Mittwoch, 7. Januar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 8 - Kurzwellen I

 


Bild: La Berra im Winterkleid

Wie jeder Funkamateur mit neu erworbener Kurzwellenlizenz begab ich mich auf die Jagd nach DX. Das mag heutzutage anders sein, doch damals konnte sich kaum einer der Jagd nach Stationen in fremden und weit entfernten Ländern enthalten. Klassisches Jagdgebiet war das 20m Band. Ein Band, ganze 350 kHz breit, das sowohl bei Tag wie auch bei Nacht interkontinentale Verbindungen ermöglichte. Im Sonnenfleckenmaximum manchmal rund um die Uhr, im Minimum manchmal nur tagsüber und am Abend. Im Sommer 1971, als ich meine Kurzwellenlizenz erhielt, waren die Ausbreitungsbedingungen noch gut. Allerdings befanden wir uns schon in einem abnehmenden Sonnenzyklus, der dann 1975 sein Minimum erreichte. Das 10m Band öffnete sich im Verlaufe dieser Jahre immer weniger häufig und im Sonnenfleckenminimum hörte man nichts mehr als Rauschen. Abgesehen von ein paar sporadischen E-Schicht Öffnungen im Frühsommer, die ab und zu Verbindungen über europäische Distanzen ermöglichten. 15m war etwas besser dran, doch DX gabs dort gegen das Minimum zu nur noch tagsüber und spärlich. Dafür wurde 40m nachtsüber für den DX-Verkehr wichtiger. Allerdings war damals in der IARU-Region 1 (Europa, Afrika und mittlerer Osten) das Band nur 100 kHz breit. Zudem teilweise von Rundfunkstationen besetzt, die sich um internationale Abmachungen futierten. Auch im Äther herrschte kalter Krieg. Denn der Rundfunk war damals das einzige Medium, das weltweite Propaganda ermöglichte. Das Internet existierte noch nicht.

Mit meinem Fächerdipol und dem Trio/Kenwood 510 war ich zufrieden und machte viele interessante Verbindungen mit allen Kontinenten ausser der Antarktis und verschiedenen Inseln. Sowohl in SSB wie auch in Telegrafie. Manche Funkamateure bleiben ihr Leben lang eingefleischte DXer oder Contester, oder beides zugleich; auch wenn der Länderstand kaum mehr höher werden kann. Mir jedoch wurde es langsam langweilig im 20m Band. Ich brauchte etwas Neues.
Zwar soll dieses Erinnerungsblog kein Lebenslauf sein. Aber ihr könnt euch sicher vorstellen, dass sich mein Leben nicht nur im Rahmen des Amateurfunks abspielte. Studium, berufliche Karriere, Familie gründen, Haus bauen und auch das Militär nahmen den grössten Teil meiner Zeit in Anspruch. Kurz: Veränderungen und Herausforderungen am Laufmeter.

Abwechslung in das Funkhobby brachte zuerst einmal der Kauf eines neuen Transceivers . Nach dem TS-510 brachte der Kenwood TS-520S nicht nur ein neues Band (160m), sondern auch die Möglichkeit, den Transceiver im Auto zu betreiben. Der TS-520 konnte nicht nur über das eingebaute Netzteil vom 220V Stromnetz betrieben werden, er besass auch einen eingebauten Wandler, der 12 Volt in Hochspannung konvertierte um die Endstufenröhren und die Treiberröhre (12BY7A) zu betreiben. In der Tiefe einer alten Schuhschachtel habe ich ein altes und vergilbtes Foto des Autos ausgegraben, in dem der grosse und 16 Kilo schwere Transceiver zeitweise installiert wurde:
 
Bild: Triumph GT-6
       
Wobei installiert bedeutet, dass die Kiste einfach auf dem Beifahrersitz deponiert wurde. Als Antenne diente eine Fiberglasrute, wie sie damals gerne als Radioantenne eingesetzt wurde. Je länger die Antenne, desto schicker der Wagen, galt damals. Der Fuchsschwanz war aber den Mantas vorbehalten.
Um mit einer solchen  Fiberglasrute funken zu können, musste sie entsprechend angepasst werden. Sägte man sie vorsichtig im unteren Drittel auf, kam man an den eingelegte Draht ran und konnte dort eine Verlängerungsspule einbauen. Meine war für das 10m Band. 
Damals gab es meines Wissens keine Vorschrift, die das Funken oder auch das Morsen während des Fahrens verbot. Vom fahrenden Auto aus mit anderen Ländern zu sprechen und zu telegrafieren war ein neues und irgendwie berauschendes  Erlebnis. Wobei schon Autofahren allein damals noch wirklich Spass machte.

