Mittwoch, 14. Januar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 9 - Kurzwelle II


 Bild: Zwei 3 Element Beam (Trap-Yagi) Antennen. Eine für 10,15 und 20m. Die andere für die WARC-Bänder.

Mit Antennen habe ich immer gerne experimentiert, doch die beiden Beams im Bild habe ich bei Fritzel gekauft. Hier geht es zu der Geschichte von Fritzel DJ2XH und seiner Firma. Fritzel wurde weltweit durch seine FD4 bekannt. Eine Windom Antenne für 80, 40, 20, 17, 12 und 10m, die mit einem 1:6 Balun arbeitete und so die direkte Einspeisung mit 50 Ohm Koaxialkabel ermöglichte. Nach dem Hinschied von Kurt Fritzle im Jahre 1998 wurde die Produktion seiner Antennen von der Firma Hochfrequenztechnik GmbH & Co übernommen. Fritzel Antennen werden heute von vielen namhaften Amateurfunk-Shops verkauft. Wer einen gebrauchten Fritzel Beam kauft, sollte die Traps genau ansehen. Hier mehr dazu von Fris PA0FRI.

Zwar versuchte ich noch die Fritzel Beams mit einer selbst gebauten Spinnen Quad Antenne zu toppen. Doch der Versuch lief schief und die Spinne schaffte es nicht aufs Hausdach. Sie klappte vorher zusammen. So bleiben denn die beiden Fritzel Beams die besten Kurzwellen-Antennen, mit denen ich je gefunkt habe. Zusammen mit der Deltaloop für das 80m Band. Es gibt aber eine Ausnahme. Ich hatte mal leihweise einen Gittermast, mit dem ich funken durfte. Er ist im  folgenden Bild zu sehen. Das kleine Haus unter dem Gittermast war damals mein Shak:


Dieser Gittermast stand isoliert auf seinen vier Beinen. Er trug keinen Beam und keine Drahtantennen - er war die Antenne selbst. Nach dem Betrieb musste er mit den Messerschaltern an allen vier Beinen geerdet werden. Doch dazu mehr in einem späteren Erinnerungs-Blog.

Dass ein Mast selbst als Antenne wirken kann, ist eine praktische Sache. Ich habe es immer als Verschwendung betrachtet, einen Mast nur als Antennenträger zu benutzen und habe meine Masten auf die eine oder andere Weise zusätzlich als selbstständige Strahler benutzt. Auch wenn der Mastfuss geerdet war. Besonders gut klappt das mit einem Gamma-Match, wie er auch beim Dipol in Yagi Antennen oft eingesetzt wird. Der Gamma-Arm wird parallel zum Mast geführt, der in einer bestimmten Höhe mit dem Mast verbunden wird. Dabei wird die Seele des Koaxialkabels über einen Drehkondensator mit dem Gamma Match verbunden, die Abschirmung mit dem geerdeten Mastfuss. Mit dem Verschieben des Speisepunkts und dem Kondensator wird auf Resonanz und bestes SWR abgestimmt. Dabei muss der Mast nicht unbedingt ein Viertel Wellenlänge lang sein. Auch längere Masten lassen sich abstimmen, wenn der Kondensator genügend gross ist und der Einspeisepunkt am Mast genügend verschoben werden kann. Hier ist das Prinzip zu sehen. Doch zu kurze Masten muss man verlängern, da hilt ein Gammamatch oder sein "Bruder" der Omegamatch nicht allein. Es braucht eine zusätzliche Spule. Hier mehr dazu. Trotzdem bleibt so eine einfache Mastantenne eine Einbandantenne. Möchte man aus seinem Mast - zum Beispiel einem Fahnenmast - eine Mehrbandantenne machen, muss der Mast von der Erde isoliert werden. Wie so etwas gemacht werden kann, zeigt das nächste Bild:

Bild: Selbst gebauter Mastisolator aus Kunststoff

Ist der Mast mal isoliert, stehen alle Möglichkeiten offen. Am besten speist man ihn mit einem automatischen Tuner, der direkt am Mastfuss sitzt. Eine Erdverbindung braucht er natürlich auch. Erdpfähle, Radiale ober- oder unterirdisch, je mehr desto besser. Bei der Mastlänge muss man aber aufpassen. Unter einer Viertelwellenlänge sinkt der Wirkungsgrad und oberhalb 5/8 Wellenlänge fächert seine Strahlung in der Elevation auf und er verliert seine Eigenschaft als Flachstrahler (DX-Antenne) Bei 1/2 Wellenlänge hat der Tuner u.U. ein Problem mit der Anpassung. Zudem ist der Mast als Antenne - wie alle Vertikalantennen- ein schlechter NVIS-Strahler und für den Regionalverkehr ausserhalb der Bodenwelle ungeeignet. 

Inzwischen habe ich die Chronologie der Ereignisse ziemlich durcheinandergebracht und bin weit vorausgeeilt. Denn das Haus mit den Fritzel Beams ist nicht mehr der einsame Bauernhof, und der "Maststiefel" oben im Bild gehört auch schon wieder zu einem neuen QTH - zu meinem letzten vor dem Umzug ins Alpental. Kehren wir also nochmals zurück zu dem Yaesu FT-102, dem 80m Delta-Loop und dem langen Draht für 160m:

Wer auf den langen Amateurfunkbändern nach DX Ausschau hält, stellt schnell mal fest: Auf die Dauer hilft nur Power. So kam es, dass zum zweiten Mal in meinem Funkerleben wieder ein Projekt auf dem Basteltisch landete, das Röhren benötigte. Wo ich die beiden Trioden TB3/750 aufgetrieben habe, weiss ich nicht mehr. Die entsprechenden Röhrensockel musste ich selbst bauen, die gab es nicht dazu. Den Hochspannungstrafo hatte ich vom "halbfertigen Sender ohne SSB", ebenfalls die Drehkondensatoren für das PI-Filter. Beide Trioden wurden parallel betrieben mit 2000V. Der benötigte Heizstrom betrug 14,1 A bei 10 V, wenn man sie in Serie heizte. Also ganze 140 Watt bloss zur Heizung der Röhren! Die Endstufe lieferte ein gutes Kilowatt, ohne sich viel anzustrengen. Eine Röhre allein hätte es auch geschafft. "Aber wieso nur eine nehmen, wenn ich zwei habe", dachte ich wohl damals. Diese Endstufe war wegen der Hochspannung für mich ein Kamikaze-Projekt und ich bin froh, dass ich mich damit nicht umgebracht habe (Hochspannung).

Sie war nicht das letzte Röhrenprojekt. Zwei weitere Endstufen folgten noch, doch für UHF. Darüber später mehr.

Aus dieser Zeit gibt es noch über den Nachfolger des Yaesu FT-102 zu berichten. Ein sehr guter Transceiver, den ich noch heute gerne auf dem Stationstisch stehen hätte. Das damalige Flaggschiff von ICOM, der IC-765. Ein Gerät, das zwar bereits einen Mikroprozessor besass und dessen Betriebssystem in einem EPROM gespeichert war, aber über kein Menü verfügte, wie die heutigen Transceiver. Für alles Wichtige gab es Regler und Schalter auf der Frontplatte. Der IC-765 besass ein eingebautes Netzteil und einen automatischen Antennentuner. Er konnte mit zusätzlichen Filtern für alle Betriebsarten in zwei ZF-Stufen bestückt werden. Wer alle sieben Filter bestückte, plus den optionalen VCXO für eine bessere Frequenzstabilität, bezahlte gegen tausend Franken zusätzlich.

Der IC-765 hatte einen sehr guten Empfänger und einen robusten Sender, aber war nicht ohne Mängel: Das eingebaute Schaltnetzteil gab nach drei Jahren seinen Geist auf und ich musste ihn ersetzten. Auch der VCO bekam Probleme. Das Paraffin, mit dem die Spulen vergossen waren, floss mit der Zeit in die Trimmkondensatoren. Diese mussten ausgetauscht werden. Ein häufiger Defekt bei IC-765.

Der IC-765 ist in Gerät, das noch heute mit den DSP-Transceivern mithalten kann. Wie bei allen Vintage-Transceivern sollte man sich vor einem Kauf bewusst sein, dass die zusätzlichen Filter heute schwer zu finden, bzw. sehr teuer sind. 

Zwar würde ich auch heute noch gerne mit dem IC-765 funken, doch kaufen würde ich ihn nicht mehr, auch wenn er mit allen Filtern bestückt wäre. Der Grund ist folgender: Ich habe in der Vergangenheit mehr als 20 Vintage-Transceiver gekauft. Kein einziger war fehlerfrei. Ob im Internet oder vom Flohmarkt, sie hatten allesamt einen Defekt, den ich reparieren musste. Manches war offensichtlich, sobald das Gerät mal auf meinem Stationstisch stand, anderes kam erst nach einigen Stunden Betrieb zum Vorschein. Kontaktprobleme (Korrosion), ausgetrocknete Elkos, defekte Dioden, falsch eingestellte Ruheströme, die Liste ist endlos. Wer kein Bastler ist und nicht über einen guten Messgerätepark verfügt: Hände weg von Vintage Geräten! Abgesehen davon, dass die Geräte oft viel zu teuer sind. 

