Freitag, 30. Januar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 11 - Mikrowellen

 


Bild oben: Drastische Änderung! Die beiden KW-Beam haben UHF und Mikrowellen-Antennen Platz gemacht. Die Antennen im Frostkleid sind: 4x20 Elemente für 70cm, 4xDoppelqud-Yagis für 23cm, 6m Yagi, 1.5m Parabol mit Zweibandhorn für 23cm und 13cm. Die darunter liegende 2m Yagi ist nicht sichtbar.

Bild unten: Die beiden KW-Beam-Antennen vorher: WARC-Beam für 30,17,12m und darunter Beam für 10, 15 und 20m.


Der Reiz der kurzen Wellen verblasste in den 80er Jahren. Inspiriert von Karl Weiners UHF-Unterlagen fokussierte sich meine Tätigkeit auf die UHF- bzw. Mikrowellen-Bänder. Zuerst einmal auf das 70cm Band mit den im obersten Bild sichtbaren 4x20 Element Yagi-Antennen. Gespeist mit einem selbst gebauten Transverter und einer 200 Watt Endstufe. Dabei kamen zwei Röhren 2C39BA zum Einsatz, die dazumal günstig als Gebrauchte oder NOS (New Old Stock) erstanden werden konnten. Diese Keramiktrioden können in Oszillatoren, Verdreifacher und Endstufen bis 2.5 GHz eingesetzt werden. Die maximale Anodenverlustleistung beträgt 100 Watt. Sie müssen aber mit einem Radialgebläse gekühlt werden. Im 70cm Band lieferten bei mir zwei dieser Röhren im Parallelbetrieb bei SSB sogar 300 Watt Hochfrequenzleistung. 

Der Aufbau der PA erfolgte in Streifenleitungstechnik. Streifenleiter und Gehäuse wurden aus Messingblech gebaut. Leider habe ich - wie von den meisten damals gebauten Geräten - keine Bilder mehr. Aber hier sieht man wie eine solche PA mit einer Röhre aufgebaut wird. Die Vorlage für meine Endstufe stammte aus den UHF-Unterlagen von Karl Weiner. Ob eine oder zwei Röhren, Aufbau und Prinzip waren gleich.

Damals war das 70cm Band recht populär und SSB-Verbindungen über Distanzen von einigen 100km waren auch unter normalen Bedingungen alltäglich (Troposcatter). Für die Funkamateure mit UKW-Lizenz, die mehr als das 2m Band wollten, gab es ja nur den Weg nach oben. Die Kurzwelle war ihnen damals noch verwehrt. Heute sieht die Welt der Funkamateure ganz anders aus: Die damaligen UKW-Funker hocken jetzt auf der Kurzwelle und funken in FT-8. Das 70cm Band wird hauptsächlich für den Relaisfunk genutzt und nur in Contesten erwacht es kurzfristig zum Leben. Allerdings längst nicht in dem Ausmass, wie das früher der Fall gewesen ist. 

Vergessen wir aber nicht den EME und Satellitenbetrieb, der damals in der Pionierphase steckte und auch heute noch im 70cm Band betrieben wird. Aber auch in diesen speziellen Sparten hat sich heute vieles verändert. Oscar 100 hat einen Teil des Satellitenbetriebs von LEO-Satelliten übernommen, und EME lässt sich heute Dank WSJT-X mit wesentlich geringerem Aufwand betreiben als dazumal. 100 Watt Sendeleistung und eine Langyagi reichen im 2m Band gerade aus, um die stärksten EME-Stationen zu kontaktieren. Die 4x20 Elemente im 70cm Band, zusammen mit der 200 (300) Watt Endstufe würden heutzutage auch für EME ausreichen. Meine Antennen hatten damals zwar keinen Azimut-Rotor, Trotzdem habe ich einige Versuche unternommen, mein reflektiertes Signal vom Mond zu empfangen. wenn er am Horizont in der Strahlrichtung lag. Das ist mir in der Tat zweimal gelungen. Gehört habe ich mein reflektiertes Signal nicht, dafür wäre zu schwach gewesen, aber gesehen habe ich es, und zwar in einer Wasserfallanzeige im NF-Bereich. Ein Verfahren, das ich einige Jahre später für Verbindungen auf der Langwelle bei 136 kHz wiederum benutzte und das als QRSS bezeichnet wird. Doch darüber mehr in einem späteren Erinnerungsblog.