Ein ganz neues Spielfeld eröffnete das 160m Band. Dieses Band, unweit der oberen Grenze des Mittelwellenrundfunks, ist ein ausgesprochenes Nachtband. Tagsüber kann man dort keinen Besenstiel gewinnen. Schon gar nicht als Alpenbewohner. Aber auch nachts war damals nicht besonders viel los. Europäische Stationen waren rar und nur mit viel Ausdauer und Geduld konnte es einem gelingen, in Telegrafie den Atlantik zu überbrücken. Dazu war mein Fächerdipol nicht mehr geeignet. Eine Erweiterung auf das 160m Band hätte die Grundstücksgrenzen gesprengt. Jetzt kam wieder ein Draht unbestimmter Länge zum Zug. Eine Inverted L Antenne, angepasst mit einer "Matchbox", heutzutage Antennentuner genannt. Und damit hatte ich wiederum ein schönes Eigenbauprojekt für meinen Lötkolben auf dem Tisch. Der halbfertige Sender, der kein SSB konnte, durfte dazu Drehkondensatoren, Spulen und Drehschalter spenden.
Matchboxen (Antennentuner) habe ich in meinem Leben unzählige gebaut. In allen Grössen und Formen. Zu meinem  grossen Amüsement hat mir kürzlich am Funk ein Kollege erklärt, wie ich eine solche Matchbox bauen müsse. Wie heisst es schön in einem anderen Zusammenhang: "der Gentleman schweigt und geniesst."

Doch nochmals zurück zum TS-520S. Der Hauptkonkurrent dieses Transceivers war damals der Yaesu FT-101. Auch der Yaesu konnte mit 220V oder 12v betrieben werden und war ein schweres Teil. Was den Empfänger anbelangt, waren die beiden etwa vergleichbar. Der Yaesu war sehr beliebt und wurde in der Folge in verschiedenen Variationen produziert. Nebst einigen Unterschieden in der Bedienung (z.B. separater Preselector anstatt mit Drive kombiniert) konnte er im Gegensatz zum Kenwood in AM senden. Daher erlangte er in seiner Karriere auch bei den "ganz bösen Buben" einen hohen Beliebtheitsgrad. Er konnte nämlich sehr einfach auf das 11m Band umbestückt werden. Einige Typen der 101er Reihe hatten eine AUX-Position auf dem Wellenschalter. Hier konnte mit einem zusätzlichen Quarz ganz ein zusätzlicher 500 kHz breiter Bereich geöffnet werden. Zum Beispiel das 11m Band.

Wie aus den Rigpix Bildern ersichtlich ist, verfügten beide Transceiver über keine Digitalanzeige. Diese war der nächsten Generation von Transceivern vorbehalten.
Und das war bei mir der Yaesu FT-102. Damit brach ein neuer Abschnitt in meiner Amateurfunkzeit an. Denn mit dem FT-102 bezog ich auch ein neues QTH: einen abgelegenen Bauernhof. Das war natürlich punkto Antennenbau höchst interessant. Die SO-Hanglage bevorzugte den Pazifikraum von Japan bis Neuseeland und Platzbeschränkungen gab es keine, solange die Drähte den Kühen und dem Traktor nicht in die Quere kamen.
Der FT-102 war in meinen Augen ein schönes Gerät. Trotz der Digitalanzeige gab es kein Menü. Menüs kamen erst mit den Mikroprozessoren auf. Für alle wichtigen Funktionen hatte es einen Knopf auf der Frontplatte. Das Gerät war ein Hybrid. Das heisst, neben Transistoren arbeiteten noch Röhren in der Treiber und der Endstufe. In letzterer gleich drei parallel, was in 150 Watt HF-Leistung resultierte. Er besass auch schon die so genannten WARC-Bänder, die uns 1979 zugesprochen wurden. Damals ein robust aufgebautes Gerät mit einem guten Empfänger und einem Sender mit einem kleinen Leistungsplus. Trotzdem:
Der FT-102 ist schlecht gealtert und heute als Occasionsgerät nur für versierte Bastler zu empfehlen. 