Beim nächsten Beitrag machen wir wieder einen Sprung in der Zeit zurück. Erinnerungen eines Funkamateurs 10 - UHF  

 

Mittwoch, 7. Januar 2026

Erinnerungen eines Funkamateurs 8 - Kurzwellen I

 


Bild: La Berra im Winterkleid

Wie jeder Funkamateur mit neu erworbener Kurzwellenlizenz begab ich mich auf die Jagd nach DX. Das mag heutzutage anders sein, doch damals konnte sich kaum einer der Jagd nach Stationen in fremden und weit entfernten Ländern enthalten. Klassisches Jagdgebiet war das 20m Band. Ein Band, ganze 350 kHz breit, das sowohl bei Tag wie auch bei Nacht interkontinentale Verbindungen ermöglichte. Im Sonnenfleckenmaximum manchmal rund um die Uhr, im Minimum manchmal nur tagsüber und am Abend. Im Sommer 1971, als ich meine Kurzwellenlizenz erhielt, waren die Ausbreitungsbedingungen noch gut. Allerdings befanden wir uns schon in einem abnehmenden Sonnenzyklus, der dann 1975 sein Minimum erreichte. Das 10m Band öffnete sich im Verlaufe dieser Jahre immer weniger häufig und im Sonnenfleckenminimum hörte man nichts mehr als Rauschen. Abgesehen von ein paar sporadischen E-Schicht Öffnungen im Frühsommer, die ab und zu Verbindungen über europäische Distanzen ermöglichten. 15m war etwas besser dran, doch DX gabs dort gegen das Minimum zu nur noch tagsüber und spärlich. Dafür wurde 40m nachtsüber für den DX-Verkehr wichtiger. Allerdings war damals in der IARU-Region 1 (Europa, Afrika und mittlerer Osten) das Band nur 100 kHz breit. Zudem teilweise von Rundfunkstationen besetzt, die sich um internationale Abmachungen futierten. Auch im Äther herrschte kalter Krieg. Denn der Rundfunk war damals das einzige Medium, das weltweite Propaganda ermöglichte. Das Internet existierte noch nicht.

Mit meinem Fächerdipol und dem Trio/Kenwood 510 war ich zufrieden und machte viele interessante Verbindungen mit allen Kontinenten ausser der Antarktis und verschiedenen Inseln. Sowohl in SSB wie auch in Telegrafie. Manche Funkamateure bleiben ihr Leben lang eingefleischte DXer oder Contester, oder beides zugleich; auch wenn der Länderstand kaum mehr höher werden kann. Mir jedoch wurde es langsam langweilig im 20m Band. Ich brauchte etwas Neues.
Zwar soll dieses Erinnerungsblog kein Lebenslauf sein. Aber ihr könnt euch sicher vorstellen, dass sich mein Leben nicht nur im Rahmen des Amateurfunks abspielte. Studium, berufliche Karriere, Familie gründen, Haus bauen und auch das Militär nahmen den grössten Teil meiner Zeit in Anspruch. Kurz: Veränderungen und Herausforderungen am Laufmeter.

Abwechslung in das Funkhobby brachte zuerst einmal der Kauf eines neuen Transceivers . Nach dem TS-510 brachte der Kenwood TS-520S nicht nur ein neues Band (160m), sondern auch die Möglichkeit, den Transceiver im Auto zu betreiben. Der TS-520 konnte nicht nur über das eingebaute Netzteil vom 220V Stromnetz betrieben werden, er besass auch einen eingebauten Wandler, der 12 Volt in Hochspannung konvertierte um die Endstufenröhren und die Treiberröhre (12BY7A) zu betreiben. In der Tiefe einer alten Schuhschachtel habe ich ein altes und vergilbtes Foto des Autos ausgegraben, in dem der grosse und 16 Kilo schwere Transceiver zeitweise installiert wurde:
 
Bild: Triumph GT-6
       
Wobei installiert bedeutet, dass die Kiste einfach auf dem Beifahrersitz deponiert wurde. Als Antenne diente eine Fiberglasrute, wie sie damals gerne als Radioantenne eingesetzt wurde. Je länger die Antenne, desto schicker der Wagen, galt damals. Der Fuchsschwanz war aber den Mantas vorbehalten.
Um mit einer solchen  Fiberglasrute funken zu können, musste sie entsprechend angepasst werden. Sägte man sie vorsichtig im unteren Drittel auf, kam man an den eingelegte Draht ran und konnte dort eine Verlängerungsspule einbauen. Meine war für das 10m Band. 
Damals gab es meines Wissens keine Vorschrift, die das Funken oder auch das Morsen während des Fahrens verbot. Vom fahrenden Auto aus mit anderen Ländern zu sprechen und zu telegrafieren war ein neues und irgendwie berauschendes  Erlebnis. Wobei schon Autofahren allein damals noch wirklich Spass machte.

Ein ganz neues Spielfeld eröffnete das 160m Band. Dieses Band, unweit der oberen Grenze des Mittelwellenrundfunks, ist ein ausgesprochenes Nachtband. Tagsüber kann man dort keinen Besenstiel gewinnen. Schon gar nicht als Alpenbewohner. Aber auch nachts war damals nicht besonders viel los. Europäische Stationen waren rar und nur mit viel Ausdauer und Geduld konnte es einem gelingen, in Telegrafie den Atlantik zu überbrücken. Dazu war mein Fächerdipol nicht mehr geeignet. Eine Erweiterung auf das 160m Band hätte die Grundstücksgrenzen gesprengt. Jetzt kam wieder ein Draht unbestimmter Länge zum Zug. Eine Inverted L Antenne, angepasst mit einer "Matchbox", heutzutage Antennentuner genannt. Und damit hatte ich wiederum ein schönes Eigenbauprojekt für meinen Lötkolben auf dem Tisch. Der halbfertige Sender, der kein SSB konnte, durfte dazu Drehkondensatoren, Spulen und Drehschalter spenden.
Matchboxen (Antennentuner) habe ich in meinem Leben unzählige gebaut. In allen Grössen und Formen. Zu meinem  grossen Amüsement hat mir kürzlich am Funk ein Kollege erklärt, wie ich eine solche Matchbox bauen müsse. Wie heisst es schön in einem anderen Zusammenhang: "der Gentleman schweigt und geniesst."

Doch nochmals zurück zum TS-520S. Der Hauptkonkurrent dieses Transceivers war damals der Yaesu FT-101. Auch der Yaesu konnte mit 220V oder 12v betrieben werden und war ein schweres Teil. Was den Empfänger anbelangt, waren die beiden etwa vergleichbar. Der Yaesu war sehr beliebt und wurde in der Folge in verschiedenen Variationen produziert. Nebst einigen Unterschieden in der Bedienung (z.B. separater Preselector anstatt mit Drive kombiniert) konnte er im Gegensatz zum Kenwood in AM senden. Daher erlangte er in seiner Karriere auch bei den "ganz bösen Buben" einen hohen Beliebtheitsgrad. Er konnte nämlich sehr einfach auf das 11m Band umbestückt werden. Einige Typen der 101er Reihe hatten eine AUX-Position auf dem Wellenschalter. Hier konnte mit einem zusätzlichen Quarz ganz ein zusätzlicher 500 kHz breiter Bereich geöffnet werden. Zum Beispiel das 11m Band.

Wie aus den Rigpix Bildern ersichtlich ist, verfügten beide Transceiver über keine Digitalanzeige. Diese war der nächsten Generation von Transceivern vorbehalten.
Und das war bei mir der Yaesu FT-102. Damit brach ein neuer Abschnitt in meiner Amateurfunkzeit an. Denn mit dem FT-102 bezog ich auch ein neues QTH: einen abgelegenen Bauernhof. Das war natürlich punkto Antennenbau höchst interessant. Die SO-Hanglage bevorzugte den Pazifikraum von Japan bis Neuseeland und Platzbeschränkungen gab es keine, solange die Drähte den Kühen und dem Traktor nicht in die Quere kamen.
Der FT-102 war in meinen Augen ein schönes Gerät. Trotz der Digitalanzeige gab es kein Menü. Menüs kamen erst mit den Mikroprozessoren auf. Für alle wichtigen Funktionen hatte es einen Knopf auf der Frontplatte. Das Gerät war ein Hybrid. Das heisst, neben Transistoren arbeiteten noch Röhren in der Treiber und der Endstufe. In letzterer gleich drei parallel, was in 150 Watt HF-Leistung resultierte. Er besass auch schon die so genannten WARC-Bänder, die uns 1979 zugesprochen wurden. Damals ein robust aufgebautes Gerät mit einem guten Empfänger und einem Sender mit einem kleinen Leistungsplus. Trotzdem:
Der FT-102 ist schlecht gealtert und heute als Occasionsgerät nur für versierte Bastler zu empfehlen. 