Vergessen dürfen wir übrigens auch nicht den ATV-Betrieb, der auf 70cm damals seinen Anfang nahm und dem sich eine passionierte Clique von UKW-Amateuren widmete. Auch diese Nische des Amateurfunks sieht heute durch die Digitalisierung und die Entwicklung in der Mikrowellentechnik anders aus. Das 70cm Band spielt dabei keine grosse Rolle mehr.  

Doch bleiben wir in meiner Vergangenheit. Das nächst höhere Band war 23cm. Über meine ersten Erfahrungen auf diesem Band habe ich ja bereits berichtet. Doch angespornt durch die Erfolge mit dem Selbstbau im 70cm Band und durch die UHF-Unterlagen und DUBUS-Berichte, habe ich auch einen Transverter für dieses Band gebaut. Dazu eine 23cm Endstufe mit ebenfalls zwei 2C39BA Trioden. Mein letztes Röhrenprojekt bis heute. Die PA für das 23cm Band lieferte gut 150 Watt in SSB. Ihr Aufbau glich der hier verlinkten. Als Antennen standen der Parabolspiegel und die 4xDoppelquad-Yagis zur Verfügung, die etwas mehr Gewinn aufwiesen. Mit dieser 23cm Ausrüstung konnten bei Inversionslagen Verbindungen bis Holland, Norddeutschland, Schottland, Irland getätigt werden. In Richtung Skandinavien und weiter gegen Osten ging es nicht so gut, da dort die Signale einen Wald durchqueren mussten und von einem Hügel abgeschirmt wurden. Trotzdem klappten 23cm Kontakte z.B. mit Berlin und Tschechien. Die Signale wurden wahrscheinlich im Norden am Jura-Gebirge reflektiert und traten von dort dann in einen Inversions-Leiter (Duct) Richtung NO ein. 

Doch damit war noch nicht Schluss. Das nächst höhere Band lockte. 13cm. In diesem Band durfte nur mit einer Spezialbewilligung gesendet werden. Zudem entsprachen die in der Schweiz zugelassenen Frequenzbereiche (2308MHz) nicht den im übrigen Europa verwendeten (2320MHz). Ausländische Gegenstationen mussten also über die Möglichkeit verfügen, unsere Frequenzen zu empfangen und wir umgekehrt natürlich auch. Das verkomplizierte die Sache und QSO's fanden in der Regel nicht spontan sondern nach Abmachung im 2m, 70cm oder 23cm Band statt. Trotzdem kamen einige schöne DX-Verbindungen bei Inversions-Wetterlagen statt, wie auf den beiden QSL-Karten zu sehen ist.  




 Im 13cm Band arbeitete ich ebenfalls mit einem Eigenbau-Transverter, der wie die anderen Transverter auch mit Transistoren arbeitete. Dazu kam eine ebenfalls transistorisierte Endstufe. Die verwendeten BFQ 135 (Treiber) und BFQ136 hatten  bei 2.3 GHz nur noch eine geringe Verstärkung. Die Sendeleistung betrug nur wenige Watt.  Wie auf der nächsten QSL zu sehen ist, war auch mein Freund Kurt HB9RVN wieder dabei. Er hatte mir bei der Mechanik der 70cm und 23cm PA Röhren geholfen und ich habe ihm im Gegenzug einen Transverter für 2308 MHz gebaut. Im Gegensatz zu unserer ersten 23cm Verbindung via Reflexion am Guggershörnli, war es diesmal eine Direktverbindung. Denn mit meinem QTH-Wechsel hatten unsere Antennen Sichtkontakt. 

Das nächsthöhere in der Schweiz zugelassene Band war 6cm. Doch auf diesem Band habe ich es nie zu einem Funkkontakt gebracht. Denn meine Ausrüstung war denkbar einfach. Sie blieb bei einem einfachen Vervielfacher in einem Stück Hohlleiter und einem simplen Dipol mit Reflektor aus Messingstäben. Als Empfänger baute ich einen einfachen Mischer mit einer Diode ohne Vorverstärker, ebenfalls in einem Stück Hohlleiter. Das reichte aus, um ein paar Versuche zu machen. Ich bin heute noch erstaunt, wie weit ich mit dem Auto fahren konnte, bis ich das Signal meiner Bake verlor (>10km) 

Damit endete meine Mikrowellenaktivität vorerst und ich verkaufte meine selbst gebauten Geräte. Wer der Käufer war, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Nur daran, dass er das Equipment mit dem Helikopter abholte:


Vorerst gewannen andere Frequenzen meine Aufmerksamkeit. Darüber mehr in meinem nächsten Beitrag. Erst später kehrte ich, von einem anderen QTH aus, wieder zur Mikrowelle zurück.  


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