Mittwoch, 14. Januar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 9 - Kurzwelle II


 Bild: Zwei 3 Element Beam (Trap-Yagi) Antennen. Eine für 10,15 und 20m. Die andere für die WARC-Bänder.

Mit Antennen habe ich immer gerne experimentiert, doch die beiden Beams im Bild habe ich bei Fritzel gekauft. Hier geht es zu der Geschichte von Fritzel DJ2XH und seiner Firma. Fritzel wurde weltweit durch seine FD4 bekannt. Eine Windom Antenne für 80, 40, 20, 17, 12 und 10m, die mit einem 1:6 Balun arbeitete und so die direkte Einspeisung mit 50 Ohm Koaxialkabel ermöglichte. Nach dem Hinschied von Kurt Fritzle im Jahre 1998 wurde die Produktion seiner Antennen von der Firma Hochfrequenztechnik GmbH & Co übernommen. Fritzel Antennen werden heute von vielen namhaften Amateurfunk-Shops verkauft. Wer einen gebrauchten Fritzel Beam kauft, sollte die Traps genau ansehen. Hier mehr dazu von Fris PA0FRI.

Zwar versuchte ich noch die Fritzel Beams mit einer selbst gebauten Spinnen Quad Antenne zu toppen. Doch der Versuch lief schief und die Spinne schaffte es nicht aufs Hausdach. Sie klappte vorher zusammen. So bleiben denn die beiden Fritzel Beams die besten Kurzwellen-Antennen, mit denen ich je gefunkt habe. Zusammen mit der Deltaloop für das 80m Band. Es gibt aber eine Ausnahme. Ich hatte mal leihweise einen Gittermast, mit dem ich funken durfte. Er ist im  folgenden Bild zu sehen. Das kleine Haus unter dem Gittermast war damals mein Shak:


Dieser Gittermast stand isoliert auf seinen vier Beinen. Er trug keinen Beam und keine Drahtantennen - er war die Antenne selbst. Nach dem Betrieb musste er mit den Messerschaltern an allen vier Beinen geerdet werden. Doch dazu mehr in einem späteren Erinnerungs-Blog.

Dass ein Mast selbst als Antenne wirken kann, ist eine praktische Sache. Ich habe es immer als Verschwendung betrachtet, einen Mast nur als Antennenträger zu benutzen und habe meine Masten auf die eine oder andere Weise zusätzlich als selbstständige Strahler benutzt. Auch wenn der Mastfuss geerdet war. Besonders gut klappt das mit einem Gamma-Match, wie er auch beim Dipol in Yagi Antennen oft eingesetzt wird. Der Gamma-Arm wird parallel zum Mast geführt, der in einer bestimmten Höhe mit dem Mast verbunden wird. Dabei wird die Seele des Koaxialkabels über einen Drehkondensator mit dem Gamma Match verbunden, die Abschirmung mit dem geerdeten Mastfuss. Mit dem Verschieben des Speisepunkts und dem Kondensator wird auf Resonanz und bestes SWR abgestimmt. Dabei muss der Mast nicht unbedingt ein Viertel Wellenlänge lang sein. Auch längere Masten lassen sich abstimmen, wenn der Kondensator genügend gross ist und der Einspeisepunkt am Mast genügend verschoben werden kann. Hier ist das Prinzip zu sehen. Doch zu kurze Masten muss man verlängern, da hilt ein Gammamatch oder sein "Bruder" der Omegamatch nicht allein. Es braucht eine zusätzliche Spule. Hier mehr dazu. Trotzdem bleibt so eine einfache Mastantenne eine Einbandantenne. Möchte man aus seinem Mast - zum Beispiel einem Fahnenmast - eine Mehrbandantenne machen, muss der Mast von der Erde isoliert werden. Wie so etwas gemacht werden kann, zeigt das nächste Bild:

Bild: Selbst gebauter Mastisolator aus Kunststoff

Ist der Mast mal isoliert, stehen alle Möglichkeiten offen. Am besten speist man ihn mit einem automatischen Tuner, der direkt am Mastfuss sitzt. Eine Erdverbindung braucht er natürlich auch. Erdpfähle, Radiale ober- oder unterirdisch, je mehr desto besser. Bei der Mastlänge muss man aber aufpassen. Unter einer Viertelwellenlänge sinkt der Wirkungsgrad und oberhalb 5/8 Wellenlänge fächert seine Strahlung in der Elevation auf und er verliert seine Eigenschaft als Flachstrahler (DX-Antenne) Bei 1/2 Wellenlänge hat der Tuner u.U. ein Problem mit der Anpassung. Zudem ist der Mast als Antenne - wie alle Vertikalantennen- ein schlechter NVIS-Strahler und für den Regionalverkehr ausserhalb der Bodenwelle ungeeignet. 