DX auf den klassischen Bändern wie 20m reizten mich also nicht mehr. DX auf 80m und 160m jedoch sehr. Damit stand fest, dass ich Antennen speziell für diese beiden Bänder bauen musste. Für das 80m Band entschied ich mich für eine Deltaloop. Zusammen mit der Hangneigung würde sie eine flache Abstrahlung in den Pazifikraum ermöglichen. Ein Loop mit einem Umfang von ca. 80 Metern ist ein gewaltiges Teil. Schon für das 40m Band ist so eine Deltaloop recht gross, wie das folgende Bild zeigt:

Das Foto zeigt eine Deltaloop für das 40m Band, die ich auf den Lofoten betrieben habe. Eine 80m Loop ist doppelt so gross. ich habe sie ebenfalls mit der Spitze nach oben aufgebaut, da nur ein einziger grosser Mast zur Verfügung stand. Gespeist wurde sie nicht wie die 40m Loop im Bild in einer Ecke unten, sondern  unten in der Mitte. Die Anpassung erfolgte über eine Matchbox, also einen manuell bedienten Antennentuner in Pi-Konfiguration und verwendet wurde ein 75 Ohm Koaxialkabel. Der Abstand der Basis war mit ca. 2m Abstand zum Boden natürlich zu gering. Trotzdem waren die erzielten Resultate überraschend. In den Abendstunden konnten regelmässig Australien und Neuseeland erreicht werden, wenn die Funkstrecke im Dunkeln lag. Hier zwei QSL-Karten aus dieser Zeit, die meine vielen QTH-Wechsel überstanden haben:


Für das 160m Band kam keine Delta Loop infrage. Hier musste ich mich mit einer Inverted L begnügen. Sie führte schräg hinauf zur Spitze des Mastes und von dort ca. 50m weiter zu einem Kirschbaum. Zwar hätte ich sie noch viel weiter führen können - Bäume hatte es genug. Doch für DX spielt die flache Strahlung aus dem Vertikalteil die wichtigste Rolle. Eine Verlängerung des Drahtes in vergleichsweise geringer Höhe, hätte kaum etwas gebracht. 
Im 160m Band war es nicht mehr so einfach wie auf 80m. Zudem wurde damals auf 160m bei DX mit sehr grossem Split gearbeitet, was ich in Ermangelung eines zweiten VFO's nicht konnte. Das heisst: Amerikaner und Europäer arbeiteten in unterschiedlichen Bandabschnitten. Trotzdem gelangten ein paar interessante QSO's in Telegrafie. Sogar mit den USA, obwohl Nordamerika wegen des SO-Hangs nicht in meiner Vorzugsrichtung lag.
Das 160m Band hat während meiner "Amateurfunkkarriere" viele administrative und operative Änderungen durchlaufen. Manche Jahre durften wir in der Schweiz nur mit 10 Watt senden, in anderen zwar mit mehr Leistung aber nur im Bereich von 1810 bis 1850 kHz. Zudem waren die Zuteilungen von Land zu Land unterschiedlich. Mit dem Rückgang des Seefunks in diesem Bereich, wurden die Bedingungen für den Amateurfunk gelockert. Heutzutage dürfen wir hierzulande das ganze Band von 1810 bis 2000 kHz mit einem Kilowatt Sendeleistung nutzen.  
 
Hier als Bespiel die QSL-Karte einer damals eher seltenen Station auf dem Top-Band


 
Das reicht für heute. Beim nächsten Mal bleibe ich auch noch bei der Kurzwelle. Zum einen muss ich noch von weiteren Antennen berichten und zum anderen von den Endstufen, die ich verwendet habe. Auch auf Seite der Transceiver hat sich im Verlaufe der Jahre noch einiges getan. Wobei nicht jede Kiste erwähnenswert ist. Den TS-430, der vor dem FT-102 über meinen Stationstisch gewandert ist, habe ich deshalb unterschlagen.




     

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Erinnerungen eines Funkamateurs 7 - Wie ich zur Kurzwelle kam

Ich weiss nicht, wie das bei anderen Menschen ist, aber meine Erinnerungen an die Vergangenheit sind nicht präzise chronologisch geordnet. Manchmal geraten Ereignisse in der Zeit durcheinander. Manche Erinnerungen verschieben sich im Laufe des Lebens und geraten in Konflikt mit anderen. Man könnte auch von einer gewissen Unschärfe der Erinnerungen sprechen. Obwohl einige Ereignisse wie Leuchtfeuer aus dem Meer der Erinnerungen herausragen, die mit ihrem Lichtstrahl einzelne Inseln der Vergangenheit klar zu beleuchten scheinen, als wäre es erst gestern gewesen, ist ihnen nicht immer zu trauen.

Immerhin steht in meinem Radiotelegrafisten-Ausweis ein klares Datum: der erste Juli 1971. Ab diesem Datum stand mir die Kurzwelle offen.

Doch wie kam es, dass ich die Morseprüfung endlich bestand? Habe ich einfach weiter im stillen Kämmerlein morsen geübt und Zeichen vom Tonband gehört und aufgeschrieben? So ein Tonband-Gerät war damals eine tolle Sache und stand nicht nur in Radiostudios, sondern auch bei technisch interessierten Menschen. Meines war damals von Philips und hatte ein magisches Auge. Schon seit Jahrzehnten besitze ich kein Tonband mehr und ehrlich gesagt, ich vermisse es gar nicht. Was braucht man denn heute so, wenn man Töne aufzeichnen möchte?

Aber jetzt bin ich vom Thema abgeschweift. 

Irgendwann in meiner UKW-Zeit tauchte bei mir eine neue Idee auf, ein neuer Berufswunsch. Ich wollte nicht mehr Pfarrer werden, wie damals, als ich noch ein kleiner Junge war. Ich wollte mein Hobby - den Funk - zu meinem Beruf machen. Ich wollte Schiffsfunker werden. Damals war ich an Wochenenden oft auf dem Brienzersee in einer kleinen Segeljolle unterwegs - einem 420er - die meinen Eltern gehörte. Funkend auf dem Wasser unterwegs zu sein, schien mir ein Idealzustand. 

So schrieb ich mich an der Abendschule für Schiffsfunker ein, die es damals in Bern gab. Das kommt euch vielleicht komisch vor. Doch die Schweiz, mitten in Europa, ohne Zugang zum Meer, hat mehr mit Schifffahrt zu tun als man vermuten könnte. Auch heute noch, obschon es keine Schiffsfunkerschule mehr gibt. Auch keine "Küstenfunkstation" mehr, wie damals in der Nähe von Bern.

Der Zufall wollte es, dass ich bei einem Verkauf von Altmaterial einen kommerziellen Schiffsfunkempfänger kaufen konnte. Einen CR300 von Marconi. Ein sehr interessantes Gedrät, das neben Langwellen runter bis 15kHz und KW hinauf bis 25MHz, auch den Bereich 210 bis 550 kHz empfangen konnte. In diesem Bereich war unter anderen der Schiffsfunk angesiedelt, der damals natürlich in Telegraphie abgewickelt wurde. Anruf- und Notruffrequenz war 500 kHz. Dort in diesem Mittelwellenband wickelte sich früher der Hauptteil des Schiffsfunk-Verkehrs ab. Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem empfehle ich dieses Buch.

Mit dem Marconi CR300 hörte ich des Nachts dem Schiffsfunk zu, wenn die Ionosphäre Mittelwellen-Signale der Küstenfunkstationen vom Mittelmeer und von der Nordsee bis in die Schweiz trug. Als Antenne benutzte ich den bereits erwähnten Draht unbestimmter Länge zwischen Espe und Apfelbaum des Elternhauses. Für mich war es die ideale Ergänzung zur Abendschule für Schiffsfunker, gewissermassen Training on the Job. Nach den Morseübungen und Unterweisungen in den Tätigkeiten eines Schiffsfunkers in der Schule, lauschte ich der Praxis im CR300 und stellte mir dabei vor, ich wäre Funkoffizier an Bord eines Handelsschiffes. Ein Traum, der leider nie in Erfüllung ging.

Schade, dass ich diesen Empfänger nicht mehr besitze. Er war trotz seines respektablen Alters ein sehr gutes Gerät. Ein richtiger Boat Anchor wie die Amerikaner sagen - ein Bootsanker. 25 Kilo schwer, in den Jahren 1943 bis 1946 in England hergestellt. Hier ist das Schaltbild des Marconi CR300 zu sehen. Und hier die Beschreibung dazu.

Ich habe später noch eine ganze Reihe von verschiedenen professionellen Empfängern auf meinem Stationstisch gehabt. Aber darüber mehr in einem späteren Kapitel meiner Erinnerungen.

Die Schiffsfunkerschule hatte meine Morsefähigkeiten soweit gefördert, dass ich die Morseprüfung für die Amateurfunklizenz problemlos bestehen konnte. Aber die Schiffsfunkerprüfung habe ich dann nicht gemacht. Denn inzwischen hatten sich meine Berufswünsche wieder in eine andere Richtung entwickelt. Ingenieur zu werden dünkte mich nun ein lohnenderes Ziel, als Seemann zu werden. Ich könnte ja später gleichwohl auf den Meeren segeln, wenn aus meinem 420er mal ein grosser Kahn geworden wäre. Tatsächlich ist das dann auch so gekommen. Allerdings kam es nie zu einer Weltumsegelung wie ich sie im Sinne hatte. Das Schicksal hatte für mich andere Dinge vorgesehen. Träume kommen und gehen. Einige platzen wie Seifenblasen, andere werden Wirklichkeit.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: meiner ersten Kurzwellenstation. 