DX auf den klassischen Bändern wie 20m reizten mich also nicht mehr. DX auf 80m und 160m jedoch sehr. Damit stand fest, dass ich Antennen speziell für diese beiden Bänder bauen musste. Für das 80m Band entschied ich mich für eine Deltaloop. Zusammen mit der Hangneigung würde sie eine flache Abstrahlung in den Pazifikraum ermöglichen. Ein Loop mit einem Umfang von ca. 80 Metern ist ein gewaltiges Teil. Schon für das 40m Band ist so eine Deltaloop recht gross, wie das folgende Bild zeigt:

Das Foto zeigt eine Deltaloop für das 40m Band, die ich auf den Lofoten betrieben habe. Eine 80m Loop ist doppelt so gross. ich habe sie ebenfalls mit der Spitze nach oben aufgebaut, da nur ein einziger grosser Mast zur Verfügung stand. Gespeist wurde sie nicht wie die 40m Loop im Bild in einer Ecke unten, sondern  unten in der Mitte. Die Anpassung erfolgte über eine Matchbox, also einen manuell bedienten Antennentuner in Pi-Konfiguration und verwendet wurde ein 75 Ohm Koaxialkabel. Der Abstand der Basis war mit ca. 2m Abstand zum Boden natürlich zu gering. Trotzdem waren die erzielten Resultate überraschend. In den Abendstunden konnten regelmässig Australien und Neuseeland erreicht werden, wenn die Funkstrecke im Dunkeln lag. Hier zwei QSL-Karten aus dieser Zeit, die meine vielen QTH-Wechsel überstanden haben:


Für das 160m Band kam keine Delta Loop infrage. Hier musste ich mich mit einer Inverted L begnügen. Sie führte schräg hinauf zur Spitze des Mastes und von dort ca. 50m weiter zu einem Kirschbaum. Zwar hätte ich sie noch viel weiter führen können - Bäume hatte es genug. Doch für DX spielt die flache Strahlung aus dem Vertikalteil die wichtigste Rolle. Eine Verlängerung des Drahtes in vergleichsweise geringer Höhe, hätte kaum etwas gebracht. 
Im 160m Band war es nicht mehr so einfach wie auf 80m. Zudem wurde damals auf 160m bei DX mit sehr grossem Split gearbeitet, was ich in Ermangelung eines zweiten VFO's nicht konnte. Das heisst: Amerikaner und Europäer arbeiteten in unterschiedlichen Bandabschnitten. Trotzdem gelangten ein paar interessante QSO's in Telegrafie. Sogar mit den USA, obwohl Nordamerika wegen des SO-Hangs nicht in meiner Vorzugsrichtung lag.
Das 160m Band hat während meiner "Amateurfunkkarriere" viele administrative und operative Änderungen durchlaufen. Manche Jahre durften wir in der Schweiz nur mit 10 Watt senden, in anderen zwar mit mehr Leistung aber nur im Bereich von 1810 bis 1850 kHz. Zudem waren die Zuteilungen von Land zu Land unterschiedlich. Mit dem Rückgang des Seefunks in diesem Bereich, wurden die Bedingungen für den Amateurfunk gelockert. Heutzutage dürfen wir hierzulande das ganze Band von 1810 bis 2000 kHz mit einem Kilowatt Sendeleistung nutzen.  
 
Hier als Bespiel die QSL-Karte einer damals eher seltenen Station auf dem Top-Band


 
Das reicht für heute. Beim nächsten Mal bleibe ich auch noch bei der Kurzwelle. Zum einen muss ich noch von weiteren Antennen berichten und zum anderen von den Endstufen, die ich verwendet habe. Auch auf Seite der Transceiver hat sich im Verlaufe der Jahre noch einiges getan. Wobei nicht jede Kiste erwähnenswert ist. Den TS-430, der vor dem FT-102 über meinen Stationstisch gewandert ist, habe ich deshalb unterschlagen.