Inzwischen habe ich die Chronologie der Ereignisse ziemlich durcheinandergebracht und bin weit vorausgeeilt. Denn das Haus mit den Fritzel Beams ist nicht mehr der einsame Bauernhof, und der "Maststiefel" oben im Bild gehört auch schon wieder zu einem neuen QTH - zu meinem letzten vor dem Umzug ins Alpental. Kehren wir also nochmals zurück zu dem Yaesu FT-102, dem 80m Delta-Loop und dem langen Draht für 160m:

Wer auf den langen Amateurfunkbändern nach DX Ausschau hält, stellt schnell mal fest: Auf die Dauer hilft nur Power. So kam es, dass zum zweiten Mal in meinem Funkerleben wieder ein Projekt auf dem Basteltisch landete, das Röhren benötigte. Wo ich die beiden Trioden TB3/750 aufgetrieben habe, weiss ich nicht mehr. Die entsprechenden Röhrensockel musste ich selbst bauen, die gab es nicht dazu. Den Hochspannungstrafo hatte ich vom "halbfertigen Sender ohne SSB", ebenfalls die Drehkondensatoren für das PI-Filter. Beide Trioden wurden parallel betrieben mit 2000V. Der benötigte Heizstrom betrug 14,1 A bei 10 V, wenn man sie in Serie heizte. Also ganze 140 Watt bloss zur Heizung der Röhren! Die Endstufe lieferte ein gutes Kilowatt, ohne sich viel anzustrengen. Eine Röhre allein hätte es auch geschafft. "Aber wieso nur eine nehmen, wenn ich zwei habe", dachte ich wohl damals. Diese Endstufe war wegen der Hochspannung für mich ein Kamikaze-Projekt und ich bin froh, dass ich mich damit nicht umgebracht habe (Hochspannung).

Sie war nicht das letzte Röhrenprojekt. Zwei weitere Endstufen folgten noch, doch für UHF. Darüber später mehr.

Aus dieser Zeit gibt es noch über den Nachfolger des Yaesu FT-102 zu berichten. Ein sehr guter Transceiver, den ich noch heute gerne auf dem Stationstisch stehen hätte. Das damalige Flaggschiff von ICOM, der IC-765. Ein Gerät, das zwar bereits einen Mikroprozessor besass und dessen Betriebssystem in einem EPROM gespeichert war, aber über kein Menü verfügte, wie die heutigen Transceiver. Für alles Wichtige gab es Regler und Schalter auf der Frontplatte. Der IC-765 besass ein eingebautes Netzteil und einen automatischen Antennentuner. Er konnte mit zusätzlichen Filtern für alle Betriebsarten in zwei ZF-Stufen bestückt werden. Wer alle sieben Filter bestückte, plus den optionalen VCXO für eine bessere Frequenzstabilität, bezahlte gegen tausend Franken zusätzlich.

Der IC-765 hatte einen sehr guten Empfänger und einen robusten Sender, aber war nicht ohne Mängel: Das eingebaute Schaltnetzteil gab nach drei Jahren seinen Geist auf und ich musste ihn ersetzten. Auch der VCO bekam Probleme. Das Paraffin, mit dem die Spulen vergossen waren, floss mit der Zeit in die Trimmkondensatoren. Diese mussten ausgetauscht werden. Ein häufiger Defekt bei IC-765.

Der IC-765 ist in Gerät, das noch heute mit den DSP-Transceivern mithalten kann. Wie bei allen Vintage-Transceivern sollte man sich vor einem Kauf bewusst sein, dass die zusätzlichen Filter heute schwer zu finden, bzw. sehr teuer sind. 

Zwar würde ich auch heute noch gerne mit dem IC-765 funken, doch kaufen würde ich ihn nicht mehr, auch wenn er mit allen Filtern bestückt wäre. Der Grund ist folgender: Ich habe in der Vergangenheit mehr als 20 Vintage-Transceiver gekauft. Kein einziger war fehlerfrei. Ob im Internet oder vom Flohmarkt, sie hatten allesamt einen Defekt, den ich reparieren musste. Manches war offensichtlich, sobald das Gerät mal auf meinem Stationstisch stand, anderes kam erst nach einigen Stunden Betrieb zum Vorschein. Kontaktprobleme (Korrosion), ausgetrocknete Elkos, defekte Dioden, falsch eingestellte Ruheströme, die Liste ist endlos. Wer kein Bastler ist und nicht über einen guten Messgerätepark verfügt: Hände weg von Vintage Geräten! Abgesehen davon, dass die Geräte oft viel zu teuer sind. 

Beim nächsten Beitrag machen wir wieder einen Sprung in der Zeit zurück. Erinnerungen eines Funkamateurs 10 - UHF  

 

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