Einen Empfänger hatte ich ja schon, den HA-350 von Lafayette. Fehlte nur noch der passende Sender. Hier kam mir der Zufall zu Hilfe. Mein Vater schloss Bekanntschaft mit einem Funkamateur, der einen Sender zu verkaufen hatte. Der Preis war günstig, doch der hatte einen Haken: das Teil war noch im Bau und musste vom Käufer vollendet werden. Trotzdem stürzte ich mich in das Abenteuer. So standen bald einmal zwei grosse, schwere Ungetüme auf meinem Tisch: ein Netzgerät und ein Sender. Beide so gross wie der Marconi. Diesen hatte ich übrigens wieder verkauft, um das Geld für den Sender zu haben. Der halbfertige Sender hatte aber noch einen zweiten Haken, der mir in meiner Begeisterung nicht aufgefallen war. Er konnte nur CW und AM, für Einseitenbandmodulation war er nicht gerüstet. Dies zu ändern, überstieg damals meine Fähigkeiten. So verschwand der unfertige Sender im Keller. Sein weiteres Schicksal war eher traurig: er wurde mit der Zeit kannibalisiert und zum Spender einiger Bastelprojekte.

Damit ich doch noch auf Kurzwelle in den Äther gehen konnte, musste der Lafayette dran. Er wurde zwecks Geldbeschaffung verkauft und schliesslich kaufte ich einen japanischen Transceiver. Es war ein Kenwood/Trio TS-590. Zu einem grossen Teil mit Röhren bestückt und wie wir im folgenden Video sehen können, ein Gerät, das auch heute noch im Funkverkehr mit modernen Transceivern mithalten kann: 


         

Auf RigPix sind auch das Operating Manual und das Service Manual zu finden. Besonders in letzterem kann man den kompakten Aufbau dieses Röhrentransceivers bewundern. Ein Nachteil, der sich heute beim Kauf eines alten TS-510 meist offenbaren wird, sind die Gummiriemen, die zum Antrieb der Kondensatoren im Sender verwendet werden. Sie werden im Laufe der Jahre brüchig und müssen ersetzt werden. Schon damals bekamen sie nach ein paar Jahren Betrieb Risse. In späteren Kenwood-Modellen wurden die Drehko-Antriebe durch Ketten ersetzt.

Als Antenne diente nun nicht mehr der "Draht zufälliger Länge", sondern ein selbst gebauter Multiband-Dipol. Heutzutage muss man einen solchen Fächerdipol nicht mehr selbst bauen, man kann ihn kaufen. Er besteht aus Einzeldipolen für jedes Band, die zentral zusammen gespeist werden. Vom Speisepunkt aus gehen die einzelnen Dipole dann fächerförmig auseinander. Damals hatten wir nur die fünf KW-Bänder 10, 15, 20, 40 und 80m. Das 160m Band (Mittelwelle!) war weniger populär und in vielen Tranceivern nicht enthalten. Die WARC-Bänder 12, 17 und 30m wurden erst 1979 dem Amateurfunk zugeteilt. 

So ein Fächerdipol ist nicht einfach abzugleichen. Auch wenn die Längen der einzelnen Dipole genau abgemessen werden, müssen sie nachgetrimmt werden. Dabei ist es so, dass sich die einzelnen Dipole gegenseitig beeinflussen. Verkürzt man einen, dann ändert sich bei anderen die Resonanzfrequenz. Eine Sisyphusarbeit. Doch Röhrenendstufen sind bezüglich SWR nicht so empfindlich und auch bei einem SWR von 1:3 muss man sich keine grossen Sorgen machen. Schliesslich hat man da ein Pi-Filter zur Abstimmung. Dieses Pi-Filter, das von Hand abgestimmt werden musste (Load- und Plate-Regler) hat in modernen Transceivern in Form eines automatischen Antennentuners Ersatz gefunden.

Nehmen wir mal an, du hast einen alten TS-510 oder ein anderes Gerät mit Röhrenendstufe gekauft und die Gummiriemen wenn nötig ersetzt. So stimmst du den Sender ab:

-Stimme zuerst den Empfänger mit der Antenne ab. Drehe dabei den Drive-Regler auf grösste Signalstärke. Denn der Drive wirkt sowohl auf die Senderabstimmung als auch auf den Preselector des Empfängers. Dann gehe auf einen Dummy Load für die Senderabstimmung.

-Stelle den Schalter für das Messinstrument auf Ip (Anodenstrom) und den Regler Plate auf Maximum. Den Regler Load sodann auf das gewünschte Band (wie den Bandschalter).

-Gehe auf CW und drücke die Taste (max. 10sec). Drehe "Plate" rasch auf ein Minimum (Dip). Ip sollte dabei 200mA nicht überschreiten.

-Schalte das Messinstrument nun auf RF (Ausgangsleistung)

- Drücke wieder die Taste (max 10sec). Drehe den Load-Regler auf maximale Ausgangsleistung. 

-Optimiere die Ausgangsleistung, indem du "Load" und "Plate" wechselseitig nachjustierst. Taste dabei nicht länger als 10 Sekunden und lass zwischendurch die Endröhren wieder abkühlen. 

- Für SSB muss der Mik Gain (auf der Rückseite des Transceivers) so eingestellt werden, dass 120mA in den Sprachspitzen nicht überschritten werden. 

Neu abstimmen bei Bandwechsel ist selbstverständlich, nachjustieren bei grösseren Frequenzwechseln innerhalb des Bandes ist oft nötig.

Auch bei späteren Röhrentransceivern hat Kenwood dieses Prinzip beibehalten und der Drive stimmt sowohl Sender wie Empfänger ab (z.B. TS520). Yaesu hingegen hat seinem Transceiver einen eigenen Regler für den Preselector des Empfängers spendiert(z.B. FT101).  

Jeder DXer zeigt natürlich gerne seine Sammlung an QSL-Karten. Von Inseln von denen die meisten Menschen noch nie gehört haben und DX-Expeditionen an entlegenen Orten. Aber ich war nie ein richtiger DXer. Wie viele Länder ich "gearbeitet" habe, weiss ich nicht und QSL-Karten habe ich nur die ersten paar Jahre gesammelt und dann die meisten entsorgt. Trotzdem möchte ich euch hier eine QSL-Karte aus den 70er Jahren zeigen, die eine Verbindung repräsentiert, die mir gut in Erinnerung geblieben ist. Mit einer Mobilstation in der Nähe von San Francisco:



Den Prefix HB7 durften wir 1979 zum 50 jährigen Jubiläum der USKA benutzen.

Beim nächsten Mal geht es weiter mit der kurzen Welle in "Erinnerungen eines Funkamateurs". U.a. mit neuen alten Geräten, mit Mobilfunk, DX im 80 und 160m Band und natürlich selbst gebauten Endstufen.

Ein gutes neues Jahr es vy 73 de HB9ASB

    

Montag, 22. Dezember 2025

Erinnerungen eines Funkamateurs 6 - 2m SSB

 

Blick aus dem Fenster meiner Funkbude, während ich diese Zeilen schreibe.

Mit den 60er Jahren ging auch das AM-Zeitalter auf dem 2m Band zu Ende. Wie bereits auf Kurzwelle wurde nun der Sprechverkehr in Einseitenband-Modulation SSB abgewickelt. Und zwar im oberen Seitenband USB. Dadurch wurden alle AM Geräte, ob selbst gebaut oder gekauft, obsolet und de facto unverkäuflich. 

SSB-Sender waren für den Amateur nicht mehr so einfach zu bauen wie AM-Sender. Doch dafür gab es ein steigendes Angebaut an käuflichen Transceivern auf dem Markt. Deutschland war damals an der Spitze. Wiederum natürlich die Marke Semco. Aber auch andere wie Braun oder Götting. Der 2G70 von Götting war für mich damals ein Traumgerät. Leider ausserhalb der Reichweite meines Portemonnaies. Im 2G70 verrichteten Röhren den Hauptteil der Arbeit. Transistoren fanden im NF-Teil und im Oszillator Verwendung. Wie man auf den Fotos sehen kann, war der Transceiver ausserordentlich kompakt aufgebaut. Ein Meisterwerk der Röhrentechnik! Auch seine Nachfolger, die verschiedenen Versionen des HG70 waren Schmuckstücke und entsprechend beliebt, wenn man sie sich leisten konnte. Auch von den Geräten der Firma Braun konnte ich nur träumen. Der SE-300 hatte es mir besonders angetan. Als portabler Transceiver. Oder der SE-400 als Basisstation.

Die Firmen Götting existiert auch heute noch. Doch Amateurfunkgeräte werden dort schon lange nicht mehr produziert. Man hat andere Geschäftsfelder erschlossen. Die Amateurfunk-Firma Braun hingegen wurde aufgelöst.

Ich habe hier nicht alle Firmen aus Deutschland erwähnt, die sich an der Erschliessung der Einseitenbandmodulation im 2m Band beteiligten. Aus dem einfachen Grund, dass sie weder in meinen Träumen noch in meiner Realität eine Rolle spielten. Doch über einen 2m SSB-Transceiver aus Deutschland muss ich unbedingt noch berichten. Denn es war für mich nicht nur ein Traumgerät, ich bekam auch die Gelegenheit, damit zu funken. Ich erhielt ihn leihweise für eine Expedition auf das Schilthorn im Berner Oberland. Von dem Funkamateur, von dem ich berichtet habe und dessen Station ich besuchen durfte. Dieser portable 2m Transceiver war m.E. seiner Zeit voraus. Er hiess Uniport 2. Hier ist seine Geschichte.        

