Viele Funkamateure funken schon seit langer Zeit im Mittelwellenbereich, denn das 160m Band gehört per Definition zur Mittelwelle (300 kHz - 3000 kHz). Es befindet sich ja nicht weit weg vom Mittelwellenrundfunkband. Für den Funkamateur gibt es aber noch eine andere Möglichkeit, die sich unterhalb des Rundfunkbandes befindet. Dort wo früher der Hauptverkehr des Schiffsfunks in Telegrafie stattfand. Es hat für einige Funkamateure eine besondere Faszination, dort zu telegrafieren, wo die früher die Schiffe sich bei den Küstenstationen gemeldet haben. Wer bisher meine Erinnerungen gelesen hat, der begreift, wieso ich mich dieser Faszination nicht entziehen konnte. War ich doch drauf und dran, in meiner Jugend selbst Schiffsfunker zu werden.
Das 630m Band von 472 kHz - 479 kHz wurde in der Schweiz am 1. Januar 2013 freigegeben. Die erlaubte Sendeleistung beträgt hierzulande 5 Watt EIRP. Um diese Abstrahlleistung mit einer Amateur-Drahtantenne zu erreichen, muss der Sender ein mehrfaches an Sendeleistung aufwenden.
Im Gegensatz zur Langwelle ist es viel einfacher im 630m Band zu funken. Wer auf Langwelle QRV war, kann auch auf Mittelwelle funken. Er besitzt bereits das nötige Know How. Aber die Mittelwelle ist für den Funkamateur viel einfacher zu erschliessen als die Langwelle.
Als ich wusste, dass die Freigabe kommen würde und welchen Frequenzbereich wir erhalten würden, baute ich meinen ersten Mittelwellensender. Genau nach dem gleichen Prinzip wie der Langwellensender, den ich in Sottens eingesetzt hatte. Als VFO benutzte ich eine Platine mit einem fertig aufgebauten digitalen Oszillator und das Gehäuse wurde aus Sperrholz gebaut:
Es war ein reiner CW-Sender mit einer geschalteten Endstufe (Klasse D) mit einer Leistung von maximal 250 Watt. Damit, so rechnete ich mir aus, würde ich mit einer kleinen Drahtantenne unterhalb der erlaubten 5 W EIRP bleiben. Die Antenne war eine Inverted L und das Gegengewicht bestand aus dem Maschendrahtzaun des Gartens. Es war die gleiche Antenne, die ich schon für das Langwellenband verwendet hatte. Nur mit einem anderen Variometer für die Anpassung.
Damit war ich vom ersten Moment an QRV und konnte in CW eine ganze Reihe Erstverbindungen tätigen. QRSS war nicht notwendig und kam nicht zum Einsatz.
Später baute ich noch einen zweiten CW-Sender. Nicht weil das eine Notwendigkeit war, sondern aus Spass am Basteln:
Hier noch seine Rück- und die Unterseite:Doch bald einmal verdrängten die digitalen Betriebsarten von Joe Taylor die klassische Telegrafie auf dem 630m Band. Meine CW-Sender wurden obsolet.
Aber auch dafür gab und gibt es eine Lösung: Man kann heutzutage auf 630m senden, ohne selber einen Sender bauen zu müssen. Gewisse Amateurfunktransceiver lassen sich so modifizieren, dass sie auch im 630m Band nicht nur empfangen, sondern auch senden können.
Der IC-7300 zum Beispiel bringt dort bis zu 20W und man braucht dabei keine Angst um die "Gesundheit" seines Transceivers zu haben, wie die Erfahrungen zeigen. Allerdings ist sein Signal im 630m nicht sauber, da er für dieses Band über kein Tiefpassfilter verfügt. Aber ein solches lässt sich leicht selber bauen. Hierzu auch ein Beitrag aus meinem Blog.
Als Antenne reicht eine einfache Inverted L. Je höher und je länger, desto besser. Abgestimmt mit einem Variometer oder einem passenden LC Netzwerk.
Bild: Variometer für das 630m Band
Damit lassen sich bereits ganz interessante Versuche machen - zum Beispiel in der Betriebsart WSPR. Dass das sogar mit einer modifizierten Magnetloop-Antenne von knapp 2m Durchmesser aus dem Shack heraus möglich ist, haben meine Versuche gezeigt.
Und damit sind wir bei der Ausbreitung der 630m Wellen:
Generell lässt sich sagen, dass die Ausbreitung der 630m Welle der 160m Welle gleicht. Die Reichweite der Bodenwelle ist jedoch ungefähr viermal grösser. Reicht die Bodenwelle im 160m Band 50km weit, kommt man mit ihr im 630m Band 200km weit. Das hängt aber sehr stark vom Terrain ab. Über Meerwasser kann man ohne weiteres 500km und mehr erreichen und im flachen Land bei guter Bodenleitfähigkeit einige 100km. Im Hügelland der Voralpen kann die Bodenwelle auf 50km zusammenschrumpfen. Die Berge der Alpen stellen ein unüberwindbares Hindernis dar. Bodenleitfähigkeit und Störpegel sind die hauptsächlich die bestimmenden Faktoren.
Eine Ausbreitung über die Ionosphäre findet tagsüber in der Regel nicht statt, da die Dämpfung der D-Schicht zu hoch ist.
Das ändert sich aber in der Nacht und dann kommen Distanzen von 1000km und mehr zustande. Europaverkehr ist im 630m Band nachts die Regel. Im Winter ist die Ausbreitung besser als im Sommer, wie das auch im 160m Band der Fall ist. DX, also z.B. transatlantische Verbindungen sind nur mit sehr gut ausgerüsteten Stationen möglich.
Hier findet man mehr Informationen über die Ausbreitung der Mittelwellen im Rundfunkbereich. Daraus lassen sich gut die Möglichkeiten für den Amateurfunk ableiten, unter Betracht der geringeren Leistung, der kleineren Antennen einerseits und der schmalbandigeren Betriebsarten wie CW, FT-8, WSPR usw andererseits.





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen