinen Erinnerungen und soll deshalb hier berichtet werden.
So genau weiss ich es nicht mehr, aber es war vor etwa 50 Jahren. Der CB-Funk eroberte die Schweiz. Die CBler waren enthusiastisch und die behördlichen Bedingungen restriktiv. Unerlaubte Kanäle und Leistungen waren en vogue, und die Messwagen der Funkpolizei waren im Dauereinsatz. Ich half meinen CB-Freunden ihre Geräte zu modifizieren und baute Peilantennen für 27 MHz. Dabei kam ich auf die "glorreiche" Idee, zu Übungszwecken einen Peilsender zu bauen und zu verstecken.
Nun, ihr habt sicher schon erraten, wo ich den Sender versteckte: auf dem Bantiger Sendeturm. Darauf wurde in der CB Community fleissig gerätselt und gepeilt. Zwei Tage dauerte der Spass, dann war der Sender stumm. "Ist die Batterie schon leer?", fragte ich mich und begab mich zum Ort des Geschehens. Einen Tag später kam die Funkpolizei in schwarzen Ledermänteln zur Hausdurchsuchung, als ich gerade dabei war, ein illegales CB-Gerät von 40 auf 80 Kanäle zu modifizieren.
Bei der anschliessenden Vorladung in der PTT-Verwaltung in Bern war dann auch der Geheimdienst mit zwei Beamten anwesend. Denn in Deutschland trieb gerade die RAF (Rote Armee Fraktion) ihr Unwesen und man war deswegen in der Schweiz nervös. "Ob ich etwa versucht hätte, mit meinem Sender den gesamten Funkverkehr in der Stadt Bern lahmzulegen, fragten mich die Herren. Der Verdacht auf die Vorbereitung einer terroristischen Handlung zerstreute sich zwar, aber es wurde trotzdem sehr teuer.
Doch zurück zum 6m Band:
Im Gegensatz zu Europa wurde das 6m Band in anderen Erdteilen seit Beginn des Amateurfunks fleissig benutzt. In den USA als Band für die lokale Kommunikation. War doch die Technik weniger anspruchsvoll als beim 2m Band. Aber auch in Asien. Dort in den Subtropen profitiert man übrigens öfter von sporadischen Es Öffnungen als hier in Zentraleuropa. Das machte das Band zusätzlich attraktiv. Die japanischen Amateurfunk Hersteller bauten deshalb schon früh Transceiver speziell für das 6m Band. Wie zum Beispiel dieses Gerät von ICOM. Geräte, die hierzulande nicht bekannt waren. Wer weiss schon, dass der 2m Transceiver IC-260 ein Gegenstück für das 6m Band hatte: den IC-560? Genauso gab es auch von Yaesu eine 6m-Version zum 2m Transceiver FT-480 und zum 70cm Gerät FT-780: den FT-680.
In den zwei letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts war ich geschäftlich oft in den USA. Und da damals dort drüben die Amateurfunkgeräte günstiger waren als hierzulande, war ich oft Kunde in einem Ham Shop in Chicago, Minneapolis oder New York. So befand sich denn auch mal ein IC-726 in meinem Handgepäck, als wir in der Schweiz das 6m Band erforschen durften.
So war ich denn von Anfang an dabei, als in Europa das 6m Band "aufging", machte SSB und CW Verbindungen und versuchte, möglichst keine Es Öffnung zu verpassen. In den ersten Jahren waren die Störungen gross, die durch ausländische TV- und Rundfunksender via Es reinkamen. Trotzdem waren sogar einige DX-Verbindungen möglich.
Eine Betriebsart, die mich auf dem 6m Band besonders faszinierte, war Meteor Scatter: Verbindungen über Reflexionen an den Spuren von Meteoriden, die in der Atmosphäre verglühen (Sternschnuppen). Die Reflexionen sind besonders stark und häufig, wenn ein Meteorstrom wie die Perseiden die Erde trifft. Auf 6m sind sie stärker und länger als im 2m Band und man kann dann sogar SSB-Betrieb machen. Man braucht dazu eine spezielle Betriebstechnik mit einem eignen Rapport-System, wie es hier von DF5HC beschrieben wird. Im 6m Band dauern die "Bursts" von wenigen Sekunden bis zu über einer Minute. Mit einem 3 oder 4 Element Beam oder einer HB9CV und 100 Watt hat man gute Chancen, wie die beiden QSL-Karten zeigen:
Damals gab es natürlich noch kein FT-8. Aber ich denke, dass heutzutage etliche FT-8 Verbindungen im 6m Band über Meteor Scatter zustande kommen. Leider merkt das der Operateur nicht. Eine andere Betriebsart im 6m Band, die sicher auch für einige Verbindungen in FT-8 verantwortlich ist, sind Reflexion an Nordlichtern (Aurora). Mein Rat an die FT8 Operateure im 6m Band: zählt nicht nur auf die Es Öffnungen im Frühsommer: FT-8 Verbindungen können das ganze Jahr durch im 6m Band zustande kommen.



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