Auch aus anderen europäischen Ländern kamen damals interessante 2m Transceiver. Zum Beispiel aus Italien der Shak Two von ERE. Wir sehen ihn hier auf dieser QSL-Karte:


Doch die europäischen Hersteller konnten nicht lange ihre Stellung halten. Denn jetzt kamen die Japaner. Unter anderen die heutigen Schwergewichte auf dem Amateurfunkmarkt Yesu, Icom und Kenwood (damals auch unter dem Namen Trio). Aber auch einige Marken, die heute kaum jemand mehr kennt, waren dabei. Fukuyama Electronics Co. Ltd. (FDK) zum Beispiel. Von dieser Firma hatte ich einen Multi 2000. Gemäss RigPix erschien dieser Transceiver erst 1975 auf dem Markt. 

Doch in meiner Erinnerung erscheint der Multi 2000 als mein erstes SSB Gerät für das 2m Band. Wie kann das sein? Sollte ich ihn wirklich erst 1975 gekauft haben, oder irrt sich RigPix und er kam früher auf den Markt? Habe ich in den Jahren 1969 bis 1975 wirklich noch in AM gefunkt, mit dem Semcoset und dem HW-17? Ich weiss es nicht mehr. Klafft da etwa ein schwarzes Loch in meiner Erinnerung? 

Wohl nur bezüglich des 2m Bandes. Den am ersten Juli 1971 habe ich die Morseprüfung nachgeholt und den Radiotelegrafisten Ausweis erhalten. Die Kurzwelle hat dann meine UKW-Aktivität für ein paar Jahre in den Hintergrund gerückt. 

Doch bleiben wir vorerst beim Thema, dem 2m Band. Wie ich schliesslich die Morseprüfung bestanden habe und wie meine ersten Kurzwellenaktivitäten aussahen, werde ich im nächsten Blogartikel erzählen. Obwohl die Kurzwelle für einige Jahre meine UKW-Aktivitäten verdrängte, haben mich die Ultrakurzen Wellen nie losgelassen. Denn nirgendwo gab es soviel Neuland zu erforschen wie im UKW-Bereich. Später dann auch im Bereich der Dezimeterwellen und der Zentimeterwellen. Da warten noch viele Erinnerungen darauf, erzählt zu werden. Bitte habt etwas Geduld.

Der Multi 2000 war also mein erstes SSB-Gerät für das 2m Band. Einerseits war es damals wohl das günstigste, andererseits war es ein Unikum. Wie bereits auf dem Bild zu sehen ist, besass es anstelle eines kontinuierlich abstimmbaren VFO's Stufenschalter für die Frequenzeinstellung. Drei Schalter für 10 kHz, 100 kHz und 1 MHz Schritte. Für die Feineinstellung diente ein VXO-Knopf, mit der die Frequenz zusätzlich +/- 7 kHz verändert werden konnte. Interessant war, dass der Transceiver sowohl mit 12 Volt DC wie auch mit 220 V AC betrieben werden konnte. Er diente mir deshalb sowohl als Heimstation wie auch für den Portabelbetrieb. Zumindest vom Auto aus, denn das Gerät wog immerhin 7 kg.

Ich habe den Multi-2000 als robustes Gerät mit einem sehr empfindlichen Empfänger in Erinnerung. Zwar habe ich ihn später gegen einen TS-700 von Kenwood getauscht, doch diesen Tausch bald bereut und mir nochmals einen Multi-2000 zugelegt.

Als Antennen dienten mir meist selbst gebaute Yagiantennen aus dem "Rothammel" und später auch HB9CV-Antennen, als dann der IC-202 von ICOM populär wurde. Dieser kleine und leichte SSB-Transceiver war in den 70er und den folgenden Jahrzehnten fast bei jedem OM zu finden, der gerne portabel QRV war. Seine Popularität schwand erst, als die SSB-Zeit im 2m Band durch die FM-Zeit abgelöst wurde; als FM-Relaisstationen das Band dominierten und jeder OM mindestens ein Handsprechfunkgerät sein Eigen nannte. Der IC-202 war einzigartig. Genauso wie der FT-817 von Yaesu, der drei Jahrzehnte später den Markt eroberte und den Platz des IC-202 im 2m Portabelbetrieb übernahm.  

Doch jedes Funkgerät braucht eine Antenne. Was heute der "Blindenstock" im 2m Band ist, war damals die Yagi. Und zwar ausschliesslich horizontal polarisiert. Eine davon ist mir noch besonders in Erinnerung geblieben. Vielleicht weil es die einzige Yagi war, die ich nicht selbst gebaut, sondern gekauft hatte. Eine Zweiebenen Yagi mit 8 über 8 Elementen, die über ein gemeinsames Oblong mit einer Wellenlänge Umfang gespeist wurde. Dieser Yagi-Typ wird u.a. auch im Rothammel beschrieben. Es handelte sich also nicht um  zwei separate 8 Element Antennen, die über einen Leistungsteiler gespeist wurden. Er sah so aus, wie diese 11 über 11 hier. Sie war eine der besten Antennen, mit der ich im 2m Band je gearbeitet habe. Es war eine sehr rauscharme Antenne mit guter Bündelung in der vertikalen Ebene. Was aus ihr geworden ist, kann ich nicht mehr sagen. Ein Bild von ihr habe ich nirgends gefunden. Sie entspricht etwa dem DL7KM Beam, der mit einem Doppelquad-Element gespeist wird. 

Die Antennentechnik hat in der Zwischenzeit grosse Fortschritte gemacht. Yagi Antennen werden nun mit Simulationsprogrammen auf dem Computer entwickelt und optimiert und nicht mehr mittels Heuristik bzw. "Try end Error". DXer und Contester im VHF/UHF Bereich setzen heute auf mehrere gestockte kürzere Yagis, um mittels Bündelung in der Vertikalen einen hohen Gewinn zu erzielen und gleichzeitig mit einer schwächeren horizontalen Bündelung einen grösseren Azimutbereich abdecken zu können.

Auch wir UKW-Amateure lauerten auf DX. Wobei DX eine andere Bedeutung hatte als auf der Kurzwelle. Schweiz-Irland auf 2m war für den UKW'ler ebenso spannend wie eine Verbindung mit Neuseeland im 20m Band für den KW Amateur. Die Beobachtung der Wetterlage war deshalb von essentieller Bedeutung. Ein stabiles Hochdruckgebiet über Europa versprach meist gute DX-Bedingungen. Ist es bloss eine Verklärung der Erinnerung oder war es tatsächlich so, dass damals viel häufiger Inversionslagen mit ausgeprägten Ducts auftraten als heute?

Unterbrechen wir hier die Erzählung über die Ultrakurzen Wellen. Im nächsten Beitrag geht es um meine ersten Abenteuer auf der Kurzwelle. Wir werden uns später wieder den UKW widmen.     

        

 

Sonntag, 14. Dezember 2025

Erinnerungen eines Funkamateurs 5 - Die Lizenz

 


Bild: Vanil Noir HB/FR-001, 2389m

Endlich war es soweit. Ich war 18 und hatte mich für die Lizenz Prüfung angemeldet. Sie fand in Bern bei der Generaldirektion PTT statt. Kein Multiple Choice mit Ankreuzen von Kästchen, sondern eine strenge Prüfung im direkten Kontakt mit den Experten. Durchmogeln mit Auswendiglernen eines Fragenkatalogs war unmöglich.

Da mussten nicht nur das Blockschema eines SSB-Senders und eines Oszillators (mit Elektronenröhre) gezeichnet, sondern auch erklärt werden. Schwingkreis und Spannungsteiler mussten berechnet werden. Ohne Taschenrechner, den gab es damals noch nicht. Dann Fragen zu Antennen und Wellenausbreitung und anderes mehr. Ich hatte die Ehre, gerade zwei Prüfern Red und Antwort zu stehen. Auch über die technischen und operativen Vorschriften wurde ich von den beideh Herren befragt. Ein strenges Examen. Jeden liess man damals nicht auf den Äther los.

Doch das Beste kommt zum Schluss. Es war die Morseprüfung. Tempo 60 Buchstaben pro Minute. Aufnehmen und Geben mit sehr wenig Fehlertoleranz. Zum Geben diente eine Handtaste, wie sie damals die Telegrafisten benutzten. Ich war nervös und meine Stirn wird damals wohl vor Angstschweiss geglänzt haben. Höchste Konzentration war gefordert, denn es gab nur einen Versuch.

Leider gab ich nicht mein Bestes und scheiterte an zwei Fehlern zu viel. Eine Wiederholung war nicht vorgesehen. Ich könne mich nächstes Jahr wieder neu anmelden, hiess es.  Aus war der Traum vom Kurzwellenamateur. Der begehrte Radiotelegrafistenausweis blieb mir verwehrt.

 


Doch halt! Noch gab es einen Hoffnungsschimmer, noch war nicht alles verloren. Denn gerade hatte man eine neue Lizenzklasse geschaffen. Für die, welche nicht morsen wollten oder konnten. Eine so genannte UKW-Lizenz. Für VHF und UHF, ähnlich der heutigen HB3-Klasse. Diese UKW-Amateure mussten die gleich strenge technische Prüfung bestehen wie die Kurzwellenamateure, ausser dem Telegrafieren. Die UKW'ler bekamen vorerst Rufzeichen aus dem HB9Mxx Block. Später dann auch aus anderen Blöcken.  

So bekam ich also den Trostpreis, wurde UKW-Funkamateur und erhielt das Rufzeichen HB9MBS zugeteilt. Ich gehörte also zu den ersten dieser unglücklichen Truppe. Aber auch die UKW-Amateure durften - im Gegensatz zu den heutigen HB3er ihre Geräte selbst bauen. Und genau das tat ich, als meine Enttäuschung über die nicht bestandene Morseprüfung verraucht war.

Heute dürfen die Funkamateure mit ehemaliger UKW-Lizenz ebenso auf Kurzwelle funken wie die mit Radio-Telegrafisten Ausweis. Mit gleichen Rechten und Pflichten. Nach dem Wegfallen der Morseprüfung gab es keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Klassen. Doch als die UKW-Amateure auch auf Kurzwelle senden durften, erlebte der Amateurfunk - zumindest hierzulande - eine tiefgreifende Wandlung: Der Verkehr auf den VHF und UHF Bänder nahm rapide ab. FM ersetzte SSB, Vertikalantennen (so genannte Blindenstöcke, wegen ihrer weissen Farbe) ersetzten die horizontal polarisierten Yagi-Antennen. Relaisfunk ersetzte DX. Doch 1969 war es noch nicht soweit. Auf dem 2m Band war AM noch die beherrschende Modulation, auf 70cm auch. Aber dort experimentierten nur wenige Spezialisten.

Eigentlich war es grob gesehen so: Aus den Kurzwellenamateuren wurden DXer. Aus den UKW-Amateuren wurden Tüftler und Experimentatoren. Man nannte damals die UKW-Lizenz auch die Techniker-Lizenz. 

Die AM-Zeit 

Auf Kurzwelle ging 1969 die AM-Zeit zu Ende, SSB ersetzte die Amplitudenmodulation im Sprechverkehr. Doch im 2m Band wurde noch meist in Amplitudenmodulation gesendet. Meist mit kleinen Leistungen von einigen 100mW bis einigen Watt, dafür mit Yagiantennen, welche die kleine Leistung wettmachten. Da die Sender noch quarzgesteuert waren und man in der Regel nur über ein paar wenige der teuren Quarze verfügte,  etablierte sich eine spezielle Art der Verbindungsaufnahme. Sie wurde noch dadurch kompliziert, dass nicht jeder die gleiche Quarzfrequenz hatte. Ich zum Beispiel hatte zu Beginn bloss einen einzigen Quarz und konnte nur auf 144.200 MHz senden. Der Empfänger jedoch war durchstimmbar. Einen Bandplan gab es damals noch nicht. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Vielleicht fehlten damals noch die Funktionäre mit organisatorischem Drang unter den Funkamateuren.

Wer CQ rufen wollte, sendete daher nach mehrfachem CQ-Ruf folgendes:

"HB9MBS geht auf Empfang und dreht von oben nach unten über das Band."

Oder auch umgekehrt, wie es gerade passte. Dann kurbelte man über das gesamte 2m Band und hörte nach Stationen, die auf den CQ-Ruf antworteten. Das war eine recht mühsame Angelegenheit und brauchte Zeit und Geduld, wie man sich vorstellen kann. Daher "kristallisierten" sich mit der Zeit ein paar Standardfrequenzen heraus. In unserer Region 145.000 und 145.500. Es war gewissermassen eine informelle Vereinbarung getroffen worden, was die Sache wesentlich vereinfachte und auch die Möglichkeit eröffnete, in Sprechpausen in ein bestehendes QSO reinzurufen. 

Mein erster Sender war ein Bausatz der Firma Lausen aus Deutschland. Es handelte sich um eine Leiterplatte mit einen dreistufigen AM Sender mit ca. 500mW HF-Leistung. Als Empfänger diente mir der HA-350 mit einem Konverter, der das 2m in das 10m Band umsetzte. Ebenfalls ein Bausatz der gleichen Firma. Die erste Antenne war eine selbst gebaute, 2m lange 9 Element Yagi aus Rothammels Antennenbuch. Der Gewinn dürfte etwa bei 12dBi gelegen haben. Der "Rothammel" war bereits damals das Standardwerk der Antennentechnik für Funkamateure. Hier meine drei Rothammel, die mir heute noch geblieben sind:


 Links die zehnte Auflage, noch in der DDR gedruckt, dann die elfte und rechts die 13. Letztere ist ein richtig dicker Schinken, doppelt so dick wie die anderen. Voll mit m.E. unnötigem Ballast.  

Mit dieser Ausrüstung habe ich meine ersten QSO's im 2m Band gefahren. Mit einem gewaltigen Heimvorteil. Von meinem QTH aus waren sowohl die Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau, wie auch das nahe Stockhorn sichtbar. Allesamt formidable Reflektoren. Richtete man seine Antenne auf diese Bergriesen waren Verbindungen nicht nur innerhalb der Schweiz, sondern auch in den Schwarzwald und über den Jura nach Frankreich möglich. Trotz AM und trotz bescheidenen Leistungen lebte das 2m Band in unserer Region. Abends und an Wochenenden fand man immer QSO Partner.

Dank einem stärkeren Transistor in der Endstufe, einem 2N3866 anstelle des 2N2218 konnte ich meine HF-Leistung auf ca. 800mW steigern. Doch auch das genügte mir nicht mehr und als ich einen gebrauchten 2m Transceiver kaufen konnte, ergriff ich die Gelegenheit und war nun stolzer Besitzer eines SEMCO. Der Transceiver hiess Semcoset, hatte einen durchgehend abstimmbaren Empfänger und einen quarzgesteuerten Sender. Nur AM versteht sich. Von FM sprach damals kaum jemand. Das Gerät ist meines Wissens der erste auf dem Markt erhältliche 2m Transceiver und hatte 1.5 Watt PEP. Doch am modus operandi hatte sich nichts geändert. Man hatte einen durchstimmbaren Empfänger und einen quarzgesteuerten Sender auf einem einzigen Kanal.

Hier findet man Informationen zu der Firmengeschichte von SEMCO. Die Webseiten von VE6AQO sind übrigens eine wertvolle Quelle für Informationen zu europäischen Herstellern von Amateurfunkgeräten, wie sie anderorts nicht zu finden sind.

Mit dem Semco war ich an den Wochenenden oft unterwegs, vorzugsweise auf Berggipfeln. Eine spektakuläre Verbindung ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Vom Nufenenpass auf die Bütschelegg bei Bern, quer über die Alpen. 

In dieser Zeit hörte ich von meinem Heim QTH aus ab und zu auch Stationen aus Italien. Doch die Leistung meiner Station genügte (noch) nicht, um eine Verbindung mit ihnen zustande zubringen. Mehr Leistung musste her! Schon damals galt der Spruch: "Auf die Dauer hilft nur Power."

Der kam dann auch in Gestalt eines Heathkit Transceivers, den ich zusammenbaute: Ein HW-17. Das Gerät war ein Hybrid. Das heisst: es arbeitete sowohl mit Röhren (3), wie auch mit Transistoren (15). Einem Prinzip, dem man bis ca. Ende der 80er Jahre immer wieder begegnete. Die Röhren sassen dabei oft nur in den Treiber und HF-Endstufen. Also dort wo HF Leistung gebraucht wurde. Das Merkmal dieser Geräte: die Endstufen mussten manuell abgestimmt werden. Mit der Einführung von Transistorendstufen verschwand diese Notwendigkeit.

Die Heathkit Geräte waren legendär für ihre detaillierten Baubeschreibungen, die Fehler beim Bau weitgehend vermieden. Für Funkamateure ideal: denn wenn man jede Komponente selbst einbauen und löten muss, lernt man sein Gerät sehr gut kennen und kann es später wenn notwendig viel leichter reparieren. Zudem waren die Heathkit-Bausätze wesentlich günstiger als fertig gebaute Geräte.

Doch ist nicht alles eitel Sonnenschein. Der HW-17 lieferte zwar zwischen 8 und 10 Watt Sendeleistung, doch er war eine taube Nuss. 1uV Empfindlichkeit bei 10dB SNR liessen ihn gegenüber dem Semcoset alt aussehen.

Auch der HW-17 verfügte über einen durchstimmbaren Empfänger und einen quarzgesteuerten Sender. In dieser Hinsicht war er also kein Fortschritt. Trotzdem half mir der HW-17 zu einem Funkerfolg. Zum ersten Mal gelang mir ein QSO mit einer Station in Italien. Es blieb der einzige Kontakt über die Alpen in der AM-Zeit. Hier noch der Link zu den technischen Daten und dem Schaltplan des HW-17.  Wie man sieht, wurde bereites damals Feldeffekt-Transistoren eingesetzt: in der Empfängervorstufe und dem ersten Mischer.   

Der HW-17 markierte den Schlusspunkt meiner AM-Zeit im 2m Band. SSB stand vor der Tür, zusammen mit durchstimmbaren Sendern und rauscharmen HF-Verstärkern in den Empfänger-Vorstufen.

Doch darüber werde ich in meinem nächsten Blog berichten: Erinnerungen eines Funkamateurs 6 - 2m SSB.


  

     

Sonntag, 7. Dezember 2025

Erinnerungen eines Funkamateurs 4 - Sendeversuche

 


Bild: Der Winter steht vor der Tür. Hochmatt HB/FR-010, 2152m


Seit Bestehen unserer Welt erzeugen Blitze Radiowellen auf natürlichem Weg. Weltweit gibt es pro Tag zwischen 4 und 10 Millionen Blitze auf der Erde. Also etwa zwischen 46 und 116 Blitze pro Sekunde. Diese erzeugen Wellen im ganzen Radiobereich. Auf unserem Radio bzw. Funkempfänger sind sie als atmosphärisches Rauschen und sporadisches Knacken zu hören.

Marconi hat bei seinen Versuchen die Erzeugung von Radiowellen den Blitzen nachgemacht. Funken gibt es überall seit wir Elektrizität verwenden. Sie entstehen, wenn Elektrizität mit Kontakten geschaltet wird. Es war nur eine Frage der Zeit, bis man die richtigen Schlüsse zog und die von elektrischen Funken erzeugten Wellen nachweisen konnte. Marconi war nicht der erste, aber er war der erste Praktiker. Das zeigte sich daran, dass er nicht im Labor blieb, sondern Feldversuche unternahm. So untersuchte er u.a. in Salvan im Wallis im Jahr 1895 die Ausbreitung mit seinem Funkensender und einem portablen Empfänger. Marconis Experimente im Wallis waren aber umstritten. Eher politisch als technisch. 

Als technisch interessierte Teenager hatten wir über Marconis Experimente gelesen und die Versuchung war gross, auf seinen Pfaden zu wandern. Wir haben dafür elektrische Klingeln als Funkensender benutzt. Ein Ding, das heute in dieser Form nur noch in Altbauten existiert. Das Prinzip ist einfach und wird hier gut erklärt. Schon ohne spezielle Antenne ist so eine Klingel bereits ein kleiner Funkensender. Schliesst man eine Morsetaste anstelle des Klingelknopfs an, kann man damit Morsezeichen senden, die man in einem Empfänger hören kann. Kein schöner Ton und über ein weites Frequenzband zu hören, doch Marconis Versuche liessen sich damit gut nachvollziehen. Die verwendeten Klingeln funktionierten mit Gleichstrom von einer im Gehäuse eingebauten 4.5 Volt Taschenlampenbatterie. Hätte der Hersteller damals eine Freilaufdiode eingebaut und damit den Funken des Unterbrechers unterdrückt, hätten wir das Experiment nicht durchführen können. 

Doch eine elektrische Klingel allein ist noch kein guter Sender, sondern nur eine lokale Störquelle. Um die erzeugten Wellen weiter als ein paar Meter auszusenden, muss eine Antenne angeschlossen werden. Im Prinzip bedeutet das, auf der einen Seite der Funkenstrecke einen Antennendraht anzuschliessen und auf der anderen Seite eine Erdverbindung herzustellen. Zum Beispiel mit einem metallenen Erdspiess. Wird die Antenne mit einem Schwingkreis abgestimmt, kann die Wellenlänge des Senders bestimmt werden. Auf dieser Seite hier wird erklärt, wie das genau funktioniert. Da eine Funkenstrecke immer ein ganzes Wellenspektrum erzeugt, kann das Signal trotz Schwingkreise als Selektionsmittel nie auf eine einzelne Frequenz beschränkt werden. Ein solcher Sender strahlt immer ein breitbandiges Signal ab. 

Solch einfache Klingeln, mit einer 4,5V Taschenlampenbatterie betrieben, wie wir sie damals hatten, gibt es heute vermutlich nicht mehr zu kaufen. Zwar gibt es noch ähnliche Klingeln auf dem Markt, bei denen ein Klöppel an eine Glocke schlägt, aber sie werden über einen Transformer mit 50Hz Wechselstrom betrieben und brauchen deshalb keinen Unterbrecherkontakt, der Funken erzeugen könnte. Es gibt diese sehr lauten Klingeln zum Beispiel noch bei Conrad. Natürlich könnte man heute auch ein Relais als Funkengenerator nehmen, das sich nach dem Aufziehen über seinen eigenen Unterbrecherkontakt abschaltet. Fällt dann das Relais ab, beginnt das Spiel von neuem. Die lärmige Glocke braucht es also nicht unbedingt.

Ich rate aber dringend davon ab, derartige Geräte zu konstruieren wie ich sie hier beschreibe. Sie sind starke Störsender, die auf einem breiten Frequenzband den Radio- und Fernsehempfang stören und sogar den Funkverkehr lahmlegen können. Ihr Betrieb ist verboten.

Mit einer langen Drahtantenne und einem kleinen Erdspiess haben wir damals von Haus zu Haus und im freien Feld Versuche gemacht. Mit dem Detektorempfänger mit nachgeschaltetem NF-Verstärker aus dem Philips-Baukasten konnten wir damals mehr als 100m überbrücken. Die verwendete Frequenz lag damals wohl im Bereich von einigen MHz. Ähnlichen Störsignalen begegnete man damals als Kurzwellenhörer häufig. Die Zündfunken vorbeifahrender Motorräder und Elektromotoren in der Nachbarschaft waren früher oft die Verursacher von Knattergeräuschen im Empfänger.

Einige Jahre später kam dann der Wunsch auf, Sender auszuprobieren, mit denen Sprache übertragen werden konnte. Das Wort "Minispion" übte damals in  Bastlerkreisen eine grosse Faszination aus. Obwohl streng verboten, wurden sie ausführlich in Büchern beschrieben. Mit genauen Bauanleitungen. Diese Bücher sind heute meist nur noch antiquarisch zu kaufen. Eine Google-Suche mit dem Stichwort "Buch Minispione" bringt eine ganze Palette dieser Bücher zum Vorschein und zeigt, wie populäre das Thema damals war. 

Es waren einfache Sender mit einem oder zwei Transistoren und einem Mikrofon. Oft als richtige Minispione in kleine Gehäuse wie z.B. Zündholzschachteln eingebaut. Miniaturisierung interessierte mich damals (noch) nicht und ich baute meinen "Minispion" in ein grosses Holzgehäuse ein. Also eher ein Maxispion als Minispion. Ich wollte damit ja Sendeversuche machen und niemanden ausspionieren. Dieser "Maxispion" arbeitete nicht auf Kurzwelle, sondern im UKW-Bereich bei 100 MHz in FM. 

Es waren die ersten Transistorradios mit UKW-Bereich, welche die "Minispione" in Bastlerkreisen erst möglich machten. Denn das UKW FM Band war ideal für deren Betrieb. In den 60er Jahren waren bei uns nur wenige Rundfunksender im FM Band in Betrieb und man fand dazwischen genügend Platz. Kofferradios mit Transistoren hatten oft schon das FM-Band eingebaut und eigneten sich gut für derartige Versuche. Ich erinnere mich, damals einen Hitachi Kofferradio besessen zu haben, genau diesen Typ hier. Geblieben ist mir davon nur noch ein Drehko, der jetzt in einem manuellen Antennentuner steckt.  

Silizium Transistoren hatten inzwischen die Germanium Transistoren abgelöst und ihre Transitfrequenz genügte in vielen Fällen, um sie im FM-Band zum Schwingen zu bringen. Auch wenn die Leistung der Minispion-Sender nur wenige Milliwatt betrug, konnten mit einer einfachen Viertelwellen-Stabantenne einige hundert Meter überbrückt werden. 

Doch bald verlor ich das Interesse an den Minispionen. Ich wollte einen Sender bauen, mit dem ich grössere Distanzen überbrücken konnte. Einen Sender, wie ihn ein Funkamateur benutzen würde. Zu dieser Zeit hatte ich Kontakt mit einem gleichgesinnten Bastler an den Gestaden des Thunersees. Also etwa 20km von mir entfernt. Würde es uns gelingen eine Sprechfunkverbindung über diese Distanz herzustellen, könnten wir uns über unsere Experimente austauschen, ohne uns persönlich zu treffen. Wir kamen daher überein, Sender für das 80m Amateurfunkband zu bauen. Der Einfachheit halber mit Amplitudenmodulation. Den passenden Empfänger hatte ich ja bereits: nämlich den Lafayette HA-350.

Das war für mich das erste Mal, dass ich etwas mit einer Elektronenröhre baute. Bisher hatte ich mich nur mit Transistoren beschäftigt. Doch Röhrentechnik war ein ganz anderes Kapitel. Im Gegensatz zu Transistorschaltungen benötigen sie hohe Spannungen. In der Regel einige 100 Volt, was ich bald zu spüren bekam. Daneben müssen ihre Heizfäden gespeist werden. Oft mit 6.3V. Zudem verhalten sich Röhren ganz anders als Transistoren. Bipolartransistoren sind stromgesteuert. Die Stromverstärkung beschreibt die Abhängigkeit des Kollektorstroms vom Basisstrom (hFE). Röhren sind spannungsgesteuert. Ihr Mass für die Verstärkung ist die Steilheit (S): die Abhängigkeit des Anodenstroms von der Gitterspannung. 

Für meinen Röhrensender benutzte ich eine Pentode EL84, wie sie in Radioempfängern dieser Zeit auch als NF Endstufe eingesetzt wurde. Das Schema sah dazumal etwa so aus. Zwar konnte ich die HF-Leistung des Senders damals nicht genau messen, aber sie dürfte etwa 5 Watt betragen haben.

Als Antenne diente damals ein Draht unbestimmter Länge, der zwischen einer Espe und einem Apfelbaum im Garten meiner Eltern hing. Als Erde diente ein Anschluss an die Zentralheizung.

Damit endeten meine Sendeversuche, kam ich doch zu der Einsicht, dass es besser war, auf meine Amateurfunklizenz zu warten, anstatt mit illegalen Sendeversuchen dieselbige zu riskieren.

Seit dem Aufkommen des CB-Funks finden viele über diesen Weg die Motivation zur Amateurfunklizenz. Das war bei mir nicht der Fall. Der CB Funk wurde erst 1973 in der Schweiz erlaubt. Mit 12 Kanälen und 100mW Sendeleistung.

Beim nächsten Kapitel geht es dann so richtig zur Sache: Erinnerungen eines Funkamateurs - die Lizenz. Dieser Beitrag sollte noch vor Weihnachten hier im Blog erscheinen.   

    

Donnerstag, 27. November 2025

Erinnerungen eines Funkamateurs 3 - HA-350

 


Blick vom Mont Coudon auf die Stadt Toulon. Rechts im Bild der Mont Faron


Mit dem Lafayette HA-350 hatte ich nun einen Empfänger, der die damaligen Amateurfunkbänder auf Kurzwelle abdeckte: 80m, 40m, 20m, 15m und 10m in 600kHz Abschnitten. Zudem noch 14.5 - 15.1 MHz, um die Zeitzeichen-Stationen WWV auf 15 MHz zu hören, die nicht nur die genaue Zeit sendeten, sondern auch frequenzgenau waren. 

Für die Rundfunkbänder war der HA-350 nicht vorgesehen, doch dafür hatte ich ja noch Grossvaters Autophon. Mit dem Lafayette konzentrierte sich meine Tätigkeit als SWL nun hauptsächlich auf den Amateurfunk. Doch meine nächtlichen SWL Aktivitäten hatten keinen guten Einfluss auf meine schulischen Leistungen. Meine Noten in Französisch - einer Sprache, die ich nicht mochte - wurden von schlecht zu katastrophal. Hätte mir damals jemand prophezeit, dass ich in ferner Zukunft einen französischen Pass besitzen würde und dass ich in der Romandie, in  Charmey wohnen würde, ich hätte dies als dummen Witz aufgefasst. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Doch zurück zum HA-350. Dies hier soll ja kein Lebenslauf sein, sondern eine Erinnerung an meine Funker-Laufbahn.

Scrollt man beim Eintrag von Rigpix für den HA-350 nach unten, bekommt man auch einen Blick ins Innere des Empfängers. Zudem kann man das User Manual herunterladen, in dem das Schema enthalten ist. Ich muss immer wieder staunen, wie viele Funkamateure ihre Kiste noch nie aufgeschraubt und einen Blick unter die Haube geworfen haben. Das wäre früher unvorstellbar gewesen.

Mit seinen 12 Röhren bot der Lafayette einen beeindruckenderen Anblick als der fast leere Innenraum seines Vorgängers, des Hallicrafters S-120. Das schlug sich auch in den Empfangsleistungen nieder, die wesentlich besser waren. Der Empfänger war im 80m Band ein Einfachsuperhet mit einer Zwischenfrequenz von 455 kHz. Im Bild seines Innenlebens ist das mechanische ZF-Filter für SSB gut zu sehen. Für AM genügten Spulenkreise. Die anderen Bänder von 10m bis 40m wurden mithilfe eines Quarzoszillators und eines zweiten Mischers ins 80m Band umgesetzt. Bei diesen Bändern war der HA-350 also ein Doppelsuper mit einer variablen ZF von 3.5 - 4.1 MHz. Um trotzdem eine genügende Vorselektion zu erhalten (Spiegelfrequenzunterdrückung!), besass der Empfänger einen Preselector - ein abstimmbares HF-Filter am Antenneneingang. Ein damals gängiges Prinzip, wie wir es z.B. auch bei den Geräten von Drake wiederfinden. Aus heutigen Geräten ist der manuell abstimmbare Preselector verschwunden.

Apropos mechanische Filter: Diese wurden ab den 50er Jahren in hochklassigen Empfängern eingesetzt, da mit Spulenfiltern keine so gute Selektion erzielt werden konnte. Quarzfilter kamen erst später zum Einsatz, weil diese billiger in der Herstellung waren. Heute hat die digitale Signalverarbeitung auch diese ersetzt.   

Wie gut war der HA-350 damals? In meinen Erinnerungen war er natürlich das Non Plus Ultra. Dass ich damals in den Nachtstunden auf dem 40m Band nur einen undurchdringlichen Wellensalat hören konnte, schrieb ich den vielen Rundfunkstationen zu, die damals nicht nur das nahe 41m Band bevölkerten, sondern häufig auch Frequenzen im Amateurfunkband besetzten. Dabei hatte das 40m Band in Europa schon das Handicap, nur 100kHz breit zu sein. Die US-Amateure konnten sich hingegen auf ganzen 300 kHz tummeln. 

Wie gut der HA-350 wirklich war, fand ich erst Jahrzehnte später heraus.  Dann, als ich den Fehler beging, einen alten HA-350 im Internet aufzustöbern und aus nostalgischen Gründen zu kaufen. Ein Fehler, den ich im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte noch mehrmals machte. Immer wieder kaufte ich ein altes Gerät, an das ich gute Erinnerungen geknüpft hatte. Und immer wieder machte ich von neuem die Erfahrung, dass uns unsere Erinnerungen täuschen können. Erst kürzlich hat sich bei mir diese besondere Lernresistenz verflüchtigt.

Der alte HA-350 war keineswegs so gut, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Im Vergleich zu neueren Empfängern war sein Grosssignalverhalten schlecht und die Bänder voller Phantomsignale. Auch fehlte es ihm an Empfindlichkeit und Frequenzstabilität. Auch das fehlende CW-Filter störte mich nun. Doch all das hätte ich eigentlich wissen müssen. 

Trotzdem konnte ich mit dem Gerät in den sechziger Jahren DX-Stationen aus der ganzen Welt hören. Und manchmal kam sogar eine QSL-Karte als Antwort auf meine SWL-Karte zurück. Mein Empfangsrufzeichen, das mir damals von der Generaldirektion der PTT zugeteilt worden war, lautete HE9GPB. Die PTT war, wie aus der Abkürzung hervorgeht für Post, Telephon und Telegraph zuständig. Darunter fielen auch Radio und Fernsehen und die ganze Funkkommunikation. Die GD PTT war ein eigenes "Königreich" innerhalb der Schweiz. Zwar unter Oberaufsicht des Bundesrates doch de facto Legislative, Exekutive und Judikative zugleich. Die Funkamateure waren vom Wohlwollen dieses "Königsreichs" abhängig. Dieses wurde uns in der Regel auch gewährt.     

Hier ein Bespiel für die QSL Karten, die ich als SWL damals erhielt:


1964 befand sich die Sonnenaktivität auf einem Minimum, nach dem höchsten Maximum aller Zeiten 1957. 10m war tot und auch auf 15m war selten etwas zu hören. Der Amateurfunkverkehr konzentrierte sich auf die längeren Bänder. Da der Empfang auf 40m nachts ungeniessbar war, konzentrierte sich meine Hörtätigkeit in dieser Zeit auf das 20m Band. Doch die Sonne kam rasch wieder in die Gänge und bereits im Winter 67/68 stieg die Sonnenfleckenzahl wieder über die 100er Marke. Doch das darauf folgende Maximum 1969 war eine Enttäuschung. Es war ein schwaches Maximum, wie man aus dieser Aufzeichnung der NOAA ersehen kann. Doch für mich waren die guten Funkbedingungen 1969 ein Ansporn. Denn Ende des Jahres wurde ich 18 Jahre alt und das bedeutete, dass ich dann endlich die Amateurfunklizenz machen konnte. Dass das nicht so lief wie geplant, konnte ich damals nicht ahnen. Doch bevor wir zu diesem Stolperstein auf meinem Lebensweg kommen, werde ich mich in meinem nächsten Beitrag zuerst noch einem anderen, etwas heiklen Thema widmen:

Einem Tun das glücklicherweise längst verjährt ist: meinen Sendeversuchen. Auch dazu gibt es in meinen Unterlagen keine Fotos oder Schaltpläne und ich werde das damalige Geschehen allein aus meiner Erinnerung rekonstruieren müssen. Wieso nichts als meine Erinnerungen aus dieser Zeit übrig geblieben ist, liegt daran, dass ich damals nicht in einem Verein war und meine Versuche nur mit ein paar gleichgesinnten Freunden teilen konnte. Einen Funkamateur als Mentor hatte ich nie. Während sich meine Schulkollegen in ihrer Freizeit mit Fussball und anderen Freizeitaktivitäten beschäftigten, werkelte ich lieber allein in meiner Funkbude und lauschte den Signalen aus dem Äther. Es ist kaum abzustreiten: ich war ein Einzelgänger und machte gerne mein eigenes Ding.

Mein nächster Blogeintrag heisst: Erinnerungen eines Funkamateurs 4 - Sendeversuche und soll im Dezember erscheinen.